Internet 24.09.1999, 17:22 Uhr

Der „Häuslebau“ im Internet entwickelt sich zum Volkssport

Der Weg zur eigenen Homepage wird für immer mehr Internet-Anwender der erste Schritt in die Selbständigkeit. Doch die Web-Präsenz allein ist noch keine Garantie für Erfolg. Ein Internetauftritt will gut vorbereitet sein.

Das kommt uns bekannt vor: „Ohne Programmieren: Im Handumdrehen zur eigenen Homepage !“ Die Parolen erinnern an den Desktop-Publishing-Boom vor Jahren: Jeder PC-Benutzer sein eigener Drucker und Verleger. Und alles wurde selbst entworfen und gefertigt, von den Visitenkarten über die Schweinebauch-Anzeige für den Mittelstandsbetrieb bis hin zum eigenen Buch im Selbstverlag.
Jetzt der aktuelle Boom: Web Publishing, Publizieren im Internet. PC- und Internetmagazine überschlagen sich auf bunten Seiten mit Schnellanleitungen für die eigene Homepage. Das Angebot stößt auf eine schnell wachsende Nachfrage. Jeder Kleinbetrieb, jeder Handwerker und Freiberufler will unterm WWW-Kürzel mit Endung „de“ oder „com“ im Netz erreichbar sein. „Home is where my page is“, lautet die Parole auch für die vielen Tausend Netizens, die im Internet einfach eine gute Adresse vorweisen wollen.
„Jeder Bürstenbinder will heute seine eigene Homepage“, sagt Götz Warnke, 42, aus Hamburg (www.finetech.net/warnke/). Der promovierte Historiker fand über den Journalismus zum Web Publishing und gestaltet heute für mittelständische Unternehmen den Auftritt im Internet. „Sicher geht das auch mit einfachen sogenannten Wysiwyg-Programmen“, weiß Warnke, „Text mit Word, etwas Grafik dazu und abspeichern in HTML, fertig ist die Homepage. Nur, muß man später etwas ändern, folgt oft das größte Chaos. Firmen können sich das nicht leisten.“
So wie Warnke haben heute viele mit Web Publishing ihre zweite Karriere gestartet. Sie haben sich reingefuchst in Programmiersprachen wie HTML, Perl, Java und JavaScript, ohne die Programme für E-Commerce und Homebanking per Internet nicht denkbar sind. „Professionalität beim Web Publishing fängt an, wo die verschiedenen Bereiche aufgeteilt werden“, sagt Jochen Kugele, 29, Web-Entwickler beim Hamburger Multimedia-Profi Kabel New Media (www.kabel.de). „Web-Anwendungen werden eben immer komplexer. Daß einer alles macht, vom Entwurf bis zur Umsetzung, ist heute nicht mehr üblich. Einer allein kann das einfach nicht professionell abdecken.“ Mit rund 170 Mitarbeitern zählt die Hamburger New-Media-Agentur zu den Top Ten der Branche, entwickelt und realisiert für Großkunden wie BMW, Lufthansa Technik, Sat 1 und Siemens interaktive Business-Strategien und digitale Kommunikationslösungen und berät auch andere führende Unternehmen im Bereich E-Commerce.
Von Multimedia-Profis wie Kabel New Media, der Berliner Pixelpark (www.pixelpark.de) oder dem Branchenaufsteiger Razorfish (www.razorfish.de), die inzwischen beide Netze von Europa bis in die USA unterhalten, guckt sich das Heer der Heimwerker die Effekte und Tricks für die eigene Homepage ab. Da werden Seiten gebastelt wie „Holgis Fahrrad-Page“, „Die Wahrheit über Ufos“ oder „Gabi“s Gartenseite“. Und immer raffinierter bauen die Webgestalter ihre Seiten aus. Mit Texten und Bildern allein ist es meist nicht mehr getan. Die Grafik wird aufwendig animiert. Blinkende Schaltflächen und schrille Laufbänder sollen Aufmerksamkeit erheischen. Toller Sound und Videosequenzen in Echtzeit sollen unterhalten und Eindruck machen.
Fertig gestrickte Anwendungen, Surf-Tools, E-Mail- und Chat-Programme, Browser und Bilder finden die Bildschirmbastler tausendfach als Free- oder Shareware im Internet (www.tucows.de; www.winfiles.de; www.kostnixx.de; www.kostenlos.de; www.nulltarif.de).
Der Häuslebau im Internet entwickelt sich zu einer Art Volksbewegung wie einst bei Radiobastlern und CB-Funkern. Mehrere Hundert von Content-Providern und die Online-Dienste wie T-Online, AOL und Compuserve reagieren auf den Trend mit freien Kapazitäten auf ihren Hostrechnern. Parkplätzchen von 5 MByte bis 10 MByte sind dort meist gratis zu haben. Wenn nicht, sollte man den Provider wechseln. Denn die fertig gebaute Homepage auf der eigenen Festplatte garantiert noch keine Netz-Publicity. Dafür sorgen erst die Einrichtung auf dem angebotenen Server und die Anmeldung mit der neuen Web-Adresse.

