Londoner Start-up Jukedeck 28.12.2015, 11:50 Uhr

Computer komponiert für kleines Geld

Das Londoner Start-up-Unternehmen Jukedeck bietet  Kompositionen zum Download gegen Geld an, die von einem Computer angefertigt worden sind. Der Kunde gibt an, in welchem Stil und in welcher Länge er seine Musik haben möchte. Um sie herunterladen zu können, muss er zuvor umgerechnet rund sieben Euro zahlen. 

Das junge Londoner Unternehmen Jukedeck bietet vom Computer komponierte elektronische Musik zum Herunterladen an. Damit können Videos musikalisch unterlegt werden, ohne das dies zu rechtlichen Problemen führt oder Nutzungsgebühren gezahlt werden müssen.

Das junge Londoner Unternehmen Jukedeck bietet vom Computer komponierte elektronische Musik zum Herunterladen an. Damit können Videos musikalisch unterlegt werden, ohne das dies zu rechtlichen Problemen führt oder Nutzungsgebühren gezahlt werden müssen.

Foto: Jukedeck

Wer Jukedeck-Kompositionen erwirbt, braucht sich laut Anbieter um die etwaige Verletzung von Copyrights oder die Zahlung von Royalties (Gema-Gebühren) nicht zu sorgen. Ed Rex, der 28-jährige Musiker aus Cambridge, der mehrere Jahre damit verbrachte, Computern das Komponieren beizubringen, ist stolz darauf, die Probleme um Copyrights und deren Nutzungsgebühren (Royalties) “endgültig gelöst zu haben”.

Erste Zielgruppe sind Online-Videoproduzenten

Im Visier hat Jukedeck zunächst Online-Videoproduzenten. Diese  wünschen sich meist einen eigenständigen Soundtrack ohne endlos danach suchen und für die Nutzung dann zahlen zu müssen. Rex betont dazu: “Audiobibliotheken nach geeigneten Soundtracks zu durchforsten ist ein enorm zeitintensives Unterfangen.” In der Testphase vor dem Marktauftritt hatte Jukedeck Glück, dass Google und das Natural History Museum Jukedeck-Kompositionen auf YouTube hochluden.

Komponisten und Experten für maschinelles Lernen am Werk

In die Entwicklung der Computer-Komposition waren von Rex sowohl Komponisten als auch Experten für maschinelles Lernen eingeschaltet. Patrick Stobbs, der Geschäftsführer von Jukedeck, betont: “Computer leisten nun schon seit sehr langer Zeit eine Vielzahl von relativ einfachen Arbeiten. Bisher herrschte die Auffassung vor, das es bei ihnen zur Kreativität nicht reiche. Kreativität ist aber aus den Werken der Vergangenheit zu lernen und das Gelernte dann in vielfältiger Form zu variieren.” Genau das macht Jukedeck mit Hilfe so genannter Algorithmen.

Stil und Länge seines Soundtracks kann der Jukedeck-Kunde vorab festlegen. Den Rest erledigt der Computer. 

Stil und Länge seines Soundtracks kann der Jukedeck-Kunde vorab festlegen. Den Rest erledigt der Computer. 

Foto: Jukedeck

Dabei handelt es sich um jeweils eine Vielzahl wohl definierter Einzelschritte, mit deren Hilfe der Computer hier Melodien komponiert. Note für Note. Dabei haben Rex und Kollegen in die Software auch einfließen lassen, was “gut klingt”. Schließlich durchläuft die Komposition ein so genanntes Produktionssystem, das die Wiedergabe der Melodien auf virtuelle Instrumente überträgt. Längerfristig erwartet Jukedeck, dass die angebotenen Kompositionen so gut werden, dass sie sich auch für Streaming- Dienste eignen. 

Patentanträge in Großbritannien und den USA gestellt

Damit Jukedeck den Weg an den Markt einschlagen konnte, war zunächst einmal Kapital erforderlich. Das Unternehmen Cambridge Innovation Capital steuerte 2,8 Millionen € bei. Zur Absicherung der eigenen Kompositions-Algorithmen hat Jukedeck sowohl in Großbritannien wie auch in den Vereinigten Staaten Patentanträge gestellt. Der Patentschutz wird für notwendig erachtet, um am Markt gegen so genannte royalty-freie Billigmusik von menschlichen Komponisten bestehen zu können.

Jukedeck veranschlagt den gesamten Weltmarkt für derartige Musik auf bisher rund 370 Millionen € im Jahr. 

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