Messen 29.02.2008, 19:33 Uhr

CeBIT: Plattform für Visionen und Projekte  

„Nirgendwo auf der Welt ist ähnlich viel ITK-Kompetenz versammelt.“

Scheer: Ziel der neuen CeBIT ist es, das Angebot nicht mehr nur nach Ausstellern zu ordnen, sondern vor allem nach Lösungen. Das leistet die CeBIT 2008 mit ihrer neuen Struktur, die sich an den Kernthemen der Branche orientiert. Für die Aussteller bedeutet das ein Umdenken: Es gibt Unternehmen, die nun zu unterschiedlichen Themen gleich in mehreren Hallen präsent sind – mit jeweils kleineren Ständen. Das ist eindeutig ein Plus für die Messegäste. Darüber hinaus leisten die einzelnen Aussteller ihre Beiträge, um interaktiv auf die Bedürfnisse der Besucher einzugehen. Dafür gibt es aber kein Musterkonzept, das zu allen passt.

VDI nachrichten: Dabei soll sich die CeBIT ja als „Plattform für Wissenstransfer“ beweisen, fordern Sie. Wie soll das konkret aussehen?

Scheer: Wichtig ist der Austausch unter den führenden Leuten der Branche. Für sie ist die CeBIT die bedeutendste Plattform, um Erfahrungen, Projekte und Visionen zu diskutieren. Ein hochkarätiges Kongress- und Tagungsprogramm ist dafür genau richtig. Es geht aus unserer Sicht nicht in erster Linie um klassische Fortbildungsangebote, sondern um den richtigen Rahmen für Diskussionen auf der Ebene der Top-entscheider.

VDI nachrichten: Der Bitkom betont, dass sich Fachbesucher auf der CeBIT „auf hohem Niveau“ informieren können. Ist sie eine reine Spezialistenmesse geworden, mit der viele Firmenchefs nichts mehr anfangen können?

Scheer: Mit dem hohen Niveau meinen wir, dass die Aussteller ihre besten Leute auf die Stände schicken. Es ist nicht übertrieben festzustellen, dass nirgendwo auf der Welt ähnlich viel ITK-Kompetenz an einem Ort versammelt ist wie auf der CeBIT. Diese Kompetenz können die Messebesucher abrufen. Dass die Hightechbranche auch die Sprache ihrer Kunden sprechen muss, haben die meisten Unternehmen in den letzten Jahren gelernt.

Wichtig ist uns, dass die Messe für die verschiedenen Zielgruppen attraktiv bleibt: die Entscheider, die Spezialisten und auch eine hightechinteressierte Öffentlichkeit. Natürlich ist die CeBIT in erster Linie eine Fachmesse. Etwa fünf von sechs Messegästen sind Fachbesucher.

Für Firmenchefs ist die CeBIT als Plattform für Abschlüsse und Kontakte wichtig. Gleichermaßen haben die Leiter technischer Abteilungen die Gelegenheit, sich auf der Fachebene zu informieren.

VDI nachrichten: Dabei können sie sich ja auch über das Topthema informieren, „Green IT“. Ist das aus der Sicht des Bitkom nur ein aktueller Trend oder sehen Sie die Bereitschaft, langfristig und nachhaltig zum Klimaschutz beizutragen?

Scheer: Es ist ein langfristiger Trend im besten Sinne. Es gibt ihn nicht erst, seitdem das Stichwort „Green IT“ populär ist. Die ITK-Branche ist für rund 2 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, leistet aber etwa 6 % der weltweiten Wertschöpfung. Die Energieeffizienz ist also um den Faktor drei besser als der Schnitt durch alle Branchen. Hier sind die Produktionsstätten eingerechnet – und ein solcher Wert ist schon mal nicht schlecht.

Seit Jahren verbessern wir bereits unsere Produkte. Heutige Mehrprozessorkerne in Chips sind wahre Energiesparer im Vergleich zu herkömmlichen Einprozessorkernen. Und die Material- effizienz der Geräte hat sich unglaublich verbessert.

Vergleichen Sie Größe, Gewicht, Akkudauer und Funktionsumfang eines heutigen Handys oder Notebooks mit einem zehn Jahre alten Gerät.

IT ist eben nicht nur ein großer Energieverbraucher, sondern gleichermaßen ein wesentlicher Faktor, um Energie zu sparen – quer durch alle Branchen.

VDI nachrichten: Ein weiteres angesagtes Thema der Messe ist Security. Wie definiert sich der Bitkom in der emotional geführten Sicherheitsdebatte, etwa in Sachen Onlinedurchsuchungen?

Scheer: Wenn durch Onlinedurchsuchungen Terroranschläge verhindert werden können, dann können wir sie nicht grundsätzlich ablehnen. Die Netzbetreiber und Provider wollen hier im Interesse der ganzen Gesellschaft ein verlässlicher Partner sein. Aber es darf dabei – und auch bei anderen Wünschen des Staates – nicht generell darum gehen, möglichst viele Daten potenziell Verdächtiger zu erfassen.

Unsere Maxime ist: So viel Sicherheitsaufwand wie nötig, so viel Privatsphäre wie möglich.

Wir wünschen uns, dass der Gesetzgeber genau prüft, was einen echten Gewinn bringt für die Verhinderung oder Verfolgung schwerer Straftaten. Dieses absolut nötige Maß müssen wir in einer sachlichen und praxisorientierten Diskussion finden.

SVEN HANSEL

 

Ein Beitrag von:

  • Sven Hansel

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