SCHNELLEs Internet für alle 06.11.2013, 10:17 Uhr

Bundesweiter Netzausbau kostet 20 bis 90 Milliarden Euro

Union und SPD wollen in einer großen Koalition das Datennetz massiv ausbauen und jeden Haushalt ans schnelle Internet anschließen. Die Frage ist allerdings, wie das bezahlt wird: Laut TÜV Rheinland kostet eine flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Kabeln zwischen 20 und 90 Milliarden Euro.

Techniker an einem Schaltkasten der Deutschen Telekom: Union und SPD wollen im Fall einer Großen Koalition das schnelle Breitbandnetz in Deutschland massiv ausbauen.

Techniker an einem Schaltkasten der Deutschen Telekom: Union und SPD wollen im Fall einer Großen Koalition das schnelle Breitbandnetz in Deutschland massiv ausbauen.

Foto: Deutsche Telekom

Schon im kommenden Jahr sollen drei Viertel aller deutschen Haushalte mit Kabeln versorgt sein, die eine Leistung von mindestens 50 MBit pro Sekunde haben. Das ist das kurzfristige Ziel, dass sich CDU/CSU und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen gesetzt haben. Erreichen wollen sie dieses Ziel unter anderem mit massiver Finanzhilfe vom Bund und einem Sonderprogramm der Förderbank KfW, in dem Privatpersonen Anleihen für den Breitbandausbau erwerben können, die stattliche Rendite abwerfen sollen.

Noch sind die Details dieser Pläne nicht klar. Sicher ist allerdings, dass die bis 2018 vorgesehene flächendeckende Versorgung enorm viel Geld kosten wird. Der TÜV Rheinland hat in einer Studie für das Bundeswirtschaftsministerium errechnet, dass mindestens 20 Milliarden Euro aufgewendet werden müssen, um auch noch den letzten entlegenen Haushalt mit leistungsstarkem Kabel auszustatten. Würde man alle Haushalte an Glasfaserkabel anschließen, schnellten die Kosten auf bis zu 90 Milliarden Euro hoch, so der TÜV.

Überbrückung der letzten Meter per Funk

Ein flächendeckendes Glasfasernetz ist deshalb kaum realistisch. Wahrscheinlich werden viele Hausanschlüsse weiterhin über Kupferkabel mit der Hauptleitung verbunden. Allein der Bund wird aber das nicht finanzieren können. Die wahrscheinlich künftigen Koalitionsparteien konnten sich bislang nur darauf einigen, eine Milliarde Euro zusätzlich für den Ausbau bereitzustellen.

Die Experten des TÜV Rheinland empfehlen einen Technikmix, der neben Galsfaserkabeln etwa auch die LTE-Funktechnik einbezieht, über die die „letzten Meter“ zum Haus überbrückt werden. Dafür aber müssten die entsprechenden Funkzellen ebenfalls verstärkt werden. Dies ist nach Ansicht des TÜV technisch machbar und auch wirtschaftlich sinnvoll, denn allein der Kabelanschluss für die fünf Prozent entlegensten Haushalte würde rund acht Milliarden Euro kosten.

Internet-Kapazitäten werden knapp: Noch mehr Leistung notwendig

Derweil zeichnet sich ab, dass die Übertragungsraten von 50 MBit/s in absehbarer Zeit schon nicht mehr ausreichen werden. Die immer weiter wachsenden Datenmengen machen nach Ansicht viele Experten schon in einigen Jahren Leistungen von 300 MBit/s notwendig. In Nordrhein-Westfalen und einigen anderen Regionen können Netzkunden bereits heute mit bis zu 150 MBit/s surfen.

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