Telekommunikation 17.03.2000, 17:24 Uhr

„Die Identität von Arcor war nie in Frage gestellt“

Nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch den Mobilfunk-Riesen Vodafone bleibt Arcor-Chef Harald Stöber von den Festnetz-Plänen seines Unternehmens überzeugt. „Es gab ganz klare Signale von Herrn Gent, dass Arcor zu seiner Strategie gehört.“

VDI nachrichten: Herr Stöber, heißt Ihr Unternehmen künftig Vodafone Arcor?
Stöber: Wir heißen Mannesmann Arcor.
VDI nachrichten: Aber Sie lassen doch schon jetzt häufig den Vorsatz Mannesmann weg. Vielleicht gibt“s künftig nur noch Arcor, Otelo, Isis, etc.?
Stöber: Wir haben immer die Produktbrands, die Markennamen, nach vorne gebracht und darauf geachtet, dass sie eigenständig stehen können. Am Markt sind die Brands bekannt: Arcor, Otelo, Isis. Ob da nun Mannesmann darunter steht, ist egal. Man sollte allerdings nie vergessen, dass mit dem Namen Mannesmann Vertrauen verbunden ist. Das ist der Träger, den wir nach außen brauchen, den wir aber auch für die Mitarbeiter-Motivation brauchen. Die Mitarbeiter müssen die Kontinuität spüren, merken, dass es weitergeht. Ich glaube, das wird grundsätzlich verstanden.
VDI nachrichten: War es nicht gerade im Zuge des langen Übernahme-Gefechts schwierig, diese Kontinuität zu vermitteln?
Stöber: Man muss sich die Mühe machen, offen zu kommunizieren. Wir haben seit November Mitarbeiter-Informationen herausgegeben. Dann kam die Übernahme. Am späten Donnerstagabend war der Takt der Übernahme bekannt, am Freitagnachmittag fand die Pressekonferenz statt. Um 8.30 Uhr habe ich die Mitarbeiter informiert. Man darf nur kein Informations-Vakuum entstehen lassen, dann hat man die Mitarbeiter hinter sich. Sie merken vieles auch schon an der Stimmung, wenn Sie in ein Unternehmen gehen. Da stehen alle zusammen am Kopierer oder in der Teeküche und warten darauf, dass es Neuigkeiten gibt. Diese Dorfbrunnen-Situation war bei uns Gott sei Dank nicht so ausgeprägt. Außerdem geht es bei der Übernahme von Vodafone durch Mannesmann nicht zu wie bei anderen Mergers, bei denen mit der Fusion auch die Stilllegung von diversen Standorten verbunden ist. Die Identität von Arcor war nie in Frage gestellt.
VDI nachrichten: Sie haben bereits ein Gespräch mit dem Vodafone-Chef Chris Gent geführt. Hat er die kombinierte Festnetz-Mobilfunk-Strategie des Hauses Mannesmann verstanden?
Stöber: Natürlich kann man nicht die gesamte Strategie, wie sie bei uns in Jahren entwickelt wurde, in wenigen Stunden besprechen. Es gab aber ganz klare Signale von Herrn Gent, dass Arcor zu seiner Strategie gehört.
VDI nachrichten: Ist mit Arcor die gesamte Gruppe gemeint – also auch Otelo, Isis, germany.net und anderes mehr?
Stöber: Ja, denn wir wollen auch weiterhin unsere Vielmarken-Strategie fahren.
VDI nachrichten: Haben denn die Kunden diese Vielmarken-Strategie verstanden?
Stöber: Anscheinend schon, das zeigen alleine die Aktivierungszahlen von Arcor und Otelo. Beide Marken haben im letzten Monat ähnlich viele Neukunden gewinnen können.
VDI nachrichten: Wird denn einem Privatkunden erklärt, dass er vielleicht bei Otelo besser aufgehoben wäre als bei Arcor?
Stöber: Man braucht bei Otelo nicht über Arcor zu reden und umgekehrt. Es gibt völlig andere Tarifstrukturen, andere Pakete, die so aufeinander abgestimmt sind, dass die beiden Marken sich nicht ins Gehege kommen. Die beiden Marken treten getrennt voneinander auf, es gibt z. B. auch keine gemeinsamen Läden.
VDI nachrichten: Vodafone setzt sehr auf breitbandige Mobilfunkanwendungen, will sich bei Universal Mobil Telecommunication System, UMTS, engagieren. Lösen solche Techniken nicht auf Dauer das Festnetz ab?
