Mobilfunk 14.01.2000, 17:24 Uhr

Der letzte Akt spielt jetzt im Internet

Das Übernahme-Drama zwischen den Mobilfunk-Riesen Vodafone und Mannesmann nähert sich dem Ende. Wie entscheiden sich die Aktionäre?

Bis zum 7. Februar, 24 Uhr, können die Anteilseigner des Düsseldorfer Konzerns das Angebot annehmen, ihre Aktien im Verhältnis 1 zu 53,7 gegen Anteilsscheine der britisch-amerikanischen Vodafone Airtouch zu tauschen. Akzeptiert die Mehrheit der Anleger, entstünde der weltgrößte Mobilfunk-Konzern mit mehr als 42 Mio. Kunden in 25 Ländern.
Die Entscheidung wird den Mannesmann-Aktionären nicht gerade leicht gemacht. Eine Flut von Zahlen und Bildern ist über sie hereingebrochen, seit Vodafone-Chef Chris Gent im November die feindliche Übernahme angekündigt hat.
Der Informationsgehalt indes lässt zu wünschen übrig, bemängelt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. „Die Anzeigenkampagne hat mit der Zielgruppe nichts mehr zu tun“, meint Kurz. Die Mehrzahl der Aktionäre erreiche man nicht auf dieser rein emotionalen Ebene.
Mit härteren Fakten, nämlich den Geschäftszahlen für 1999, wartete Esser in der vergangenen Woche auf. Der Umsatz des Düsseldorfer Konzerns stieg um 22 % auf 45 Mrd. DM. Jede zweite Umsatz-Mark steuerte die Sparte Telekommunikation bei. Besonders pikant: Auf dem Heimatmarkt Vodafones, in England, wuchs die Mannesmann-Tochter Orange im letzten Quartal schneller als der große Konkurrent.
Für Thomas Köbel, Finanzanalyst der Frankfurter BfG-Bank, ist dies einer der Gründe, weshalb er Mannesmann-Aktionären rät, die Tausch-Offerte abzulehnen. „Mobilfunk, Internet und Festnetz aus einer Hand – dieser Service wird sich durchsetzen“, setzt Köbel auf die Strategie der Mannesmänner. Zudem bescheinigt er Manager Esser die bessere Branchenkenntnis.
Mehr Vorteile in einer Fusion sehen dagegen die Experten der Banque Nationale de Paris (BNP) und der Investmentbank Lehman Brothers. BNP-Analyst Alexander Blaich: „Die Globalisierung gibt den Ausschlag: Weltweit handelnde Kunden wollen auch weltweit agierende Anbieter. Vodafone Airtouch ist stark in den USA, und Mannesmann ist in Europa hervorragend positioniert. Die beiden würden sich gut ergänzen.“
Esser sieht das entschieden anders. Seine Abwehrstrategie: sich schwer machen, den Firmenwert durch Zukäufe und Allianzen in die Höhe treiben. Denn steigt der Kurs der Mannesmann-Aktie über den Wert von 53,7 Vodafone-Anteilen – in dieser Woche rund 260 Euro – wird das Tauschangebot unattraktiv. So kündigte Esser Firmenzukäufe in naher Zukunft an – neues Heizmaterial für die Gerüchteküche. Flirts mit der Kölner Telefongesellschaft NetCologne werden Mannesmann nun nachgesagt. Die jüngste Spekulation, der französische Konzern Vivendi werde als „weißer Ritter“ Mannesmann retten, wurde schon dementiert (Bericht unten). Fakt ist hingegen, dass die Entscheidung der Aktionäre wesentlich davon abhängt, wer die überzeugendere Internet-Strategie vorweist. Visionen sind gefragt. Wie die von Chris Gent, der in dieser Woche Pläne präsentierte, wie er Vodafone zur Nummer eins bei mobilen Daten- und Internetdiensten machen will. Demnach führt der Konzern sogar schon im Juli in den von ihm kontrollierten Unternehmen eine global einheitliche Plattform für Multimediadienste ein. „Wir schlagen ein neues Kapitel in der Entwicklung des Internets auf und laden die Mannesmann-Aktionäre ein, gemeinsam mit uns dem World Wide Web ein viertes W für Wireless (drahtlos) hinzuzufügen“, hieß es bei Vodafone.
Mannesmann verwies indes auf eigene Multimedia-Aktivitäten, wie das größte UMTS-Testnetzwerk Europas. UMTS gilt als Zukunftsstandard des Mobilfunks und erlaubt bis zu 200fach höhere Datenübertragungsraten als heute üblich. Dies mache die sinnvolle Nutzung neuer Dienste erst möglich.
Drei Wochen haben die beiden Hauptdarsteller noch, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Vodafone-Chef Gent gibt sich siegessicher und gönnerhaft. Sein Angebot an Esser: Wenn der sich doch noch zu Gesprächen bereit erkläre, werde Gent ihm einen Posten im neuen Unternehmen anbieten.
Von der großen Vision zur Strategie der Nadelstiche ist“s oft nur ein kleiner Schritt… MARTIN VOLMER
Gipfelstürmer: Die Mannesmann-Aktie legte um rund 70 % zu, Vodafone ging auf Berg- und Talfahrt.

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  • Martin Volmer

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