Mobilfunk 14.05.1999, 17:21 Uhr

Citynetz-Betreiber ringen um Mobilfunk-Lizenzen

Noch bevor die Bonner Regulierungsbehörde klare Rahmenbedingungen für die Vergabe von UMTS-Lizenzen festgelegt hat, fordern die regionalen Anbieter, daß auch sie in den Genuß dieser Zukunftstechnik kommen.

Den 21. Juni haben sich schon einige Telekommunikations-Experten rot im Kalender angestrichen. An diesem Termin tagt nämlich der Beirat der Regulierungsbehörde zum Thema UMTS (Universal Mobile Telecommunication System). Die Eckwerte für künftige Lizenzen der dritten Mobilfunk-Generation sollen dann klarer gezogen werden. Schließlich sollen diese Lizenzen bis Ende dieses Jahres vergeben werden – soviel steht fest. Wahrscheinlich scheint auch, daß sie versteigert werden. Doch ansonsten, so ist aus der Bonner Behörde zu hören, sei der Abstimmungsprozeß noch sehr offen. Und immer wieder wird beteuert: „Wir sind uns der Bedeutung von UMTS bewußt.“
Die Technik, soviel ist klar, wird im nächsten Jahrtausend stückchenweise den bisherigen digitalen Mobilfunk GSM (Global System of Mobilcommunication) ablösen. UMTS verspricht höhere Frequenzeffektivität und Bandbreite. Mit Übertragungsraten bis zu 2 Mbit/s lassen sich nicht nur Internetdienste sondern auch Videos übers Handy realisieren. „UMTS“, so erklärt es Holger Morbitzer, Mitglied der Geschäftsführung bei Scientific Consulting, „ist GSM und etwas mehr.“ Allerdings, so vermutet der Berater, dürften auch die Preise für die wahren Multimedia-Dienste über UMTS rund 20- bis 100fach höher liegen als für Sprachanwendungen. „Die UMTS-Lizenzen ermöglichen neuen Netzbetreibern, in den stark wachsenden Mobilfunk- und mobilen Internetmarkt einzusteigen“, betont Morbitzer mit Blick auf die neuen Kunden seines Unternehmens: sechs regionale Netzbetreiber – Isis, Netcologne, VEW Telnet, Hansenet, EWE Tel und Tesion.
Denn schon im Vorfeld aller Lizenzierungsbemühungen in der Bonner Regulierungsbehörde schlagen die Stadtnetz-Betreiber Alarm. Sie fürchten, von Zukunftstechniken ausgeschlossen zu werden. Bestimmte Festnetzdienste würden künftig durch Mobilfunk ersetzt, es werde nahtlose Nutzungsübergänge zwischen beiden Systemen geben. „Wenn wir keinen Zutritt zu UMTS bekommen, dann werden wir vollständig von Konvergenz-Produkten ausgeschlossen, jenen Services also, die den Mobilfunk mit dem Festnetz vereinen“, erklärte Isis-Chef Horst Schäfers letzte Woche in Düsseldorf. Nur wenn regionale UMTS-Lizenzen vergeben würden, könnten auch die kleinen Anbieter weiter am Markt partizipieren, betonten alle sechs Anbieter.
Neben der Konvergenz sind den Citynetzanbietern mühsam auch andere breitbandige Dienstangebote zu entlocken. Volker von Essen, Leiter Netzplanung bei der Hansenet, will z. B. Lokalkolorit in die Dienste bringen. „Wie wäre es mit aktuellen Bildern von starkbefahrenen Kreuzungen auf dem Handy?“ Werner Hanf, Geschäftsführer von Netcologne, hat weitere Ideen parat: Das Kino-Programm mit kleinen filmischen Anreißern auf dem Mobiltelefon oder der elektronische Reisebegleiter mit Daten und Bildern zu Einkaufsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten. Die Liste ließe sich sicher fortsetzen, doch Hanf genügt sie so schon: „Auch die großen Anbieter können Ihnen bislang wenig von den Diensten in UMTS erzählen.“