Stöber: Sicher nicht, denn zum einen wird man nicht in der gesamten Bundesrepublik über breitbandige Mobilfunk-Techniken verfügen. Zum anderen unterschätzen Sie und andere das Festnetz. Sicher, beim ehemaligen Monopolisten wächst das Festnetz nicht mehr. Aber wir wachsen – ohne Ende. So bringen wir es z. B. nach nur zwei Jahren auf ein höheres Minutenvolumen als D2 nach acht Jahren. Und das gilt nur für die Sprache. Da die Datenkommunikation im Vergleich zur Sprache erheblich wächst, liegt hier noch ein enormes Potential für das Festnetz.
VDI nachrichten: Hat sich denn mit dem Wettbewerb auch das Telefonverhalten der Bundesbürger geändert?
Stöber: Ja, und zwar deutlich. Heute dauert ein Anruf 25 % länger als noch vor zwei Jahren. Das gilt nicht für den dienstlichen Anruf, sondern für den privaten. Sicher, wir haben immer noch ein ausgeprägtes Peak nach 18.00 Uhr und dann nach 21.00 Uhr – die Tarifierung der Telekom ist immer noch in den Köpfen der Menschen verwurzelt. Aber langsam knacken wir und andere das Gefühl, dass tagsüber telefonieren automatisch teuer ist.
VDI nachrichten: Sie kaufen immer mehr Stadtnetz-Betreiber auf, um den Zugang zu den Kunden zu schaffen. Was halten Sie von alternativen Zugangstechniken, wie z. B. dem Stromnetz?
Stöber: Es gibt Dinge, an die ich nicht glaube, dazu gehört z. B. Powerline. Als E-Techniker kann ich mir vorstellen, was alles über Stromnetze zu transportieren ist. Die Technik funktioniert, aber am Trafo hört es auf. Wenn ich den Trafo versorgen muss, dann müssen in einer Stadt mehr Punkte mit Glasfasern versorgt werden als bei den klassischen Vermittlungsstellen. Damit ist die Wirtschaftlichkeit gefährdet. In Campus- also geschlossenen Netzen ist Powerline sicher eine Alternative.
VDI nachrichten: Und vom Kabel haben Sie sich mittlerweile auch vollkommen verabschiedet, nachdem Sie bei der Telekom nicht zum Zuge kamen bzw. kommen?
Stöber: Der Verkauf des Kabels hat uns auch einfach zu lange gedauert. Dort haben wir schon jetzt rund ein halbes Jahr Verspätung. Sicher, es gibt beim Festnetz nicht nur den einen Königsweg. Das Einzige, was allerdings wirklich zählt, ist Zeit.
VDI nachrichten: Callahan hat jetzt in Nordrhein-Westfalen einen Teil des Kabelnetzes gekauft und bekommt vielleicht auch in Baden-Württemberg den Zuschlag. Wie beurteilen Sie diesen Kauf?
Stöber: Wenn Callahan richtig Festnetz aus dem Kabel machen will, muss erst eine Loslösung von der Telekom erfolgen. Die aber hält immer noch ihre Sperrminorität an den regionalen Kabelgesellschaften und wird sich auf der anderen Seite sicher auch nicht einen Wettbewerber ins eigene Haus holen.
VDI nachrichten: Wann laufen denn Ihre nächsten Gespräche mit Chris Gent?
Stöber: Sie haben mich früher nie gefragt, wann die nächsten Gespräche mit Herrn Esser laufen. Dabei ist mit der Übernahme durch Vodafone nur der Shareholder ein anderer geworden.
VDI nachrichten: Aber der Vodafone-Chef Gent könnte evtl. aktiver in Ihr Telekommunikationsgeschäft eingreifen, als es der Mannesmann-Chef getan hat.
Stöber: Ebenso wie wir Telekommuniaktion verkaufen, müssen wir im Rahmen der Gesellschafter auch unsere Strategie verkaufen. Wir können uns jetzt nicht hinstellen und sagen, lieber Gott, mach bitte, dass jemand versteht, wie wichtig das Festnetz ist. Schließlich halten wir für unsere Strategie auch unseren Kopf hin und müssen einen bestimmten Return bringen. Bislang ist uns das trotz aller Preissenkungen immer gelungen. REGINE BÖNSCH
Harald Stöber blickt gelassen nach vorn: Seine Vielmarkenstrategie geht auf, im Wettbewerb gegen die Telekom holt die Arcor-Gruppe immer weiter auf. Das scheint auch Vodafone-Chef Chris Gent zu überzeugen.

Ein Beitrag von:

  • Regine Bönsch

    Regine Bönsch

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Telekommunikation, Mobilfunk, Automobilelektronik, autonomes Fahren, E-Mobilität, Smart Home, KI, Datenschutz/IT-Sicherheit, Reportagen

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