Telekommunikation 15.04.2005, 18:38 Uhr

„Die Rechnung geht plötzlich auf“  

Als Christian Stredicke vor neun Jahren zum ersten Mal mit dem Gedanken spielte, eine Company rund um die Internet-Telefonie ins Leben zu rufen, stellte er sich auf einen langen Ritt ein. Das Pferd hat er nicht gewechselt – und ist vielen anderen davongaloppiert.

Jetzt haben sich die Mühen gelohnt, denn der Markt boomt – und die Berliner Snom technologies AG ist mit einer technischen Lösung vorne mit dabei. „Wir haben uns aber nie als Unternehmen der New Economy verstanden“, lautet das Credo von Christian Stredicke.

Der heute 36-Jährige gründete vor neun Jahren die Firma nicht mit dem Ziel, rasch das große Geld zu machen und dabei eine mehr oder minder löchrige IT-Lösung in Kauf zu nehmen. Der Gründer setzte vielmehr auf den langfristig erfolgreichen Deal. „Wir haben viel Zeit gewonnen, als andere noch geschlafen haben.“ Äußerlich wirkt der promovierte Informatiker und Betriebswirt ohnehin kaum wie ein rasanter Emporkömmling der Net-Generation, obwohl er sein Informatik-Studium an der Technischen Universität Berlin in der Rekordzeit von nur fünf Semestern abschloss.

Auch sein weiterer beruflicher Entwicklungspfad verlief eher bodenständig. Stredicke arbeitete als Assistent an der TU, ließ aber die Uni-Karriere und das eher zähflüssige Habilitationsverfahren doch lieber hinter sich. Der gebürtige Wiehler aus der Nähe von Gummersbach wechselte nach der Promotion in die Wirtschaft und hatte nach ein paar Jahren Beratertätigkeit bei Arthur D. Little „die richtige Lernkurve erreicht“, wie er seine Vita kurz umreißt.

Dann kam der Reiz, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Zusammen mit seinem Partner Nicolas Pohland gründete er Snom. Die ersten Jahre waren kreativ und experimentell zugleich. „Wir haben alle Komponenten für unser Voice over IP-Telefon originär selbst entwickelt“, betont der Snom-Gründer. Von der Sucht nach der großen Öffentlichkeit hielt er sich allerdings in den turbulenten Jahren der New Economy ziemlich fern.

Die Crux war nur, dass Stredicke kaum über eigenes Kapital verfügte, was jedoch im IT-Hype der Jahrtausendwende kein allzu großes Problem darstellte. Bei der Auswahl des Kapitalgebers legte Stredicke viel Wert auf Qualität und Unabhängigkeit: „Wir suchten einen Investor, der antizyklisch agierte und nicht auf die New Economy fixiert war.“

Der Firmengründer verlor auch nicht wie viele andere in dieser Zeit die Bodenhaftung. Er wusste zwar um die Abhängigkeiten vom Markterfolg, arbeitete aber lieber hartnäckig an den nächsten kleinen Schritten: „Erfolg garantiert nur ein solides Produkt, keine hohen Ausgaben für das Marketing.“

Die Jahre nach dem Zusammenbruch des E-Business-Hypes waren ein eher mühseliger Kampf, denn plötzlich interessierte sich keiner mehr für die Internettelefonie. Voice over IP war quasi ausgemustert, es wurde als technisch unausgereiftes System gebrandmarkt, mit einer schlechten Übertragungsqualität und nicht-kompatiblen Standards. „Heute haben wir das einzige SIP-Telefon mit vielseitigen Features, auch was die Security angeht“, argumentiert Stredicke selbstbewusst.

Auch auf Investorenseite verlief plötzlich wieder alles im Soll: Im vergangenen Sommer zog sich die SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH wie geplant von dem Deal zurück und verkaufte die Anteile an die Bell Net Corporation in Tokio. Just zum rechten Zeitpunkt, denn der Markt war gerade dabei abzuheben und Bell Net einer der führenden Marktplayer für die Internettelefonie in Ostasien. Das intellektuelle Kapital von Snom steckt vor allem in der Software und im Quellcode, den sich das Unternehmen eigens patentieren ließ. Mittlerweile beschäftigt der Firmengründer 20 Mitarbeiter, davon sind acht Ingenieure: „Berlin und das universitäre Umfeld bietet einen guten Zugang zu fähigen Köpfen.“ Stredicke macht sich indes keine Illusionen, den Markt für die Internettelefonie im Alleingang aufzurollen. Er setzt seinen Erfolg lieber Steinchen für Steinchen zusammen, etwa durch weltweite Vertriebspartnerschaften und die Zusammenarbeit mit Big Playern aus der IT- und TK-Industrie. Durch Joint Ventures in Europa, Asien und den USA hat sich das Unternehmen für die Zukunft gerüstet.

Spätestens nach der CeBIT 2005 habe sich auch die öffentliche Wahrnehmung der Technologie verändert, resümiert Stredicke. Voice over IP sei jetzt endgültig reif für den Massenmarkt: „Die Rechnung, die wir vor Jahren gemacht haben, geht jetzt langsam auf.“ Der Markt für die Internettelefonie boomt weltweit. Und Christian Stredicke ist mit seinem Unternehmen in einer aussichtsreichen Pole Position mit dabei. LOTHAR LOCHMAIER

www.snom.com

So hat“s bei Snom geklingelt

SIP-Protokoll und Sicherheitsstandards

Die Snom technology AG präsentierte auf der CeBIT das VoIP-Telefon „snom 360“ und startet damit eine neue Serie SIP-basierter VoIP-Telefone für den Einsatz in kleinen und mittleren Unternehmen. Die meisten VoIP-Anbieter setzen auf SIP als das Kommunikationsprotokoll der Zukunft. Der Vorteil: Die SIP-Komponenten lassen sich kombinieren, ohne dass sich der Nutzer an einen einzelnen Anbieter binden muss.

Um Ärger mit ungewollten Übergriffen auf Sprachdaten zu vermeiden, unterstützt das Telefon die Sicherheitsstandards SRTP und SIPS und entspricht damit den aktuellen Vorgaben der Internet Engineering Task Force (IETF) für den Schutz gegen Lauschangriffe und Datendiebstahl. LL

Von Lothar Lochmaier
Von Lothar Lochmaier

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