Informationstechnologie 12.02.1999, 17:20 Uhr

Dem Geheimnis des Wissens auf der Spur

Wissens-Management gilt als Königsweg für Unternehmen und Institutionen in der Informationsgesellschaft. Wie Wissen erschlossen und etwa über Internet zugänglich und nutzbar gemacht werden kann, darüber diskutierten Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Burda-Kongress „Envisioning Knowledge“.

Wissen wird zum zentralen Rohstoff der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Diese nicht ganz neue Weisheit ließ sich beim Managementguru Peter Drucker bereits in den 60ern nachlesen und gehört heute zum Repertoire jedes in die Zukunft blickenden Unternehmers oder Politikers.
Doch es ist nicht einfach, die Ressource Wissen zu erschließen. „Die Erstellung und Nutzbarmachung von Wissen liegen heute noch fast ganz im Dunkeln“, beklagt Albrecht von Müller, Chairman der Züricher Firma Think Tools, die an einem „Betriebssystem für die Wissensökonomie“ arbeitet.
Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, lud die Burda Akademie anfang Februar zum Brain-Storming nach München. Zwei Tage lang referierten und diskutierten führende Köpfe aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Hirn- und Kognitionsforschung, Medienwissenschaft und Soziologie sowie Praktiker aus Unternehmen.
Marktbeobachter rechnen mit einer radikale Umgestaltung der Produktionsprozesse der Märkte. „Die Grundlagen des Wirtschaftens werden in Frage gestellt“, ist sich Hubert Österle, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, sicher. Die Veränderungen würden zu Recht mit der Einführung des Buchdrucks verglichen im Wirtschaftssektor etwa könnten durch den Produktionsfaktor Wissen, der sich durch Gebrauch oder Verkauf nicht abnutze, sondern sogar noch vermehre, viele Produkte oder Dienstleistungen von heute obsolet werden: „Im Bereich Banking, Versicherung, Reisebüro und beim Verkauf allgemein.“
Für den Professor sind die Veränderungen mit „Riesenchancen“ verbunden. Schon heute würden viele Internet-Firmen wie America Online oder Yahoo! durch die Aktionäre im Milliardenbereich bewertet. Diese Unternehmen hätten allerdings oft nur geringe Umsätze und Gewinne vorzuweisen. Die hohen Marktbewertungen ließen also erkennen, daß vor allem „das Wissen in den Köpfen der Firmenmitarbeiter“ als Maßstab herangezogen werde.
Doch in der Praxis gibt es noch Probleme im Umgang mit den Wissenswerten, wie etwa Siemens-Vorstand Volker Jung nach Umfragen im eigenen Konzern eingesteht. „40 % des Unternehmenswissens werden nicht genutzt“, weiß der Siemens-Vorstand. Noch verbrächten die Mitarbeiter in der Regel ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit der Suche nach wichtigen Informationen. Nur 10 % behaupteten von sich, Wissen „einfach“ zu finden. Der alte Spruch: „Wenn Siemens wüßte, was Siemens weiß“, gälte aber nur noch bedingt: Um den weltweit verstreuten Mitarbeitern Wissen unabhängig von Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen, hat der Münchener Weltkonzern ein firmeneigenes Netz (Intranet) mit über 80 000 Zugangspunkten aufgebaut, das im Monat bereits ein Datenaufkommen von rund einem Terrabyte hat.

Auslagerung von Information ins Intranet bleibt umstritten

Ob die reine Auslagerung von Informationen in ein unternehmensinternes Intranet für die geistige Versorgung eines wissenszentrierten Unternehmens bereits ausreicht, war unter den Tagungsteilnehmern allerdings umstritten. „Information wird durch ihre ubiquitäre Verfügbarkeit zwar zum Rohstoff“, gab von Müller, für den der „globale Kampf um die besten Hirne“ bereits in vollem Gange ist, den Unternehmensleitern mit auf den Weg. Entscheidende Bedeutung komme allerdings dem nächsten „Veredelungsschritt“ zu, der aus Informationen durch „denkende Verknüpfung systemisches Wissen erzeugt“. Unter Wissen sei mehr zu verstehen als „reines Verfügungswissen“, bestätigte auch Ernst Pöppel, Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Diesem explizierbaren und in Datenbanken organisierbaren Wissen stellte der Hirnforscher das intuitive Handlungswissen gegenüber, das persönliche Können eines Menschen sowie das bildliche Wissen, das gedanklich strukturiert und kategorisiert werde. Alle drei Formen müßten verbunden werden, um sich Wissen wirklich zu erschließen.
Pöppel begreift zwar durchaus die „Verlagerung von Detailwissen ins Web“, mit der sich gerade der Wissensarbeiter enorm entlaste. Um auf das externalisierte Wissen aber wieder zugreifen zu können, müßten die Menschen in ihren Gehirnen „von früher Kindheit an Wissensstrukturen bildlicher Art aufbauen, in die hinein sie dann diese Informationen aus dem Web einlesen“. Das würde bedeuten, daß jeder in sich selber eine „Wissenslandkarte“ definieren müßte, um mit ihrer Hilfe ausgelagerte Informationen wieder in das Bewußtsein „einzulagern“.
Ziel des Kongresses unter dem Motto „Envisioning Knowledge“ war es daher auch, neue Formen von computergestützten Visualisierungen vorzustellen, um, so Christa Maar, Präsidentin der Burda Akademie zum Dritten Jahrtausend, „komplexe Vorgänge zu veranschaulichen und für die Bürger der Wissensgesellschaft verstehbar und nutzbar zu machen“.
Einen Weg zur Visualisierung von Wissensstrukturen im World Wide Web weist etwa die kalifornische Softwarefirma Inxight. In München stellte Cheftechnologe Ramana Rao ein Meta-Navigationstool für das Browsen vor, ein Webinterface in Form eines „hyperbolischen Baums“. Der Surfer fliegt damit quasi über den eigentlichen Websites in einem Raum von Vernetzungsstrukturen und landet durch Mausklicke nur genau auf den Seiten, deren Titel ihn interessieren. Die Navigationstechnik sei entwickelt worden, so Rao, um „ein den Informationen zugrundeliegendes Rückgrat zu veranschaulichen und so die effektive Interaktion mit strukturierten Informationsbereichen zu ermöglichen“. Gewissermaßen erlaube der als Java-Applet programmierte „Hyperbrowser“, den etwa die Online Ausgabe des Wall Street Journals bereits zur besseren Erschließung ihrer über 100 000 Informationsseiten einsetzt, dem Menschen, Strukturen so zu sehen, wie sie die Maschine in ihrer Datenrepräsentation anlege. Der Surfer kann sich so durch räumlich dargestellte Site-Maps bewegen, die den Irrgarten der Vernetzungen lichten.
Die neuen Ansätze zur Visualisierung von Wissensstrukturen finden auch das Gefallen der Kognitionsforscher. Es sei durchaus sinnvoll, mit Hilfe von Technologien „begriffliches Wissen und strukturelles oder bildliches Wissen aufeinander abzubilden“, meint etwa der Hirnspezialist Pöppel.
STEFAN KREMPL
Neue Web-Technologie erleichtert den Zugang zum Wissen. Beim Online-Katalog der US-Kongreßbibliothek etwa navigiert der Anwender durch räumlich strukturierte Informationsbereiche.

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