Internet 30.05.2003, 18:25 Uhr

Der Surfturbo aus dem Weltall

Immer mehr Internet-Provider bieten einen schnellen Surfturbo per Satellit auch für Privatanwender. Allerdings stellt der benötigte Rückkanal, der meist noch via Kabel läuft, hier einen recht engen Flaschenhals dar.

Die Angebote klingen verlockend: eine handelsübliche Satellitenschüssel mit digitalem Empfänger für 100 ® und schon ist man drin – im Internet aus dem Weltall. Die Deutsche Telekom und Europe Online (EOL), einer der ersten Internet- und Multimedianbieter via Satellit, senden die Daten aus dem All via Platzhirsch Astra. Der bietet den Vorteil der hohen Verbreitung, denn immerhin 98 % aller hiesigen Fernsehprogramme werden über dieses Satellitensystem ausgestrahlt. Die Konkurrenzprodukte SkyDSL von Provider Strato arbeiten mit dem Hotbird-Satelliten von Betreiber Eutelsat. SatSpeed und Tiscali funken für ihre Produkte über den Eutelsat-Eurobird.
Gerade wo der DSL-Breitbandzugang aus technischen Gründen nicht angeboten wird, kann der Satellitenzugang eine echte Alternative zu einem DSL-Anschluss sein. Weiterer Vorteil: Parallel zum Datenstrom von der Schüssel in den PC können am Computer auch digitale Fernsehprogramme angeschaut werden. Bei Einsatz eines Doppel-LNBs sogar ohne zweite Schüssel.
Allerdings kommt der Surfturbo meist noch über eine Einbahnstraße aus den Wolken, denn Satellitenlösungen sind zurzeit eigentlich nur halbe Internetzugänge: Normalerweise benötigt man einen analogen oder ISDN-Rückkanal, sprich einen Telefonanschluss. Für den Rückkanal tickt zusätzlich der Gebührenzähler des Providers. Eine echte Flatrate gibt es für die Satellitensurfer nicht. Nur Tiscali und SatSpeed bieten Zwei-Wege-Zugänge an, bei dem auch die Abfragen ins Internet technisch aufwändig zum Satelliten hochgesendet werden. Da kostet die nötige Hardware leicht noch um die 2000 ®. Eine weitere, nach Angaben des Unternehmens auch weitaus günstigere Lösung, plant SES Astra. Diese soll 2004 an den Start gehen. Andere Provider nutzen die Erdtrabanten zum Beschleunigen – bei T-DSL via Satellit der Telekom etwa wird die Satellitenstrecke nur bei Bedarf als Turbo automatisch hinzugeschaltet: Sobald ein Server aus dem Web mehr Daten liefert, als durch das langsame, erdgebundene Nadelöhr passen, senden die Satellitenbetreiber die restlichen Daten über den Satelliten.
Europe Online will hier künftig Mehrwert ohne großen Mehraufwand bieten: Ab Anfang Juni stellt der Provider nicht nur den Rückkanal über das hochgerüstete TV-Kabelnetz zur Verfügung. Auch die Download-Signale werden von EOL über Satellit bereitgestellt und mit DSL-Tempo direkt in die Netze eingespeist. So sollen Kabelkunden und Mieter in Gebieten ohne DSL-Infrastrukturen künftig in den Genuss von Highspeed-Internet kommen: „Europe Online steht jetzt endlich auch für Kabelnutzer in Deutschland zur Verfügung”, kommentiert die Geschäftsführerin von Europe Online, Candace Johnson. Zusammen mit dem Kabelnetzbetreiber PrimaCom will EOL die breitbandigen Internetanwendungen sukzessive in ausgewählten regionalen Kabelnetzen bestimmter Wohnungsbaugesellschaften schaffen.
Schlechtes Wetter kann dem Surf-turbo aus dem All allerdings auch schnell den Garaus machen. „Bei einem Regenschauer geht der Datenempfang stark in die Knie“ berichtet Satellitennutzer Ralf Willinghöfer. Außerdem wirken sich die technologiebedingten Schwächen der Satellitentechnik aus: Durch die lange Daten-„Leitung“ ins All und zurück von immerhin 72 000 km dauert es eben etwas länger, bis das erste Byte einer Webseite da ist. Dann jedoch landen die Daten sehr schnell auf dem Rechner. Gerade für Surfer, die hohe Datenmengen in kurzer Zeit downloaden wollen, wird der Internetzugang über Satellit interessant immerhin werden für das Heruntersaugen einer Audio CD im MP3-Format ca. 60 MB Datenvolumen benötigt. Während Astra mit Durchsatzraten von bis zu 6,5 Mbit/s und Strato-skyDSL sogar bis zu 8 Mbit/s werben, bleibt der Konkurrent Europe Online realistischer: Zwar geben die Satellitenpioniere die theoretisch erreichbaren obligaten 768 kbit/s an, geben aber kundenfreundlicherweise auch Auskunft über die erreichbare Durchschnittsgeschwindigkeit: Die liegt bei 60 kbit/s bis 300 kbit/s – im schlimmsten Fall also gerade einmal ISDN-Geschwindigkeit. EDGAR LANGE

Ein Beitrag von:

  • Edgar Lange

    Freier Fachjournalist in Düsseldorf. Schreibt vor allem über IT-Themen.

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