Informationstechnologie 22.06.2001, 17:30 Uhr

Der Chef über die Informationen

Die Rolle der IT-Chefs hat sich gewandelt. Sie sind nicht mehr Angestellte, die für Lösungen und Support sorgen. Oberste IT-Chefs bestimmen mit im Konzern, entwickeln Geschäftsprozesse und Strategien, die den Umsatz steigern.

Wenn der Vorstand der Aventis Pharma AG für das IT-Budget 2 Mrd. DM im Jahr bereitstellt, dann erwartet der Aufsichtsrat Gewinn bringende Investitionen in die Zukunft. Die Fusion von Höchst und Rhône-Poulenc führte 92 000 Mitarbeiter in über 120 Ländern mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen und heterogenen IT-Systemen zusammen. Investitionen in die Informationstechnologie sollen Aventis wesentliche Wettbewerbsvorteile sichern.

Ragnar Nilsson, Chief Information Officer (CIO) und damit verantwortlich für die IT-Strategie des Konzerns, verkündete kürzlich auf der CIO-Konferenz des Diebold Management Instituts in Berlin, dass sich die Rolle des IT-Spezialisten ändert: weg vom Angestellten, der für Lösungen und Support sorgt, hin zum Gestalter innovativer Geschäftsprozesse, der Nachfrage steigernde Strategien entwickelt und im Konzern mitbestimmt.

Die obersten IT-Chefs treten zunehmend als Partner der Vorstandsebene auf. Sie setzen IT-Technologien ein, um das Business voranzutreiben. „Vorstände sollten die technologische und strategische Kompetenz der CIOs nutzen, um mit ihnen auf gleicher Ebene Entscheidungen zu treffen“, so Steven T. Blythe, Gründer und Geschäftsführer von appsolut software GmbH, ein Anbieter von Portaltechnologien aus Offenbach.

Aus der Rolle des EDV- oder IT-Leiters erwächst somit eine zentrale Führungsposition. Der enorme Einfluss der Informationstechnologie auf den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen beschleunigt diese Entwicklung. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Meta Group hat die Rolle des obersten IT-Chefs untersucht. Als Handbuch für den CIO konzipiert, fasst die Studie „The CIO Desk Reference“ die Ergebnisse zu strategischen IT-Themen zusammen: von Anforderungsprofilen über die Schnittstellen zwischen Geschäft und IT bis zur IT-Situation bei Fusionen und Übernahmen.

Die Aufgaben der CIOs sind demnach gewaltig: Sie sollen nicht nur Visionen entwerfen, sondern auch die Strategie-, Technologie- und Geschäftsziele bestimmen. Sie sollen sowohl die technologischen als auch die Geschäftskernkompetenzen ihrer Unternehmen identifizieren. Sie sollen IT-Technologien implementieren, deren Einführung die Gesamtheit der Unternehmensprozesse verbessert. Und alles in enger Zusammenarbeit mit Kunden, Mitarbeitern und Aktionären. Das sind einige der Aufgaben, die CIOs bewältigen müssen.

Thomas Engel, CIO Kühne & Nagel International AG, definiert seine Aufgaben auf der Diebold CIO-Konferenz aus der Praxis heraus. Er versteht sich als Architekt, der Brücken baut zwischen der Machbarkeit der Technologie und der Geschäftsentwicklung, ein Architekt, der Werte der Informationstechnologie für Entscheidungen im Unternehmen nutzt. Engel hat seine ehemals 60 unterschiedlichen Rechenzentren und eben so viele verschiedene Applikationssysteme miteinander verbunden, so dass diese jetzt über eine zentrale Steuerung in einem einheitlichen System zusammenlaufen.

Welche Qualifikationen und Kenntnisse sollten IT-Spezialisten vorweisen, die sich für diese Aufgabe berufen fühlen? „Der CIO muss die Geschäftsprozesse kennen, muss wissen, wie die Märkte laufen, sollte Umsatzerfahrung vorweisen, Controller sein und die entscheidenden Zukunftstrends erkennen.“ So umreißt Dr. Lothar Dietrich, CIO Babcock Borsig AG, die Erwartungen an sich selbst. Dabei steht nicht die Verliebtheit in die Technik, sondern das Business im Vordergrund. Denn der CIO arbeitet an der Transformation des Geschäftes durch die Technik, die planerische, analytische und konzeptionelle Hochleistung verlangt.

Fundierte Projektmanagement-Kenntnisse und die Fähigkeit, gleichzeitig multifunktionelle Projekte zu leiten, runden die notwendigen Qualifikations- und Kenntnisvoraussetzungen ab. Das allein reicht aber noch nicht aus. Hinzu kommen die so genannten „soft skills“, die für dieses Business wesentlich sind: der CIO als überzeugender Motivator, realistischer Visionär und erfolgreicher Manager kultureller und technologischer Veränderungen.

Chief Information Officers weisen in der Regel einen Wirtschafts-, Informatik- oder Ingenieursabschluss vor. Sie haben Erfahrungen mit IT-Technologien wie Groupware, Datentransfer, Webbrowser, Dokumenten Management Systemen, Wissensmanagement und intelligenten Agenten. CIOs sollten über ca. 15-jährige Erfahrungen verfügen mit strategischer Planung, Entwicklung und Implementierung von Datenbanken. Und mindestens sieben Jahre Erfahrung mit dem Management von großen Projekten haben.

Wie viel die CIOs für ihren Einsatz verdienen, hängt von Ländern und Regionen ab, aber auch vor allem von der Branche und der Größe ihres Unternehmens. Nach Angaben der Meta Group betrug der durchschnittliche Verdienst eines CIO in den USA im Jahr 2000 ca. 194 000 Dollar, dazu kam im Durchschnitt noch eine Prämie von ca. 77 000 Dollar. Wie zu erwarten war, zahlen Banken und Finanzinstitute am besten, US-Regierung und Behörden am schlechtesten. Die meisten motiviert jedoch die Aufgabe, Geschäftsprozesse und -strategien global erfolgreich zu gestalten. WERNER BRUCKNER

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