Trotz NSA-Skandals 01.07.2014, 13:17 Uhr

Die wenigsten Unternehmen verschlüsseln ihre E-Mails

65 Prozent der Unternehmen setzen immer noch keine Codierungssoftware ein – trotz NSA-Skandals. Nur 16 Prozent der Mitarbeiter verschlüsseln regelmäßig ihre E-Mails, zeigt eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom. 

Unternehmen sollten die Codierung des E-Mail-Verkehrs ernster nehmen, rät der Branchenverband Bitkom. Doch weit mehr als die Hälfte der E-Mails von Unternehmen werden trotz NSA-Skandals und Cyberspionage unverschlüsselt verschickt.

Unternehmen sollten die Codierung des E-Mail-Verkehrs ernster nehmen, rät der Branchenverband Bitkom. Doch weit mehr als die Hälfte der E-Mails von Unternehmen werden trotz NSA-Skandals und Cyberspionage unverschlüsselt verschickt.

Foto: dpa

Der NSA-Skandal hat das Vertrauen der Menschen in eine sichere, elektronische Kommunikation in ihren Grundfesten erschüttert. Unternehmen hat er die Gefahr der digitalen Wirtschaftsspionage vor Augen geführt. Trotzdem stellen 65 Prozent der Betriebe ihren Mitarbeitern keine Software bereit, mit der sie E-Mails mit vertraulichen Informationen verschlüsseln können. Das ergab eine Umfrage des Berliner TK-Verbands Bitkom, der sich für die wirtschaftlichen und politischen Interessen seiner 2100 Mitglieder aus der ITK-Branche einsetzt.

Nur 16 Prozent der Mitarbeiter verschlüsseln ihre E-Mails

Nur jeder siebte Befragte (16 Prozent) verschlüsselt berufliche E-Mails. 19 Prozent geben an, Verschlüsselungen nicht einzusetzen, obwohl die Technik da ist. Unternehmen sollten bestehende Möglichkeiten zum Schutz ihrer Daten aber unbedingt nutzen, rät Bitkom-Sicherheitsexperte Marc Fliehe. „Der Schutz der Firmen- und Kundendaten ist dabei nicht nur wegen möglicher Ausspähung durch Geheimdienste wichtig, sondern vor allem auch mit Blick auf Cyberkriminelle.“

Die Deutsche Telekom sowie die Internetanbieter GMX, Freenet, Strato, 1&1 und Web.de haben im Zuge der NSA-Affäre mittlerweile die Initiative „E-Mail made in Germany“ gegründet. Sie alle lassen den E-Mail-Verkehr untereinander über das sichere Protokoll SMTPS laufen. Das Abrufen funktioniert über POP3S, das klassische POP3-Protokoll erweitert um eine SSL-Verschlüsselung. „Die Diskussionen der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass unsere Kunden einen starken Wunsch nach mehr Sicherheit im Internet haben“, sagt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, in einer Pressemitteilung. „Der Datenverkehr ist jetzt auf allen Übertragungswegen im Mailverbund deutlich sicherer.“

Chaos Computer Club kritisiert „E-Mail made in Germany“

Für den Chaos Computer Club, Europas größter Hackervereinigung, ist die Initiative der Branchenriesen allerdings nicht viel mehr als ein PR-Gag. Die Verschlüsselung verhindere nicht die Einrichtung der Abhörschnittstellen im System, heißt es in einer Stellungnahme. „Der Anbieter und befreundete Geheimdienste haben nach wie vor vollen Zugriff auf die Inhalte der E-Mails und können diese somit auch vollständig auswerten.“ Der NSA-Skandal habe gezeigt, dass zentralisierte Dienste als nicht vertrauenswürdig anzusehen sind.

Google werkelt derzeit an einer Browsererweiterung für seinen E-Mail-Dienst GMail. Mit dem Tool OpenPGP sollen User zukünftig ihre E-Mails direkt im Browser verschlüsseln können. Der Empfänger nutzt dann einen privaten PGP-Schlüssel zur Dekodierung. Den Quellcode der Erweiterung hat Google mittlerweile veröffentlicht, so dass IT-Experten weltweit Schwachstellen aufdecken können. Wann die Erweiterung in Chrome-Store zu haben ist, ist derzeit noch unbekannt. Auf Tablets und Smartphones soll sie allerdings vorerst nicht funktionieren. 

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