Messen 14.11.2000, 17:27 Uhr

COMDEX: Cooltown statt Big Brother

Nicht die Technologie bestimmt was machbar ist, sondern die Menschen, die diese Technologien nutzen.

Doch zunächst konnte auch Fiorina sich eine Anspielung auf das US-Wahlergebnis nicht verkneifen. Gerade erst an der Börse dafür abgestraft, dass HP zwar seinen Gewinn im letzten Quartal gesteigert hat, diese Steigerung aber hinter den Erwartungen der Analysten zurück geblieben war, kommentierte sie lakonisch: „Haben auch CEOs ein Recht auf Nachzählung?“
Blieb Bill Gates in seiner Eröffnungs-Keynote Visionen zum PC der Zukunft, zu dessen Nutzung in einer vernetzten Welt weitgehend schuldig, so lieferte Fiorina am ersten Comdex-Tag diese schon fast im Übermaß nach. Sie, die übrigens Geschichte studiert hat, verglich die derzeitige historische Situation mit dem Übergang vom Mittelalter zur Renaissance: Der wachsende Glauben in das menschliche Bewußtsein habe damals zu einer – leider nur vorübergehenden – Befreiung des Individuums geführt.
„Heute stehen wir am Beginn der digitalen Renaissance“, ist sie überzeugt. Das neue Netz, das menschliche, unsichtbare Internet, das sie im vergangenen Jahr auf der Comdex proklamiert hatte, sei nun im Entstehen. Sie hat dafür verschiedene Titel: Das persönliche Kreativitätsnetz, das Business-Transformation-Netz, das mach-es-für-mich-Netz usw. Wichtig ist ihr, dass dieses Netz nicht durch die Technologien bestimmt wird. Nur in einem Nebensatz erwähnt sie, dass im Hause HP praktisch alles vorhanden oder in der Entwicklung sei, was in den Knotenpunkten dieses Netzes benötigt werde. Doch wichtiger sei, was die Menschen mit diesem Netz tun werden. „Bisher ging es bei der Internet-Nutzung vor allem darum, altbekannte Dinge auf eine neue Weise zu tun. Künftig wird es darum gehen, Dinge zu ermöglichen, die noch nie vorher gemacht wurden.“ Dabei ist ihr der soziale Aspekt sehr wichtig. Es gehe nicht nur um die 1 Mrd. Menschen, die derzeit das Netz nutzen, es ginge auch um die 4-5 Mrd. die dazu noch keine Chancen haben.
Einen kleinen Eindruck vom kreativen Potential das sich im Netz verbirgt, vermittelt eine Aktion, die HP weltweit durchgeführt hat: 100 Menschen vom tibetanischen Mönch bis zum jungen Massai-Krieger oder einem New Yorker Taxifahrer wurden mit einer digitalen Kamera ausgestattet und sollten Fotos machen, die nun auf HPs Website zu sehen sind. Keine Profiaufnahmen, aber eine beeindruckende Sammlung persönlicher Sichten auf die jeweilige Umwelt.
Fiorinas Vision der total vernetzten Welt läßt alle düsteren Seiten von Orwells Big Brother vermissen. Es gehe nicht darum, jedem Gerät Intelligenz zu verpassen. Vielmehr soll jedes Gerät nur so viel Intelligenz besitzen um sich für den Nutzer als wirklich nützlich zu erweisen. Die Druckerpatrone, die dank Chip weiß, wann sie leer ist und direkt – wenn gewünscht – eine neue über Internet bestellt, ist da nur ein kleines Beispiel. Mit HPs Cooltown-Software sollen bereits im kommenden Jahr erste dieser Visionen verwirklicht werden.
In Kooperation mit Nokia werden z.B. HP-Drucker in die Lage versetzt, direkt mit dem Handy zu kommunizieren. Auf diese Weise ist es dann möglich, bestellte Eintrittskarten oder auch Briefmarken auf dem Drukcer auszudrucken ohne weite Wege zur Verkaufsstelle zurücklegen zu müssen.
Digitales Pearl Harbour
Für den europäischen Besucher überraschend spielt nun auch in der Diskussion in den USA das Thema Sicherheit eine immer wichtigere Rolle. Nach den zynischen Attacken eines Scott McNealy (Sun-Chef) auf „Bedenkenträger“ im vergangenen Jahr hat der Loveletter-Virus im Land der unbegrenzten Möglichkeiten offensichtlich das Bewußtsein für die Bedrohung aus dem Netz verändert. Auch Fiorinas Netz-Vision beinhaltet die entsprechenden Sicherheitslösungen, ohne die ihre digitale Renaissance eben auch nur vorübergehend neue Freiheiten schaffen würde. Es war aber auch ein Vertreter des US-Wirtschaftsministeriums, der sich die IT-Sicherheit massiv auf die Fahne geschrieben hatte. John S. Tritak wiederholte dabei fast wörtlich die Thesen, die auch der deutsche Branchenverband Bitkom erst vergangene Woche auf der Systems aufgestellt hatte: Die Nutzer müssen ein Bewußtsein für die potentiellen Risiken entwickeln, die wachsenden Abhängigkeiten der vernetzten Welt erhöhen deren Verletzbarkeit und die IT-Sicherheit ist Chefsache. „Ohne ausreichende Investitionen in IT-Sicherheit“, so ist Tritak sicher, „droht uns über kurz oder lang ein digitales Pearls Harbour – oder eine digitale Exxon Valdez.“
Jens D. Billerbeck

 

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