Bundeskriminalamt warnt 28.08.2014, 11:06 Uhr

Cyberkriminelle überwinden immer wieder neue Sicherheitsmaßnahmen

Das BKA hat 2013 nur wenige Fälle mehr von Internetkriminalität registriert als im Vorjahr. Aber in einigen Bereichen wie Identitätsdiebstahl, Erpressung und Wirtschaftsspionage gibt es starke Zuwächse. Internetnutzer schützen sich verstärkt, aber noch nicht genug. Und die Täter holen technisch immer wieder auf. Deshalb sind auch gut gesicherte Unternehmen wie Banken weiterhin bedroht – wie der aktuelle Fall in den USA zeigt.

Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte 2013 insgesamt 64.426 Fälle von Cybercrime. Das ist nur eine Steigerung um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Behörden gehen allerdings von einer etwa zehnfach höheren Dunkelziffer aus.

Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte 2013 insgesamt 64.426 Fälle von Cybercrime. Das ist nur eine Steigerung um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Behörden gehen allerdings von einer etwa zehnfach höheren Dunkelziffer aus.

Foto: dpa

Als die Banken für das Online-Geschäft vor zwei Jahren Sicherheitsstandards wie das mTAN-Verfahren einführten, hat das kriminelle Hacker erst einmal ausgebremst. Der Versand der Transaktionsnummern auf Abruf war eine Hürde, die viele Täter aber inzwischen überwunden haben. Neue Methoden, neue Schadsoftware seien entwickelt worden, um auch diese Sperren zu knacken, erklärt das Bundeskriminalamt (BKA).

Es klingt beinahe respektvoll, wie BKA-Präsident Jörg Ziercke bei der Vorstellung des Lageberichts „Cybercrime“ den Wettlauf beschreibt: „Die Cyberkriminellen reagieren professionell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards und passen ihre Methoden schnell den geänderten Rahmenbedingungen an. Das Gefährdungspotenzial für jeden Internetnutzer bleibt daher weiterhin hoch.“

Extrem hohe Dunkelziffer

Wie hoch, das zeigt auch die parallel zum BKA-Report veröffentlichte Umfrage des Branchenverbandes BITKOM. Danach sind 55 Prozent der Internetnutzer in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Cybercrime geworden, 40 Prozent berichten von eingeschleusten Schadprogrammen. „Cyberkriminalität kann jeden treffen“, sagte BITKOM-Präsident Dieter Kempf. Dagegen müssten Staat und Internetwirtschaft gemeinsam vorgehen.

BKA-Präsident Jörg Ziercke (li.) und Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbandes BITKOM, stellen am 27. August 2014 bei einer Pressekonferenz in Berlin das neue Lagebild zu Computer- und Internetkriminalität 2013/2014 vor. 

BKA-Präsident Jörg Ziercke (li.) und Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbandes BITKOM, stellen am 27. August 2014 bei einer Pressekonferenz in Berlin das neue Lagebild zu Computer- und Internetkriminalität 2013/2014 vor. 

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Zwar verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2013 mit insgesamt 64.426 Fällen von Cybercrime nur eine Steigerung um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Behörden gehen indes von einem um das etwa Zehnfache größeren Dunkelfeld aus. Aber auch die bekannten Fallzahlen sind teils alarmierend. Beim Identitätsdiebstahl im Zusammenhang mit dem Online-Banking stiegen sie laut BKA im vergangenen Jahr um 19 Prozent. Auch die Fälle von Sabotage nahmen zweistellig zu.

Nutzer verschlüsseln Dateien öfter

Diese Angriffe und die Berichte über Abhörattacken von Geheimdiensten hätten dazu geführt, dass mehr Menschen als früher Schutzmaßnahmen ergreifen – oder bestimmte Online-Dienste einfach gar nicht mehr nutzen. Nach der BITKOM-Umfrage verschicken 47 Prozent vertrauliche Dokumente nicht mehr per E-Mail, fast ein Drittel (29 Prozent) verzichtet auf Online-Banking und ein Viertel (24 Prozent) auf das Einkaufen im Internet. „Das sind alarmierende Zahlen, weil dieser Trend die digitale Entwicklung bremst“, sagte Kempf. Zugleich verschlüsselten inzwischen 16 Prozent der Internetnutzer E-Mails und 15 Prozent Dateien. Ein Jahr zuvor waren dies noch sechs beziehungsweise acht Prozent.

Wirtschaftsspionage vor allem von eigenen Leuten

Die Behörden registrieren auch einen deutlichen Zuwachs bei der Wirtschaftsspionage über virtuelle Netze. Gerade der Mittelstand sei davon besonders betroffen, berichtet Kempf: 31 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen hätten Angriffe auf die IT-Sicherheit in den vergangenen zwei Jahren gemeldet. Mehr als die Hälfte dieser Attacken gehe von eigenen oder externen Mitarbeitern aus. Spionageaktionen aus der Ferne, wie sie häufig vor allem mit Bezug zu China kolportiert werden, sind also eher in der Minderheit. Dennoch steckt auch darin nach Einschätzung des BKA eine große Gefahr. So mache sich das Phänomen der digitalen Erpressung über weltweit verbreitete Infektions-Malware weiter breit: Allein 2013 registrierte das BKA 6754 solcher Fälle.

Attacke auf US-Banken aus Russland?

Natürlich gehören Banken zu den Unternehmen, die am stärksten von möglichen Angriffen bedroht sind. Besonders gefährlich werden diese Attacken, wenn sie von staatlichen Behörden oder Geheimdiensten unterstützt sind. Genau diesem Verdacht geht nach US-Medienberichten jetzt das FBI nach. Mindestens fünf US-Geldinstitute, womöglich aber auch europäische Banken, sollen von dem Fall betroffen sein. Dabei wurden dem Wirtschafts-Nachrichtendienst Bloomberg zufolge teils sensible Kundendaten gestohlen. Und das auch auf höchst professionelle Weise, weshalb die Ermittler der Frage nachgingen, ob eine Regierung beteiligt sei. Und da es in den Spuren Hinweise auf Osteuropa gebe, bestehe nun der Verdacht: Hat sich Russland mit der Cyberattacke für die Sanktionen des Westens gerächt?

Von Werner Grosch

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