Weniger ist auch im Internet meistens mehr

Für die Einrichtung eines eigenen Domain-Namens nach dem Muster „www.MeinName.de“ erheben die Provider meistens noch einmal eine Extra-Gebühr. Mit 20 DM bis 100 DM pro Monat ist man dabei. Wichtiger: Der Provider sollte auch bescheinigen, daß er den Domain-Namen auch wirklich weltweit angemeldet hat. Andernfalls kann es bei einem Wechsel zum anderen Host ein böses Erwachen geben.
Die Programme zum Erstellen der Websites sind kostenlos oder schon für weniger als 100 DM zu haben. In den Internet-Browsern Netscape Communicator und Microsoft Explorer werden die Editoren gleich gratis mitgeliefert: Composer (Netscape) und Frontpage Express (Microsoft). Mit Hilfe der einfachen Anleitungen per Browser-Menü lassen sich die Seiten für den Hausgebrauch auch relativ schnell erstellen. Nötig sind nicht einmal Kenntnisse in der fürs Internet standardisierten Sprache HTML (Hypertext Markup Language). Von den mehr als ein Dutzend Homepage-Editoren rühmen sich verschiedene des Wysiwyg-Prinzips (What you see is what you get, deutsch: Wie du es siehst, bekommst du es auch). Der Seitenarchitekt darf die Texte ähnlich wie in seinem normalen Textprogramm schreiben, erst beim Abspeichern erzeugt das Programm den HTML-Code, so daß der Text auf den Internet-Seiten gelesen werden kann.
„Wysiwyg-Editoren machen es den Anwendern vordergründig sehr leicht“, bemängelt Web-Experte Warnke, „nur, deren Bedienung muß man genau so lernen wie HTML. Sie veralten zudem schnell und gaukeln außerdem eine Einfachheit vor, die so nicht stimmt. Unterschiedliche Rechnerplattformen, ja sogar unterschiedliche Browser können dieselbe Site sehr verschieden darstellen. Deshalb sollte man auch für das Erstellen seiner privaten Seiten besser etwas HTML lernen.“
Gleich, ob HTML oder Wysiwyg, ist es ratsam, sich schon vor dem Anlegen der ersten Seiten seinen Auftritt im Internet zu überlegen: Wen will man ansprechen? Will man sich selbst bekannt machen, soll eine Ware, eine Dienstleistung angeboten werden? Fordert man zum Dialog auf, welche Bilder, welche Grafiken braucht man? Noch wichtiger: Soll die erste Seite auf weitere Folgeseiten verweisen, soll die Homepage über sogenannte Links mit weiteren Seiten verbunden werden? „Besser als ein langer HTML-Kurs“, sagt ein Web-Experte, „man weiß schon vorher, was auf den künfigen Websites nicht passieren darf.“
Auf die Frage nach den häufigsten Fehlern der Hobby-Webdesigner antwortet Profi Kugele spöttisch: „Meistens mangelt es einfach an gutem Geschmack“, und dann: „Nein, im Ernst, häufig fehlt es an der richtigen Bearbeitung der Bilder. Für die haben wir eben spezielle, meistens sehr teure Software. Wir nehmen uns jedes Bild einzeln vor und versuchen es im Speicherbedarf zu optimieren. Die Komprimierungssoftware kann sich ein normaler User nicht leisten.“
Wer die Webseiten durchstöbert, kommt allerdings zur Einsicht: An der fehlenden Software allein kann es nicht liegen, wenn die Homepage nicht richtig rüberkommt. Bildstrotzende Seiten, die elend lange zum Hochladen brauchen, Links ins Leere, zu großer Seitenaufbau für die meist kleineren Bildschirme des Besuchers – selbst Profis machen solche Fehler.
THOMAS BRANDENBURG
Ob der Einzelhändler um die Ecke oder das Großunternehmen: Der Weg zum Kunden führt über die Homepage im Internet. Nur wer sich über das Ziel seines Online-Auftritts Gedanken gemacht hat, darf mit Erfolg rechnen.
Bereits 22 % aller Bundesbürger zwischen 14 und 59 Jahren nutzen das Internet. Am meisten gefragt sind Online-Banking und Nachrichtenangebote.

Von Thomas Brandenburg
Von Thomas Brandenburg

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