CeBIT 2009 06.03.2009, 19:39 Uhr

CeBIT: Fast wie auf einer Olympiade  

Schönreden mochte die derzeitige Krise keiner der Redner auf der Eröffnung der Computer- und Telekommunikationsmesse. Aber einig waren sie sich darin, dass Investitionen in Bildung, Innovationen und Informationstechnik Wege aus der Krise weisen. Die Krisenbewältigungstechnologien seien verfügbar. Nachfolgend einige Aussagen aus den Reden. VDI nachrichten, Hannover, 6. 3. 09, rus

Arnold Schwarzenegger, Gouverneur des CeBIT-Partnerlandes Kalifornien, sorgte gleich zu Beginn seines Auftritts für Heiterkeit: „Man fühlt sich hier fast wie auf einer Olympiade“, rief er den Gästen bei der CeBIT-Eröffnung am Montag zu, „nur gibt es hier weniger Muskeln, dafür mehr Schlipse.“ Großes Lob zollte der einstige Terminator der Bundeskanzlerin: „Man bewundert Sie auf der ganzen Welt, nicht zuletzt wegen Ihres Engagements für den Klimaschutz.“

In Deutschland, so Schwarzenegger, habe er zwar nur zwei Jahre gelebt, aber diese Jahre hätten ihn vieles über Disziplin und Arbeitsethik gelehrt und ihm nicht nur bei seiner Bodybuilder-Karriere, sondern auch später in Hollywood geholfen.

Schwarzenegger: „Ich habe damals aber nicht einmal im Traum daran gedacht, dass ich als Gouverneur von Kalifornien mit den 50 wichtigsten Hightech-Firmen meines Staates zurückkehren würde.“

Auf die Budgetkrise im „Golden State“ ging der „Gouvernator“ mit keinem Wort ein, seine Devise angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise lautet: „Steh auf, fordere dich und andere auf, noch härter zu arbeiten und nutze die Krise. Das ist es, was Gewinner tun. Wenn die Welt nichts über deine Produkte weiß, wie willst du sie dann verkaufen?“

Schwarzenegger ist überzeugt: „Für Technologieunternehmen ist die CeBIT der Platz, wo man sein muss. Und die Technologie ist unser bester Partner bei allen Problemen, die es derzeit zu lösen gilt.“

Kalifornien sei als achtgrößte Volkswirtschaft der Welt ein Land, wo Hightech und Unterhaltung eine einmalige Symbiose eingegangen seien. „Erfinden, erneuern, kreativ sein – das macht unseren Bundesstaat aus.“

Diesen Geist des positiven Blicks in die Zukunft verkörperte Schwarzenegger wie kein anderer Eröffnungsredner. Angst vor der Zukunft ist seine Sache nicht. Sein Bekenntnis jederzeit gerne wieder nach Deutschland zu kommen, schloss er mit den Worten des Terminators an die Adresse der Kanzlerin: „I“ll be back. Hasta la vista, Baby¿“

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte prompt: „Sie dürfen wiederkommen, Herr Gouverneur“, erklärte sie mit einem Lächeln in Richtung Arnold Schwarzenegger. Doch nicht nur der Kalifornier, sondern auch die versammelte Branche scheint auf die Bundeskanzlerin zu vertrauen und begrüßte sie mit tosendem Applaus. „Ich bin der festen Überzeugung, dass gerade die wirtschaftlich schwierige Situation Anlass für unser Land sein sollte, sich auf seine Stärken zu besinnen“, verkündete Merkel. Deutschland könne gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Die CeBIT ist nach Aussage der Kanzlerin gerade in schwierigen Zeiten von großer Bedeutung: Hier sei der Platz, an dem über neueste Entwicklungen diskutiert, wo Netzwerke gebildet würden. „Vom Internet der Dinge über die Gesundheitskarte bis hin zu sicheren IT-Strukturen – wir müssen unsere Chancen nutzen“, sagte die Kanzlerin und ergänzte: „Wir als Bundesregierung glauben an diese Techniken.“ Daher bildeten die IT- und Telekommunikationstechniken auch einen der Schwerpunkte des Konjunkturpakets II.

„Wir wollen bis 2010 in Deutschland flächendeckend über Breitbandanschlüsse verfügen“, bekräftige die Kanzlerin. Früher – als Eisenbahnschienen, Wasser und Strom verlegt wurden – hätte das der Staat getan. Heute obliege der Politik nur die Aufgabe, Anreize zu schaffen.

