Software 24.08.2007, 19:29 Uhr

Der digitale Kommissar behält den Überblick  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 8. 07, swe – Wenn Kriminalhauptkommissar Günter Okon auf Verbrecherjagd geht, verlässt er selten seinen Schreibtisch im Landeskriminalamt Bayern. Sein Revier ist der PC. Software verknüpft Inhalte der Polizeidatenbank mit Landkarten und hilft, Verbrechen aufzuklären.

Gladis heißt Geographisches Lage-, Analyse-, Darstellungs- und Informationssystem. Das Computerprogramm ist ein geographisches Informationssystem, kurz GIS. So ein spezielles GIS wie Gladis nutzen die Münchner etwa für die Liste der Autoaufbrüche, die im letzten halben Jahr aus der Innenstadt gemeldet wurden.

Als leuchtende Punkte erscheinen die Tatorte auf der digitalen Stadtkarte. Sofort fallen Häufungen auf. Mit ein paar Mausklicks blendet Kriminalhauptkommissar Günter Okon das U-Bahn-Netz in die Karte mit ein. Jetzt wird es deutlich: Viele der Autoaufbrüche passierten in der Nähe von U-Bahn-Stationen. „Die Täter gehen strategisch vor“, sagt Okon. „Sie machen einen Bruch und fahren dann schnell ein paar Stationen weiter, um dort wieder zuzuschlagen.“

Früher hätte Okon solche Verbrechensmuster nicht so leicht erkennen können. „Wir haben alle Straftaten mit farbigen Fähnchen von Hand auf einer Karte an der Wand markiert“, sagt er. Doch das wurde ganze schnell unübersichtlich. Also fotografierten die Polizisten am Ende eines Monats die Karte fürs Archiv und zogen alle Fähnchen heraus. Viele Hinweise auf Kriminalitätsschwerpunkte oder Serienstraftaten fielen dieser Praxis zum Opfer.

Erstmals setzte Anfang der 90er Jahre die New York City Police GIS-Software im Polizeidienst ein. Damals galt die Metropole als eine der gefährlichsten Städte der USA. Das so genannte „Crime Mapping“ sollte dem abhelfen.

Mittels eines eigens entwickelten Programms namens Compstat wollte die Polizei den Überblick über all die Morde, Raubüberfälle und Sexualverbrechen behalten. Zugleich griffen die Polizisten überall dort, wo der Computer einen Ballungspunkt der Kriminalität anzeigte, besonders hart durch. Die Strategie zeigte Wirkung: Die Kriminalitätsrate sank in zehn Jahren um 70 %.

In Deutschland ist die bayerische Polizei mit Gladis bundesweit Vorreiter beim Crime Mapping. Seit dem Jahr 2006 haben dort alle Polizeidienststellen Zugriff auf die grafische Kriminalitätsanalyse. Doch auch andere Bundesländer arbeiten daran.

Neueste kriminalistische Computerprogramme wie das in den USA entwickelte Crimestat geben sogar Einblicke in die Psychologie der Verbrecher. Die Software kann aus früheren Fallanalysen statistisch errechnen, wie sich Kriminelle typischerweise verhalten.

Eines der Module von Crimestat heißt „journey to crime“. Es analysiert die Verteilung der Tatorte einer Verbrechensserie und nutzt diese Daten, um Hinweise auf mögliche Wohnorte eines Täters zu liefern.

Mit Hilfe dieser Technik ging der Polizei von Las Vegas 2003 ein lange gesuchter Serienmörder ins Netz. Crimestat hatte als wahrscheinlichsten Wohnort einen Appartementkomplex ausgegeben, den die Fahnder zuvor gar nicht beachtet hatten, weil keiner der bis dahin Verdächtigten dort wohnte.

„Bislang hat niemand die Programme gründlich genug getestet“, warnt Richard Block vor zu hohen Erwartungen. „Wir wissen daher nicht, ob sie besser oder schlechter sind als das intuitive Gespür eines guten Kriminalbeamten“, sagt der Professor für Strafjustiz der Loyola University, Chicago.

Kriminalhauptkommissar Okon hat die Grenzen solcher Systeme im Blick. „Das größte Problem für ein erfolgreiches Crime Mapping liegt darin, jedem Fall genaue räumliche Koordinaten zu geben, die der Computer auch versteht“, sagt er. Denn die Software liefert nur dann verwertbare Ergebnisse, wenn alle Datensätze, die in der Polizeistatistik abgespeichert sind, einer geographischen Position eindeutig zugeordnet werden können.

Für Gladis entwickelte die bayerische Polizei eigens eine spezielle Codierungssoftware, mit der auch Leichenfunde in einem größeren Waldstück genau lokalisiert werden können.

Crime Mapping könnte sogar mehr als nur der Polizei weiterhelfen. Auf der Internetseite www.chicagocrime.org kann jedermann nachsehen, wo in Chicago in den letzten Jahren Verbrechen begangen wurden. Die Daten, die auf der offiziellen Polizeistatistik beruhen, sind mit digitalen Karten von Google Maps verknüpft. So wird schnell ersichtlich, welche Straßen oder welche Viertel der Stadt besonders gefährlich sind. LUCIAN HAAS

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