Internet 21.01.2000, 17:24 Uhr

Datentransfer: Richtfunk kontra Glasfaser

Daten-Highways könnten in absehbarer Zeit zum nostalgischen, historischen Teil des Internet-Zeitalters werden. Schneller geht es über so genannte Data-Airways. Diese neuen Richtfunkverbindungen nehmen es in puncto Schnelligkeit mit Glasfaserverbindungen auf – und könnten wesentlich kostengünstiger errichtet werden.

Knapp ein Jahr hat es gedauert, dann war die mediascape communications GmbH aus Hamburg am Ziel. Ihr gelang es, Daten im Internet in Höchstgeschwindigkeit zu übertragen: mit bis zu 155 Mbit/s – und damit 2325-mal schneller als ISDN. „Ähnliche Geschwindigkeiten“, so Frank Brügmann, „sind derzeit nur über Glasfaserkabel erreichbar, und das bedeutet sehr viel höhere Investitionskosten. Zusammen mit seinem Bruder Christian hat er mediascape Ende 1995 gegründet. Beide führen heute deren Geschäfte gemeinsam.
Die meisten Richtfunk-Anbieter arbeiten bisher mit einer Geschwindigkeit von 2 Mbit/s bis 10 Mbit/s und nutzen Frequenzen, die regional vergeben und damit begrenzt sind. mediascape hingegen entwickelte den ursprünglich von der amerikanischen Armee genutzten drahtlosen Expresszugang ins Datennetz zunächst für den Datenverkehr in und zwischen Unternehmen.
Das Richtfunknetz – jede Einheit besteht aus einem Modem und einer Antenne – funktioniert bereits in zehn deutschen Städten. Die Verbindungen zwischen den Metropolen werden mit angemieteten Glasfaserkabeln überbrückt. Die Richtfunktechnologie eigne sich besonders gut für Großstädte und Ballungszentren.
In Hamburg, so mediascape, nutzen bereits 70 Großkunden den Service eines kabellosen Intra- und Extranetzes. Ebenfalls auf die Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung setzt die Münchener Hypo Vereinsbank. Sie will mit der neuen Richtfunktechnik ihre Rechenzentren und Außenstellen mit der Zentrale verbinden. Sie rechnet durch den kabellosen Netzzugang mit einer kurzfristigen Verringerung ihres Budgets für Telekommunikation um bis zu 40 %.
Bisher kosten Datenübertragung und Telefongespräche die Bank jährlich 150 Mio. DM. Wobei das Telefonieren per Internet, wie für jeden mediascape-Kunden, dann ebenfalls nur mit den Durchleitungskosten berechnet wird. Grundgebühren fallen nicht an. Durch die Lizenzen 3 und 4 darf mediascape auch als Telefongesellschaft operieren.
Die Technik ist, von außen betrachtet, einfach: Die Antenne misst zwischen 12 cm und 45 cm Durchmesser, wird in unterschiedlichen Farben geliefert und ist leicht zu installieren. Die Anschlusseinheit wird gerade von den ursprünglichen 22 cm mal 20 cm auf die Hälfte verkleinert und eignet sich sowohl für die Installation in Gebäuden als auch außerhalb. Eine IP-Schnittstelle ist selbstverständlich integriert, Voice over IP dank der hohen Geschwindigkeit nicht nur möglich, sondern sogar in Echtzeit, ohne Verzögerung und Hall.
Die Grundausstattung für eine Datenübertragung von 2 Mbit/s, was der 30fachen ISDN-Geschwindigkeit entspricht, kostet 2500 DM, eine Beschleunigung auf 10 Mbit/s ist für 4000 DM zu haben. Monatliche Grundgebühren – wie etwa beim ISDN-Anschluss – entfallen. Bezahlt werden nur die tatsächlich durchgeleiteten Datenmengen.
Die Softwarekomponenten hat mediascape selbst entwickelt und rühmt sich, nur selbstüberwachende und selbstmanagende Systeme zu verwenden. „Wenn eine Komponente hängt, wird sie automatisch vom System neu gestartet.“
Der technologische Vorsprung vor dem Wettbewerb ist deutlich: Mittels Kupferdraht lassen sich nur 56 kbit/s übertragen, Stromleitungen als Übertragungsweg sind über die Testphase noch nicht hinaus. Satelliten sind für höchstens 4 Mbit/s gut, dafür jedoch teuer. Und für die Alternative mit Glasfaserkabel fallen hohe Investitionskosten an – etwa 800 DM/m kostet die Verlegung.
Dafür bietet die Glasfaser dann ebenfalls Durchleitungsgeschwindigkeiten von bis zu 155 Mbit/s. Die mediascape übrigens natürlich mit seiner kabellosen Verbindung künftig noch überbieten will, wenn die Nachfrage nach noch höheren Geschwindigkeiten steigt.
Ein wichtiger Einsatzbereich der Richtfunk-Technologie mit hoher Leistungsfähigkeit wird der schnell wachsende Markt des Business-to-Business via Internet sein. Das Marktforschungsunternehmen Dataquest rechnet zum Beispiel mit einer Explosion des weltweiten Internetgeschäftes von 31,2 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr auf 380 Mrd. Dollar 2003. Rund 80 % des E-Commerce werden auf den Handel von Unternehmen mit Unternehmen entfallen. Richtfunk mit hoher Bandbreite macht es möglich, Videos und Liveveranstaltungen zu übertragen, wie etwa Hauptversammlungen, und zwar in hoher Qualität. Ebenso wie Video-on-Demand, das kabellose Abrufen von Spielfilmen.
Bis 2002 will mediascape 30 weitere deutsche Städte vernetzen und 10 000 zusätzliche Kunden für das „wireless local loop“ gewinnen. Schwerpunkt der nächsten Monate wird daher das Marketing sein, die Hauptaufgabe der Muttergesellschaft von mediascape. Mit 72 % ist die Emprise Management Consulting AG, Hamburg, seit Mai 1999 an der Firma beteiligt. Sie berät Unternehmen in Fragen der Informationstechnologie und bietet, so Vorstandssprecher Gerd Nicklisch, „sämtliche Leistungen für den Handel im globalen Netz aus einer Hand“ an.
Emprise erwirtschaftete 1998 einen Umsatz von 40,4 Mio. DM und beschäftigt derzeit etwa 300 Mitarbeiter. Seit Juli 1999 ist das Unternehmen am Neuen Markt notiert. Als die Richtfunk-Innovation der Tochter mediascape bekannt wurde, schnellte der Kurs um rund 50 % auf 132 Euro hoch. Emprise ist gerade dabei, das unter anderem für das Marketing und den Vertrieb der Richtfunktechnologie notwendige Kapital zu beschaffen. Ein rascher Börsengang der Tochter mediascape dürfte da der wahrscheinlichste Weg zur Geldquelle sein. SABINE WIERMANN
Bald an der Börse? Die mediascape-Gründer Christian und Frank Brügmann werden Kapital brauchen, um ihre Idee zu vermarkten.
Hoch hinaus will die Hamburger Firma mediascape mit ihrer neuen Richtfunktechnologie. Mit Datentransferraten von 155 Mbit/s will sie im Business-to-Business-Geschäft dem Glasfasernetz Konkurrenz machen.

Ein Beitrag von:

  • Sabine Wiermann

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