Software 22.02.2002, 17:32 Uhr

Die Herren der Software – oder Motte flieg“ …

Am 2. März wird in Los Angeles der „Technical Achievement Award” an die Dortmunder Firma „Science D Vision“ vergeben. Die von den Dortmundern entwickelte Software „3 D-Equalizer“ macht spezielle Effekte in Filmen möglich – wie im „Herrn der Ringe“.

Die Motte, nach der der Zauberer in dem Fantasy-Film greift, wurde nicht eigens für diesen Moment dressiert. Vielmehr macht das Programm „3 D-Equalizer“ diesen Effekt möglich. „Gladiator“, „Ocean’s Eleven“, „Matrix“, die BBC-Dokumentation über Dinosaurier, die Fernsehserie „Helicops“ – das Programm, das Uwe Sassenberg und Rolf Schneider entwickelt haben, macht viele Filme erst zu dem, was sie sind.

„Schon seit Mitte der 80er Jahre haben wir Software geschrieben, als Hobby“, erzählt der promovierte Physiker Uwe Sassenberg. Dass daraus ein Unternehmen wurde, sei nie geplant gewesen. Rolf Schneider ist nach seinem Informatik-Studium in seinen ersten eigenen „Laden“ reingerutscht – eine Postproduction-Firma, die es auch heute noch gibt. Die gab dann 1995 den Ausschlag für die Gründung von „Science D Vision“. „Es kamen immer mehr Kunden auf uns zu, die Computeranimation in einen Realfilm integrieren wollten“, erinnert sich der 33-Jährige. Was damals unverhältnismäßig aufwändig war: Entweder musste man ein sündhaft teures Motion Control Studio mieten oder die Bewegungen in Handarbeit rekonstruieren. Ein komfortables Programm war eine optimale Marktlücke, die schnell geschlossen werden musste.

Das war die Geburtsstunde des „3 D-Equalizers“, das zwei ganz zentrale Probleme löst: Wie bewegt sich eine Figur? Wie bewegt sich die Kamera? Der Clou: Man erhält nicht nur 2 D-Daten wie bei einfachen Programmen, sondern – wie der Name schon sagt – 3 D-Tracks. So kann man mit der Software Bewegungen im Raum nachempfinden und auf andere „Objekte“ übertragen.

Ein einfaches Beispiel: An den Kopf einer Schauspielerin kann später ein futuristisches Objekt „montiert“ werden, das sich dann ganz natürlich einfügt. Auch der Lauf der bewegten Kamera kann rekonstruiert werden, so dass beispielsweise Elemente nachträglich hinzu kommen können. So werden auch Hubschrauber-Flüge durch Straßenschluchten simuliert, da kaum ein Bürgermeister einen Tiefflug über der Fußgängerzone erlauben würde. „Wir waren die ersten mit einem solchen Produkt“, sagt Rolf Schneider. Mit diesem Vorsprung konnte sich die Software-Schmiede im Dortmunder Technologiepark schnell etablieren. Der eigentliche technologische Durchbruch sei mit der zweiten Version gekommen. Da die Postproduction-Szene sehr klein ist, stand sofort fest, dass alles auf den weltweiten Markt ausgerichtet werden musste. Handbücher und Website, alles ist auf Englisch. „Doch uns war klar, dass ein gutes Produkt nur die Eintrittskarte sein kann“, sagt Rolf Schneider. Daher ging es zunächst darum, ein großes Netzwerk aus Re-Sellern in allen Ländern zu knüpfen. Eine große Herausforderung.

„Die Entwicklung – orientiert an Kundenwünschen – ist unser Kerngeschäft, das können wir. Ansonsten bauen wir auf Outsourcing“, so der 33-Jährige. Steuern, Grafik, Sales – alles ausgelagert. Vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept, mit dem die drei nach eigenen Angaben jedes Jahr schwarze Zahlen schreiben: das Risiko zu minimieren und den Markt realistisch einzuschätzen. Größenwahn, das ist den Gründern fremd. Sie lieben ihre Arbeit – derzeit tüfteln sie an der dritten Version des Equalizers, einer Erweiterung und Verbesserung. Und sie lieben ihre Unabhängigkeit. Den Versuchen großer IT-Gesellschaften, sie aufzukaufen, haben sie bisher immer locker widerstanden.

Dass die beiden Gründer im Keller eines befreundeten Unternehmens angefangen haben, hatte einzig und alleine den Grund, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Mit einem „Lebensgefühl“ hatte das nichts zu tun. „Das Einzige, was stimmt, ist, dass wir uns anfangs immer Pizza bestellt haben“, schmunzelt der 35-Jährige.

Heute haben sie durchaus mal wieder Luft, essen zu gehen. Oder ins Kino. Da muss es übrigens kein durch und durch computeranimierter Streifen sein. Das einzige Kriterium: „Er muss gut sein.“ ANDREA BEHNKE

 

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