Ohnehin hält Berater Morbitzer die Vorschußlorbeeren in Sachen Multimedia, die UMTS jetzt schon von der Fachwelt erhält, für übertrieben. Schon Mitte nächsten Jahres habe T-Mobil GPRS, die paketvermittelnde Weiterentwicklung von GSM, flächendeckend eingeführt und damit die Möglichkeit geschaffen, bundesweit Daten mit einer Rate von rund 100 kbit/s mobil zu übertragen. Auf Basis von GPRS werde der britische Mobilfunkbetreiber Orange schon bald eine erste Video-Kamera vorstellen.
Vom ursprünglich geplanten globalen Standard sei man weit entfernt – vielmehr entstehe eine Art Familienkonzept, das in den USA anders aussähe als in Europa. (Siehe VDI nachrichten Nr. 14 vom 9. April 99). „UMTS ist damit sachlich kein neuer Markt“, erklärt der Berater, „sondern eine Weiterentwicklung.“ Hersteller und Vertriebswege dürften die gleichen sein wie bei GSM, die D-Netzbetreiber wie Mannesmann Mobilfunk und T-Mobil würden mit den neuen Frequenzen ihre Kapazitätsprobleme lösen.
Die Citynetzbetreiber sind sich einig: „Wir haben ein Oligopol und keine freie Mobilfunkgesellschaft“, hieß es in Düsseldorf. Schon heute dominierten einige wenige das Geschäft rund um die Handys. Gehe es nach den bisherigen Vorschlägen der Regulierungsbehörde, dann, so fürchten Netcologne, Isis & Co., dürfte das auch weiterhin so bleiben.
Im Sinne „eines funktionsfähigen und chancengleichen Marktes“ plädieren sie nachdrücklich für eine Ausschreibung und gegen eine Versteigerung der Lizenzen. Bei einer Versteigerung, da ist sich Isis-Chef Schäfers sicher, werden die jetzigen Big-Player alles bezahlen. Neueinsteiger dagegen müßten tief in die Tasche greifen, rechnet Berater Morbitzer vor. Allein für die UMTS-Ausrüstung von Ballungsgebieten kalkuliert Scientific Consulting Investitionen in Höhe von 3 Mrd. DM, die Lizenzkosten könnten bei einer Versteigerung 1 Mrd. DM und mehr kosten.
Zuviel für die kleinen Anbieter, soviel steht fest. Doch eine klar abgesteckte Marschrichtung konnten auch die sechs in Düsseldorf versammelten Citynetz-Anbieter nicht verkünden. Ob man im Notfall versuche, gemeinsam eine Lizenz zu ersteigern? Wohl kaum. Zunächst solle eine Studie von Scientific erstellt werden, ein Business-Plan soll Details klären, und vor allem möchten sich die sechs in der Politik mehr Gehör verschaffen.
Von UMTS machen die Stadtnetzbetreiber ihr Überleben abhängig. „Bundesweit haben die City-Carrier bereits 28 Mrd. DM investiert und damit 50 000 Arbeitsplätze geschaffen“, erklärt Bernd Kögler von der Isis. „Soll das nun alles auf Spiel gesetzt werden?“ Technologie, Innovation und Services könnten nur voranschreiten, wenn möglichst viele Spieler am Markt beteiligt sind.
Im Beirat der Regulierungsbehörde könnten schon einige das Ansinnen der regionalen Anbieter verstehen, heißt es leise. Nun wolle man die Zeit nutzen, um weiter aufzuklären. Hanf ist optimistisch: „Die Politik ist nicht immer allen vernünftigen Argumenten gegenüber verschlossen.“
REGINE BÖNSCH
Mit Hilfe von UMTS wollen die neuen Netzbetreiber in die rasch wachsenden Mobilfunk- und Internet-Märkte einsteigen. Ab 2000 rechnen Experten mit immer mehr Konvergenz-Produkten.
Multimedia auf mobilen Geräten, das versprechen UMTS-Freunde. Die Industrie hat bereits Design-Studien auf der CeBIT präsentiert.

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