Und dann wurde die Kanzlerin leidenschaftlich: „Es gibt Frequenzen im Überfluss“, so die Physikerin. „Die digitale Dividende, die mit den freiwerdenden TV-Frequenzen zur Disposition steht, muss in Richtung Breitband gehen.“

Merkel forderte Kabel-, Festnetz- und Mobilfunkbetreiber auf, sich gemeinsam zu einigen. Im Gegenzug solle die Frequenzvergabe beschleunigt werden. „Wir müssen hier zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung kommen.“

Craig Barrett, Aufsichtsratschef des weltweit größten Chipherstellers Intel, bestätigte sowohl der Staatslenkerin Angela Merkel wie der Messe CeBIT, im Wettstreit um globale Spitzenpositionen auf dem richtigen Weg zu sein. „Die Innovationsmaschine funktioniert noch, man sieht es“, jubelte Barrett.

Den Kostendrückern und Zauderern in Krisenzeiten schrieb der „Elder Statesman“ der Halbleiterbranche deftige Erkenntnisse ins Stammbuch: „Man kann sich aus einer Rezession nicht heraussparen, man muss sich aus einer Rezession herausinvestieren. Die Technologie verlangsamt sich nie. Wenn man sich als einzelnes Unternehmen der Innovationsdampfwalze der Technologie in den Weg stellt, wird man überrollt.“

Dies, so Barrett, gelte auch für Regierungen: „Investieren in die Zukunft, investieren in langfristige Entwicklungen ist angesagt. Regierungen, die das tun, werden erfolgreich sein.“ Die Regierungen müssten sich darauf konzentrieren zu investieren, in Innovationen und Forschung, in die Ideen und Konzepte, die nötig seien für das 21. Jahrhundert.

Die Investition vor allem in Menschen rückte Barrett an die vorderste Position: „Intelligente Menschen mit intelligenten Ideen sind unschlagbar, und das ist genau das, was Sie auf dieser CeBIT sehen werden.“ Diese Messe sei einer jener Orte, wo, zu so düsteren wirtschaftlichen Zeiten wie den jetzigen, man ein sehr gutes Gefühl bekomme in Bezug auf die Zukunft und die Technologie.

Für die Industrieländer, so Barretts These, seien im globalen Konkurrenzkampf drei Dinge wichtig, um konkurrenzfähig zu sein:

Erstens die Investitionen in Bildung und Ausbildungen, in neue Ideen für die Zukunft.

Zweitens müssten die Regierungen in neue Ideen für die Zukunft investieren.“Das ist das Saatkorn für die Zukunft.“

Drittens obliege es den Regierungen, das richtige Umfeld zu schaffen, damit Leute ihre Ideen auch entwickeln und umsetzen können.

August-Wilhelm Scheer, Präsident des Bitkom, des deutschen Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, mahnte: „Wir sollten nicht den Fehler machen, die Wirtschaftslage schönzureden.“ Aber Passivität und Klagelieder sind seiner Meinung nach völlig fehl am Platze, sogar kontraproduktiv.

„In unserer dynamischen Branche brauchen wir tüchtige Unternehmer und Manager“, beschwor Scheer Unternehmergeist und Risikobereitschaft. Das diesjährige CeBIT-Partnerland Kalifornien sei Deutschland ein gutes Vorbild in Sachen Innovation und Erfolg.

Scheer ließ gedanklich den kalifornischen Unternehmergeist wieder aufleben, als Weltunternehmen wie Hewlett Packard ihren Aufstieg in der heimischen Garage begannen: „Unternehmen unserer Branche werden nicht in Herrenhäusern gegründet, sondern in Garagen.“

Zwar könne sich Deutschland in Sachen Zusammenwirken von Elite-Unis, Venture Capital und Hightech-Unternehmen nicht mit Kalifornien vergleichen, verstecken brauche man sich aber auch nicht.

„Die Exzellenzinitiative ist auf dem richtigen Weg. Die Hightech-Strategie von Ministerin Schavan hat vieles in Bewegung gesetzt und Deutschland verfügt über eine gute Forschungsinfrastruktur“, meint Scheer.

Verbandspräsident Scheer lobte auch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung, meinte jedoch zu Bundeskanzlerin Merkel: „Wir wünschen uns, dass Sie noch eine Schippe drauflegen.“

Schulausstattungen, Gesundheitskarte, digitaler Behördenfunk, E-Government – das alles könnte Scheer zufolge entschiedener vorangetrieben werden. „Das alles bringt Deutschland einen großen Schritt voran in die digitale Welt.“ Und die ITK-Branche erhalte dadurch mehr Aufträge. jdb/rb/swe/pek

 

Ein Beitrag von:

  • Jens D. Billerbeck

    Jens D. Billerbeck

    Leiter Content Management im VDI Verlag. Studierte Elektrotechnik in Duisburg und arbeitet seit seiner Schulzeit jounalistisch. Nach Volontariat und Studienabschluss Redakteur der VDI nachrichten u. a. für Mikroelektronik, Hard- und Software, digitale Medien und mehr.

  • Peter Kellerhoff

    Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

  • Regine Bönsch

    Regine Bönsch

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Telekommunikation, Mobilfunk, Automobilelektronik, autonomes Fahren, E-Mobilität, Smart Home, KI, Datenschutz/IT-Sicherheit, Reportagen

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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