Endspiel bringt Rekordquoten 14.07.2014, 17:30 Uhr

Deutschland ist nicht nur Fußball-, sondern auch Twitter-Weltmeister

618.725 Tweets pro Minute – das ist der neue Twitterrekord, den die frisch gebackenen Fußball-Weltmeister in der Nacht kurz nach dem Abpfiff des WM-Endspiels auslösten. Das gesamte Spiel wurde in über 32 Millionen Tweets kommentiert und auch die TV-Einschaltquote meldete einen Rekord: Kurz vor dem Schlusspfiff saßen 36,4 Millionen Zuschauer vor dem Fernseher.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck feiern in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft: Auf Twitter löste das Endspiel einen Rekord an Tweets aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck feiern in der Kabine der deutschen Nationalmannschaft: Auf Twitter löste das Endspiel einen Rekord an Tweets aus.

Foto: dpa

Es ist Sonntagnacht 23:37 Uhr mitteleuropäischer Zeit: Als der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli das WM-Endspiel zwischen Deutschland und Argentinien abpfeift, bricht nicht nur im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro die Hölle los.

Das Spiel bot alles, um auch auf Twitter ein Feuerwerk zu zünden: das Abseitstor Argentiniens in der ersten halben Stunde, verpasste Chancen auf beiden Seiten, aggressive Fouls wie Manuel Neuers Kung-Fu-Aktion gegen Argentiniens Gonzalo Higuain, der Faustschlag Sergio Agueros gegen Sebastian Schweinsteigers, der Crosscheck im Strafraum gegen Christoph Kramer, der Pfostentreffer des Schalkers Benedikt Höwedes‘ und das 0:0 nach Ende der regulären Spielzeit.

Und dann in der 113. Minute die Erlösung, als André Schürrle und Mario Götze gemeinsam das perfekte Tor fabrizieren. Nach dieser Aktion entlädt sich die angestaute Spannung nicht nur im Stadion, beim Public Viewing und in unzähligen Wohnzimmern, sondern auch bei Twitter.

Auf einer animierten Weltkarte lassen sich die Twitter-Wellen verfolgen

Jetzt werden 556.000 Tweets pro Minute (TPM) produziert. Auf einer von Twitter veröffentlichten animierten Weltkarte lassen sich die Twitter-Wellen, die besonders in den spannenden Spielmomenten über weite Teile der Welt laufen, wie seismologische Ausschläge verfolgen.

Twitter-Weltkarte während des WM-Endspiels Deutschland-Argentinien: Die meisten Tweets gab es in Europa, Süd- und Nordamerika. Wenig los war in Afrika.

Twitter-Weltkarte während des WM-Endspiels Deutschland-Argentinien: Die meisten Tweets gab es in Europa, Süd- und Nordamerika. Wenig los war in Afrika.

Quelle: Twitter

Eine enorme Twitterzahl also nach dem Tor, aber es geht noch besser. In der Minute nach dem Abpfiff reicht es für einen neuen Rekord: Mit 618.725 Tweets pro Minute hat das Finale der Fußballweltmeisterschaft eine neue Bestmarke aufgestellt. Gemessen daran erscheint der Moment, als Lionel Messi und Manuel Neuer 20 Minuten später ihre Ehrungen als bester Spieler und bester Torwart entgegen nehmen, mit 395.776 Tweets pro Minute wie ein laues Lüftchen.

Beim 1:0 durch Mario Götze und nach dem Abpfiff erreichte die Zahl der Tweets ihre Höhepunkte.

Beim 1:0 durch Mario Götze und nach dem Abpfiff erreichte die Zahl der Tweets ihre Höhepunkte.

Quelle: Twitter

Mit Tweets wie „Ichkannnichtmehrhinsehenhilfehilfehilfe“ – „Dramacana“ – „Bester Tatort seit langem!“ und „Der Schiri ist ein Skandal“ machen die deutschen Fußballfans während des Spieles ihrer Anspannung Luft. Später heißt es lapidar: „Mission accomplished“ – „Feuerwerk!!!“ und „Ein Denkmal für Schweinsteiger. Und Boateng. Und Götze. Und Löw. Und alle anderen. Helden!“.

„Bitter! WM-Aus für Deutschland nach nur sieben Spielen.“

Auch bei Facebook wird fleißig geteilt und verlinkt und es ist schwer zu entscheiden, wer stolzer ist. Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel auf die Jungs, oder die deutsche Nationalelf über den hohen Besuch. Und auf Youtube macht ein typisches Interview mit Thomas Müller, der eine kolumbianische Reporterin auf bayrisch veräppelt, die Runde.

Am heutigen Montagmorgen dann „Katerstimmung“. Das Satire-Magazin „Der Postillon“ titelt „Bitter! WM-Aus für Deutschland nach nur sieben Spielen.“ Wie das passieren konnte, kann sich der Postillon auch nicht erklären.

Das Aus sei vor allem deshalb überraschend gekommen, weil Deutschland in Rio de Janeiro gegen Argentinien mit 1:0 in der Verlängerung gesiegt habe. „Stattdessen wurde das Team mit einer hässlichen Skulptur und einem feuchten Händedruck von FIFA-Präsident Sepp Blatter abgespeist“, so der Postillion. „Ob sich der ohnehin vielkritisierte Nationaltrainer Jogi Löw angesichts des überraschenden Ausscheidens seiner Mannschaft noch lange im Amt halten kann, ist fraglich.“

 

Ein Beitrag von:

  • Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck

    Gudrun von Schoenebeck ist seit 2001 journalistisch unterwegs in Print- und Online-Medien. Neben Architektur, Kunst und Design hat sie sich vor allem das spannende Gebiet der Raumfahrt erschlossen.

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