Kostenlose Software 29.06.2016, 14:18 Uhr

Die Volksverschlüsselung verspricht sichere E-Mails für jedermann

Seit heute können Privatleute ihre E-Mails vor digitaler Schnüffelei absichern: Die Software „Volksverschlüsselung“ hat das Fraunhofer Institut entwickelt und ist für Privatpersonen kostenlos. Damit das Projekt erfolgreich wird, müssen sich möglichst viele Anwender registrieren. Wie das geht, lesen Sie hier.

Glasfaserkabel übertragen Daten mit Lichtgeschwindigkeit: Jetzt hat das Fraunhofer SIT eine Software entwickelt, mit der auch Privatleute sehr einfach E-Mails verschlüsseln können.

Glasfaserkabel übertragen Daten mit Lichtgeschwindigkeit: Jetzt hat das Fraunhofer SIT eine Software entwickelt, mit der auch Privatleute sehr einfach E-Mails verschlüsseln können.

Foto: Vodafone

Der Name ist Programm: Mit der „Volksverschlüsselung“ sollen auch technische Laien zukünftig recht einfach in der Lage sein, verschlüsselte E-Mails senden und empfangen zu können. Entwickelt wurde die seit heute verfügbare und für Privatpersonen kostenlose Software vom Darmstädter Fraunhofer-Institut für sichere Informationstechnologie (SIT). Die dazugehörige Infrastruktur betreibt die Deutsche Telekom in einem Hochsicherheitsrechenzentrum.

Die vorhandenen Verschlüsselungslösungen würden kaum genutzt, weil sie wenig benutzerfreundlich und für Laien zu kompliziert seien, sagen die Initiatoren des Projektes. Michael Waidner vom SIT ist sich sicher, dass „die Bürger mit der Volksverschlüsselung ihre digitale Souveränität verbessern und sich wirkungsvoll vor unerwünschter Massenüberwachung schützen können“.

Wie funktioniert die Volksverschlüsselung?

Die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stellt sicher, dass ein Absender eine Nachricht so verschlüsselt, dass nur der intendierte Empfänger sie wieder entschlüsseln kann. Auch wenn die Nachricht auf ihrem Weg viele Server passiert, bleibt ihr Inhalt immer vertraulich. Das Herzstück dafür ist eine Software, die kryptografische Schlüssel an den richtigen Stellen auf dem Computer des Nutzers installiert.

Rechenzentrum der Telekom: Der Konzern betreibt die Infrastruktur für die Volksverschlüsselung in einem Hochsicherheitsrechenzentrum.

Rechenzentrum der Telekom: Der Konzern betreibt die Infrastruktur für die Volksverschlüsselung in einem Hochsicherheitsrechenzentrum.

Foto: Deutsche Telekom

Zuvor muss der Nutzer sich allerdings registrieren lassen, denn dessen Identität muss einmal zuverlässig festgestellt werden. Diese Zertifizierung kann über die Telekom erfolgen. Dafür muss man zwar kein Kunde sein, aber für die Inhaber eines Telekom-Kontos ist die Registrierung einfacher. Weitere Möglichkeiten der Zertifizierung gibt es über den elektronischen Personalausweis oder auch persönlich an einem der Messestände des Fraunhofer-Instituts.

Software richtet einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel ein

Wird die Software anschließend heruntergeladen, richtet sie automatisch einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel nach dem internationalen Standard, dem S/MIME-Verfahren (Secure / Multipurpose Internet Mail Extensions) für jeden Nutzer ein. Der öffentliche Schlüssel wird zusammen mit der E-Mail-Adresse auf einem Server hinterlegt.

Der private Schlüssel bleibt nur auf dem Computer des Nutzers gespeichert. Soll eine Mail gesendet werden, wird vorher der offizielle Schlüssel des Empfängers angefordert und die Mail damit verschlüsselt.

Jeder Nutzer der neuen Verschlüsselungstechnik erhält einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel.

Jeder Nutzer der neuen Verschlüsselungstechnik erhält einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel.

Foto: Fraunhofer SIT

Zum Lesen der Mail ist dann zusätzlich der private Schlüssel erforderlich. Das bedeutet wiederum, dass auch der Empfänger der Mail die Volksverschlüsselung nutzen muss, sonst gibt es eine Fehlermeldung. Man kann jedoch von Fall zu Fall vorher entscheiden, ob die Mail verschlüsselt werden soll oder nicht.

Während die privaten Schlüssel also immer nur beim Nutzer bleiben, werden die öffentlichen Schlüssel zentral registriert. Dort kann man dann, wie in einer Art Telefonbuch, die öffentlichen Schlüssel eines Nutzers erfragen, weil man ihm zum Beispiel eine verschlüsselte E-Mail schicken möchte.

Die Software unterstützt bislang nur Windows

Bisher werden von der Software die Mailprogramme Outlook und Thunderbird unter Windows unterstützt, ebenso wie die Browser Internet Explorer, Chrome und Firefox. Versionen für Mac OS X, Linux, iOS und Android seien geplant, heißt es. Außerdem werde an einer Version gearbeitet, mit der sich die Schlüssel auch sicher vom Desktop-Computer an Mobilgeräte übergeben lassen.

Basisstation von Vodafone in einem Studentenwohnheim in Köln: Die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stellt sicher, dass ein Absender eine Nachricht so verschlüsselt, dass nur der intendierte Empfänger sie wieder entschlüsseln kann. 

Basisstation von Vodafone in einem Studentenwohnheim in Köln: Die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stellt sicher, dass ein Absender eine Nachricht so verschlüsselt, dass nur der intendierte Empfänger sie wieder entschlüsseln kann. 

Foto: Vodafone

Darüber hinaus plant das Fraunhofer SIT eine Ergänzung zur Ad-hoc-Verschlüsselung, mit der Benutzer auch spontan verschlüsseln können, ohne sich vorher bei der zentralen Infrastruktur registrieren zu müssen.

Schon im vergangenen Jahr hatte Vodafone bereits seine Mail-Verschlüsselung Secure E-Mail vorgestellt.

Zur Download-Seite der Volksverschlüsselung kommen Sie hier.

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