Soziale Netzwerke 20.04.2012, 11:58 Uhr

Cybermobbing zwischen Mitschülern

Die Möglichkeiten des Internets wachsen in rasantem Tempo. Und damit auch die Gefahren. Kinder und Jugendliche haben Kommunikationsplattformen entdeckt, um Mitschülern anonym „eins auszuwischen“. Über die Folgen machen sie sich oftmals keine Gedanken.

Lena war sich keiner Schuld bewusst. Die 13-Jährige Gymnasiastin hatte trotzdem das Gefühl, im Kreis ihrer Freundinnen etwas Grundlegendes verbockt zu haben. Denn plötzlich verhielten sich alle „irgendwie anders“: Sie tuschelten, wenn Lena erschien, oder beschränkten ihre Unterhaltungen mit ihr auf wenige Augenblicke. Bis eine Freundin sie aufklärte: Natalie, die Wortführerin der Mädchengruppe, hatte sie im Internet als „Tratschtante“ und „Jungenschreck“ diffamiert. Lena stellte ihre Altersgenossin zur Rede. Natalie entschuldigte sich, Lenas Negativimage aber blieb.

Auch wenn es Lena kaum trösten mag: Sie fand wenigstens noch heraus, wo die Quelle des „Cybermobbings“ oder „Cyberbullying“, des Schüler-Mobbings im Netz, lag. Vielen anderen Opfern bleibt dies verschlossen. Ein Grund, weshalb Catarina Katzer vom „Bündnis gegen Cybermobbing“ eine „neue Dimension des traditionellen Mobbing“ ausmacht: „Oft wissen die Opfer nicht, wer dahintersteckt. Es könnte ein angeblich guter Freund oder der Tischnachbar in der Klasse sein.“

Cybermobbing: Facebook und Co. machen alles für Hunderttausende User einsehbar

Alles sei wie an einem schwarzen Brett für Hunderttausende User einsehbar. Besonders unangenehm sei, dass es auch die besten Freunde und sogar Lehrer, Eltern oder Arbeitgeber mitbekommen können, wenn sich „Hassgruppen“ gegenüber einem Jugendlichen gebildet haben und in Chatrooms oder sozialen Netzwerken wie Facebook gegen ein Opfer schießen. Den Begriff „Hassgruppen“ hat nicht Catarina Katzer ins Leben gerufen, er bezeichnet Gruppen, die sich nach außen den Anschein eines Fanklubs geben, sich dann aber als Zusammenschluss von Jugendlichen entpuppen, die über soziale Netzwerke gezielt andere „fertig machen“ wollen.

„Nichts, was einmal im Netz steht, kann wieder gelöscht werden“, sagt Catarina Katzer. „Jedes peinliche oder gefakte Foto, jegliche falschen Profilinhalte können auch Jahre, nachdem Cybermobbing stattgefunden hat, in der Suchmaschine der aktuellen Freunde, Ehepartner oder Arbeitgeber auftauchen. Die Traumatisierung eines Opfers ist deshalb in vielen Fällen von Cybermobbing höher als bei Mobbing, das ,nur‘ auf dem Schulhof oder der Schulklasse passiert. Insbesondere wenn es peinliche Fotos oder Videos sind.“

Es sind verschiedene Kriterien, die zum Mobben übers Netz verleiten, meint die Soziologin: Die Hemmschwelle sei geringer als in einer Face-to-face-Situation auf dem Schulhof, die Täter empfänden eine geringere Empathie für die Opfer und ihnen fehle oft das Gefühl, eine Straftat zu begehen. Auch vielen Zuschauern mangele es an Schuldgefühlen: Catarina Katzer: „Ein neuer virtueller Voyeurismus ist entstanden.“

Das Mobbing arte nicht selten in einen regelrechten Wettkampf aus: Wer hat das peinlichste Video eines Mitschülers oder das brutalste Prügelvideo zu bieten?

Anonymität von Cybermobbing stellt großen Reiz für die Täter dar

Auch Katja Knierim von „jugendschutz.net“, das als länderübergreifende Einrichtung für Jugendschutz im Internet sorgen soll, sieht in der Anonymität einen großen Reiz für die Täter. „In Social Communities werden manchmal Diskussionsgruppen gegründet, die allein der Lästerei über eine bestimmte Person – sei es nun ein Mitschüler, ein Lehrer oder ein anderer Internet-Teilnehmer – dienen. Ebenso ist es möglich, dass sich ein Täter unter der Identität des Opfers bei einem der Internet-Kommunikationsdienste anmeldet und in dessen Namen Unwahrheiten verbreitet, da von Seiten der Anbieter keine Verifizierung der angegebenen Daten erfolgt. Beleidigungen und Bedrohungen können via E-Mail, Instant Messenger, Chat, Forum oder Gästebuch verschickt werden.“

Kinder und Jugendliche deshalb aber unter Generalverdacht zu stellen und sie als Kriminelle abzustempeln, könne nicht zielführend sein, sagt Katja Knierim. Jugendliche brauchten die Hilfe der Eltern. „Viele Kinder und Jugendliche unterschätzen die Risiken des Internets – und sind überfordert, wenn es zu riskanten Situationen kommt.“ Nur die Wenigsten befassten sich mit Sicherheitsfunktionen wie den Privatsphäre-Einstellungen und den Möglichkeiten, Kontaktversuche von Fremden zu blockieren.

Ein Patentrezept gegen Cybermobbing gebe es nicht. Der vorsichtige Umgang mit dem Netz könne viel Unheil verhindern. Zudem solle man sich nicht in Streitereien auf Kommunikationsplattformen verstricken lassen. Während Catarina Katzer vom „Bündnis gegen Cybermobbing“ an schärfere Gesetze denkt, hält Katja Knierim dies für überflüssig.

Wird ein Kind Opfer von Cybermobbing, sollten sich die Eltern an den Anbieter des Kommunikationsdienstes wenden, rät sie. „Dieser ist verpflichtet, die diffamierenden Inhalte von der Plattform zu entfernen und auch zu verhindern, dass der Täter weiterhin an der Kommunikation auf der Plattform teilnimmt.“

Sexualisierte Sprache typisch für Cybermobbing

In Deutschland nutzen zwei Drittel aller Schüler täglich soziale Netzwerke, die meisten sind bei Facebook unterwegs, besagt eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK). Cybermobbing ist drei Viertel der Befragten bekannt, bei über der Hälfte wird das Thema in der Schule behandelt. Ein knappes Fünftel der Schüler hat Erfahrungen mit zugeschickten Drohungen und Beleidigungen gemacht. „Bei den Internetintensivnutzern (über drei Stunden täglich) gibt es eine klar höhere Bereitschaft für die potenzielle Täterschaft als bei den Mäßignutzern“, heißt es bei der TK. Jeder Zehnte hat demnach mindestens einmal im Netz gemobbt.

Auffallend sei die sexualisierte Sprache beim Cybermobbing, hat eine Studie der TU Berlin ermittelt. Mädchen würden häufig als „Schlampe“, Jungen als „schwul“ bezeichnet. Mädchen neigten dazu, Gerüchte zu verbreiten, Jungen zur Androhung von Gewalt. Gegen Lehrer schießen vor allem Jungen (70 %), wie eine Erhebung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft herausgefunden hat. 

http://wwww.bündnis-gegen-cybermobbing.de

„Gute Freunde“ mobben ihre Mitschüler

„Gute Freunde“ mobben ihre Mitschüler

Von Wolfgang Schmitz
Von Wolfgang Schmitz

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