Mobilfunk 06.07.2007, 19:29 Uhr

„Die Zukunft des Handys ist rosig“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 7. 07, rb – Ein kleiner Boxer stand symbolisch für die erste private digitale Mobilfunklizenz, mit der Mannesmann die Telekom zum Wettstreit aufforderte. Dr. Peter Mihatsch gründete damals die Mobilfunktochter in Düsseldorf, die heute zum Vodafone-Konzern gehört. „Das Handy ist zu einem persönlichen Gerät geworden, das demnächst noch viel mehr Funktionen haben wird.“ Es könne künftig Türschlüssel und zugleich Geldbörse sein, so Mihatsch.

Mihatsch: Seit Beginn der 80er Jahre war mir klar, dass die Mobilkommunikation erfolgreich sein wird. Wobei man damals noch nicht so an das Handy, wie wir es heute kennen, gedacht hat. Man hat aber ein Problem gelöst – nämlich den Widerspruch zwischen Mobilität und Telekommunikation. Wenn der Mensch früher mobil war, konnte er nicht telekommunizieren, wenn er telekommuniziert hat, dann war die Mobilität so groß wie die Schnur vom Telefon bis zur Wand.

Ich war überzeugt, mit digitaler Mobilkommunikation und damit einer viel größeren Anzahl von Teilnehmern als in den A-, B- und C-Netzen gelingt ein Durchbruch. Quantifizieren konnte man das Anfang der 80er noch nicht. Zum Zeitpunkt der Bewerbung 1989 haben wir – wie ich später erfahren habe – für 2000 mit ca. 5 Mio. Kunden im Vergleich zu unseren Konkurrenten, die größte Anzahl von Kunden vorausgesehen. Real gab es übrigens im Jahr 2000 in Deutschland über 48 Mio. Kunden in Mobilfunknetzen.

VDI nachrichten: Was war in den Jahren des digitalen Mobilfunks die wichtigste technische Entwicklung?

Mihatsch: Drei Dinge waren wichtig: Zum einen die ständige Weiterentwicklung der Übertragungsverfahren in Sachen Bandbreite, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Als Zweites: Die Miniaturisierung der eingesetzten Hardware – sowohl bei den Endgeräten als auch in den Netzen. Unsere ersten Basisstationen beanspruchten Räume von 2 m x 4 m und brauchten eine Klimaanlage. Heute ist die Basisstation gerade noch so groß wie ein kleiner Kühlschrank und die können Sie direkt aufs Dach tragen. Die dritte Entwicklung war die zunehmende Funktionalität der Handys.

VDI nachrichten: Was war die größte Hürde, die es zu nehmen gab?

Mihatsch: Es gab ein paar. Als wir die Lizenz erhalten haben, ahnten wir, dass es Probleme geben wird. Doch letztlich hatten wir völlig andere.

Am 2. Januar 1990, als wir als Mannesmann Mobilfunk in Düsseldorf in vier Zimmern angefangen haben, mit fünf Leuten, ohne Telefon und Schreibtisch, galt es eine neue Firma aufzubauen. Das größte Problem war, die nötige Anzahl von qualifizierten Mitarbeitern zu bekommen. Außerdem kamen genau zu diesem Zeitpunkt auch noch die Neuen Bundesländer dazu – und damit eine größere Fläche und eine zusätzlich notwendige Netzplanung und Abdeckung.

Das weitere Problem waren die Verzögerungen, die es bei der Lieferung der Hardware gab. Wir wussten zwar, dass am Standard noch gearbeitet wird, aber dass es rund ein weiteres Jahr dauert, bis die Netzinfrastruktur und Handys geliefert wurden, damit haben wir nicht gerechnet.

Auch die Genehmigungen beim Aufbau der Antennen haben uns viel Zeit gekostet. Zudem war die Post (Telekom) am Anfang nicht sehr kooperativ. Wir mussten ja alle Leitungen/Verbindungen anmieten, bis wir vom Bundespostministerium daraufhin die Genehmigung erhielten eigene Richtfunkstrecken aufzubauen.

VDI nachrichten: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Handys aus?

Mihatsch: Die Zukunft des Handys ist rosig. Das Handy ist zu einem Multifunktionsgerät geworden. Schon 1992/93 habe ich prognostiziert, dass das Handy mit seinem Sender, seinem Empfänger, seiner Tastatur und Display für weit mehr gut ist als nur zum Telefonieren. Das Handy ist zu einem persönlichen Gerät geworden, das demnächst noch viel mehr Funktionen haben wird.

Die ersten Geräte mit GPS-Ortungs-Modulen kommen in diesen Tagen auf den Markt. Mit dem Handy werden wir demnächst Türen, z. B. Autotüren, öffnen, schließlich ist seine Sicherheit auch wegen der verwendeten Algorithmen erheblich größer als die eines einfachen elektronischen Autoschlüssels. Es gibt Fernseh- und Radioempfangsmöglichkeiten, die noch ausgebaut werden. Demnächst werde ich über den Electronic Programm Guide meinen Videorecorder von unterwegs aus programmieren. Mit seiner großen Speicherkapazität ersetzt das Handy längst z. B. den MP3-Player. Und, ein riesiges Potenzial liegt sicher auch in der kommenden Bezahlfunktion, die das Gerät übernehmen kann. Electronic Ticketing gehört dazu. Ich buche auch meine Bahnkarten über das Handy. Die Nearfield-Communication wird hier noch eine wichtige Rolle spielen.

VDI nachrichten: Was sind die kommenden entscheidenden Meilensteine in der Mobilfunktechnik?

Mihatsch: Wichtig sind neue Standards, die dem Kunden noch mehr Bandbreite zur Verfügung stellen. Das wird in der vierten Generation passieren. Dazu müssen die notwendigen Frequenzen zur Verfügung gestellt werden. Um all die beschriebenen Funktionen des Handys ausnutzen zu können, muss die notwendige Infrastruktur installiert sein. So muss z. B. der Handel Terminals bereitstellen, damit man mit Handys auch bezahlen kann. Bei all dem wird die Sicherheit der Übertragungsverfahren eine wichtige Rolle spielen. Die Nutzer müssen vor Angriffen geschützt sein und Vertrauen in die Technik haben. R. BÖNSCH

Ein Beitrag von:

  • Regine Bönsch

    Regine Bönsch

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Telekommunikation, Mobilfunk, Automobilelektronik, autonomes Fahren, E-Mobilität, Smart Home, KI, Datenschutz/IT-Sicherheit, Reportagen

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