Unternehmenssoftware 28.05.2010, 19:46 Uhr

Die Qual der Wahl bei der betriebswirtschaftlichen Software

Ein Mittelständler sollte im Idealfall international auftreten und eng vernetzt sein, zugleich aber auch transparent und gesetzeskonform. Nicht jede selbst gebaute Softwarelösung ist solchen Anforderungen gewachsen. Ersatz muss her. Daher besteht das Geschäft vieler Hersteller von betriebswirtschaftlicher Software für den Mittelstand in Ablöse- oder Ergänzungsprojekten.

„Wir sehen auf dem deutschen Markt zwei Trends „, sagt Gerhard Knoch, Vice-President Enterprise Solutions Group EMEA beim Softwarehersteller Infor. „Zum einen schreitet die Internationalität immer weiter voran. Das zwingt mittlerweile auch Mittelständler dazu, ein ERP-System zu nutzen, das genau auf ihr Unternehmen zugeschnitten ist und den Anforderungen internationaler Standorte, aber auch Standards gerecht wird.“

Der zweite Faktor ist Knochs Meinung nach die Branchenorientierung. „Unser Unternehmen folgt nicht der ‚Eine-Lösung-für-alle‘-Strategie“, so Knoch. „Wir haben unser Angebot mit Lösungen speziell auf ausgesuchte Branchen abgestimmt. Dies ermöglicht rasche Implementierungszeiten durch geringen Anpassungsaufwand – und dadurch geringe Gesamtbetriebskosten.“

Um den Bedarf an Internationalisierung und Standardisierung zu decken, befolgen die Hersteller von betriebswirtschaftlicher Software (ERP: Enterprise Resource Planning) mehrere Strategien. Man kann sie kurzgefasst als Ergänzung, Ablösung und Mietmodell bezeichnen. „Die Kunden wollen Individual- oder Standardsoftwarelösungen ablösen. Diese wurden über die Laufzeit stark modifiziert und sind nicht mehr releasefähig oder es ergibt sich technologisch keine Weiterentwicklung mehr“, berichtet Andreas Naunin, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei SAP Deutschland.

Eines der Zauberworte im ERP-Markt ist die „Release-Fähigkeit“ einer Lösung. Damit wird ausgedrückt, ob die häufig im eigenen Haus weiterentwickelte ERP-Software noch durch ein Upgrade auf die nächste Version der Standard-Software aktualisiert werden kann. „Nur so kann das Unternehmen an funktionalen und technologischen Weiterentwicklungen partizipieren“, sagt Knoch. Damit hapert es jedoch vielfach, so dass es zu Ablöseprojekten kommt.

„Das ERP-Geschäft ist seit Jahren mehrheitlich ein Ablösegeschäft“, erläutert Peter Dewald, Geschäftsführer von Sage Deutschland. Hier könne sich als Anbieter nur der behaupten, der seine Kunden über eine sehr hohe Produktqualität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu begeistern vermöge und sie zudem durch umfangreiche Wartungs- und Serviceangebote an sich zu binden verstehe. „Da unser Anteil an regelmäßigen Einkünften aus Wartung, Upgrades und Services bereits mehr als 50 % unseres Gesamtumsatzes ausmacht, scheinen wir auf diesem Weg recht erfolgreich zu sein.“

Sowohl Infor als auch Microsoft beschreiten hingegen den Weg der Ergänzung. „Ein Fokus auf Anwenderseite besteht darin, vorhandene ERP-Systeme sinnvoll durch angrenzende Unternehmensanwendungen zu ergänzen“, erläutert Infor-Manager Knoch. „Das bedeutet heute längst nicht mehr, mit fünf verschiedenen Softwarelieferanten arbeiten zu müssen, denn durch die Konsolidierung im Markt gibt es gut abgestimmte Komponenten aus einer Hand.“

„Der Betrieb unterschiedlicher ERP-Systeme in Unternehmenszentralen und Niederlassungen ist für uns eine Chance“, sagt Microsoft-Pressesprecher Frank Mihm-Gebauer. „So sind beispielsweise Strukturen mit SAP in der Zentrale und Microsoft Dynamics AX in den Niederlassungen realisierbar.“ Tatsächlich hat Microsoft vor wenigen Tagen ein Verbindungsglied für diese Koppelung veröffentlicht.

Alle Hersteller, die im Mittelstand agieren, sind im Hinblick auf die Branchenorientierung auf die Kooperation mit Partnern vor Ort angewiesen. Nur solche lokal oder regional aufgestellten Systemhäuser bringen die Kundennähe und das Branchen-Know-how mit, um jede Kundeninstallation durch ihre eigene Partnerlösung optimal zu ergänzen und den Kunden so gegenüber dem Wettbewerb zu differenzieren.

„Die Herausforderung von Microsoft ist die Weiterqualifizierung und Spezialisierung ihrer Partner, um im immer stärker über Branchenwissen ausgetragenen Konkurrenzkampf bestehen zu können und die Position auszubauen“, berichtet Unternehmensberater Frank Naujoks vom Analystenhaus i2s.

Die dritte Option ist das Mietmodell. Kürzlich hat SAP die allgemeine Verfügbarkeit seiner ERP-Suite Business ByDesign für das On-Demand-Modell verkündet. Sie lässt sich ab zehn Anwendern einsetzen und ist außerhalb Europas und der USA für Märkte wie Indien und China bestimmt. „Die Reduzierung der Mindestnutzerzahl auf zehn Anwender hat die Lösung gerade in Kombination mit den aggressiv bepreisten Dienstleistungspaketen für mehr Nutzer attraktiv gemacht“, urteilt Naujoks.

MICHAEL MATZER

Von Michael Matzer
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