Es wäre bequem 28.01.2000, 17:24 Uhr

Die Handy-Nummer soll trotz Provider-Wechsel gleich bleiben

die eigene Telefonnummer für das Handy auch dann zu behalten, wenn man den Mobilfunk-Netzbetreiber wechseln will. Diese „mobile Nummern-Portabilität“ ist technisch möglich, doch die Netzbetreiber zieren sich noch bei der Umsetzung.

Laut einem Status-Report des European Telecommunications Office (ETO) in Kopenhagen ( www.eto.dk) kann man in Deutschland zwar seinen Service-Provider im Mobilfunk leicht wechseln, doch seine Nummer kann man noch nicht mitnehmen. Auch in den anderen europäischen Ländern tut man sich schwer erste Ansätze gibt es in Großbritannien und den Niederlanden. Die Bonner Regulierungsbehörde hat eine Frist bis zum 2. Februar gesetzt: Bis dahin sollen Mobilfunk-Netzbetreiber, aber auch Verbände und Privatpersonen eine Stellungnahme zum Thema „mobile Nummern-Portabilität (MNP)“ abgeben. Auf Basis dieser Rückmeldungen dürfte der Regulierer dann im April sagen, wie es nach dem Ende des Monats weitergehen soll – denn nach einer Schonfrist bis zum 30. April dürfte für die Betreiber der mobilen Netze Handlungsbedarf aufkommen.
„Wir sehen das Thema ausgesprochen positiv“, beteuert denn auch Viag-Interkom-Sprecher Michael Rebstock. „Aber eine technische Umsetzung erscheint uns in den nächsten ein, zwei Jahren noch nicht möglich.“ Die beiden kleineren Mobilfunk-Anbieter E-Plus und Viag Interkom sehen in der Möglichkeit des Mitnehmens von Rufnummern aus dem D1- oder D2-Netz zwar prinzipiell eine gute Chance, auch dann noch Neukunden zu akquirieren, wenn die Mobiltelefonie ihre momentane Eigendynamik verloren haben sollte. „Aber man muss auch die Probleme sehen: Die Vorwahlen wie 0179 oder 0172 sind nicht nur zum Markenzeichen geworden, sondern signalisieren auch ein bestimmtes Preisgefüge. Unsere guten Konditionen könnten dabei baden gehen oder sind zumindest für den Anrufenden nicht erkennbar“, warnt Rebstock.
Beispiel: Aus dem Festnetz wird zum hohen Preis eine 0172-Nummer lieber nicht angewählt, obwohl der Teilnehmer längst mit dieser Nummer im 0179er Netz weilt und dort womöglich mittlerweile günstiger angerufen werden kann. Oder umgekehrt: Eine 0179er Nummer ist längst im D1- oder D2-Netz und damit vielleicht zu schlechteren Konditionen für den Anrufenden erreichbar – was der jedoch nicht weiß. „Bei einer durchgängigen Portabilität geht die Preis-Transparenz flöten“, resümiert der Viag-Sprecher.
Die Kooperationswilligkeit – vor allem der beiden Marktführer, die tendenziell Kunden an Kleinere abgeben könnten – hält sich also in Grenzen. Dabei ist sie nicht nur politisch, sondern auch technisch unabdingbar. Denn MNP erfordert nun einmal ein Zusammenspiel der Carrier. „Man müsste ein ähnliches Verfahren etablieren, wie es derzeit im Festnetz läuft“, erläutert Wolfgang Ferfers, Vertriebsleiter beim Duisburger TK-Ausstatter Ergonomix Software GmbH. „Im Prinzip läuft in Deutschland jeden Tag ein großes Daten-Karussell an: Jeder Netzbetreiber guckt bei jedem anderen in eine bereitgestellte Datenbank, was es Neues gibt.“ In den so genannten Portierungsdaten der Kunden nämlich ist festgeschrieben, wohin der Anruf geroutet werden muss. So findet im Festnetz ein täglicher Austausch darüber statt, wer wohin gewechselt hat. „Die einzige wirklich zentrale Datenbank in Deutschland ist jene bei der Regulierungsbehörde in Bonn, die aber nur Daten über die Service-Nummern wie 0180 etc. enthält“, erklärt Ferfers.
Das Prinzip der jeweiligen Lokalisierung ihrer Kunden ist den Mobilfunk-Netzbetreibern wohl bekannt. Das führt zum Beispiel dazu, dass zwei deutsche Teilnehmer im Ausland sich gegenseitig nur über den Zentralcomputer daheim beim Carrier im fremden Netz finden. Denn nur der weiß, wo die beiden stecken. „Nach dem gleichen Prinzip müssten sich die vier betroffenen deutschen Infrastrukturanbieter untereinander einigen“, meint Franz-Josef Eberle, Marketing-Manager bei der Darmstädter DSC Kommunikationsdienste GmbH, die mittlerweile eine Alcatel-Tochter ist. Alcatel hat mit „Infusion – Mobile Number Portability and Application Location Register Routing“ bereits eine Lösung am Markt. Damit kann die MNP in bestehende GSM-Netze implementiert werden, ohne zusätzliche Home Location Register (HLR) einzurichten.
„Technische Probleme bleiben freilich bei einer Portabilität zwischen den Festnetzen und den Mobilfunk-Netzen“, sagt Eberle. „Aber innerhalb des Mobilfunks ließe sich die Sache relativ leicht regeln.“ Die Infusion-Lösung läuft dabei in zwei Schritten ab: Der Signal-Transfer-Punkt analysiert den eingehenden, so genannten Signalling Connection Control Part-Verkehr und schaufelt „Message Signalling Units“ weiter an das Home Location Register. In einem zweiten Schritt erkundet das Application Location Register (ALR) den Bestimmungsort für den jeweiligen Netzverkehr. Wenn man so will, funktioniert das Ganze nach dem Prinzip: Hier kommt ein Anruf von A an B ist der noch bei Euch? Nein, aber ich schalte jetzt mal an das Home Location Register weiter, wo Du ihn findest.
Damit das so funktioniert, kann Infusion bis zu 20 Mio. Datenbankeinträge verwalten. Auch hier – wie im Festnetz – ist freilich ein reger Abgleich aller Beteiligten notwendig. Kein Problem: Die jeweiligen Portierungsdaten der Teilnehmer können zwischen 30-mal bis zu 400-mal pro Minute automatisch abgefragt werden. Ein ähnliches Verfahren ist ebenfalls bei Ericsson im Portfolio. Dort heißt es Flexible Numbering Register, und es hat seinen Praxistest zum Beispiel bei Libertel in den Niederlanden sowie in Großbritannien längst hinter sich. „An der Technik wird die mobile Nummern-Portabilität nicht scheitern“, weiß denn auch Drazen Marko Lucic, Manager Customer Solutions bei Ericsson, Düsseldorf. „Man darf allerdings nicht übersehen, dass ihr Einsatz mehr Rechnerzeit, mehr Administration und damit auch mehr Kosten bedeutet.“ Letztlich also ist die Umsetzung der EU-Vorgaben eine reine Frage des Willens – allerdings auch des Verbrauchers, denn die Carrier werden versuchen, ihn an den Kosten zu beteiligen. ULRICH SCHMITZ
Die Rufnummer behalten und den Netzbetreiber wechseln. Was im Festnetz möglich ist, soll auch bei Handys eingeführt werden.

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  • Ulrich Schmitz

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