Daten für alle 15.08.2013, 12:26 Uhr

Bürger entwickeln praktische Lösungen aus öffentlichen Behördendaten

Wenn Datensammlungen von Behörden und Ämtern öffentlich gemacht werden (Open Data), können private Programmierer daraus innovative Lösungen schaffen. Mehrere Open-Data-Projekte sorgen in der EU mittels Bürgerbeteiligung für Innovationen.

Prof. Ina Schieferdecker vom Berliner Fraunhofer-Institut Fokus und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich servten im März 2013 auf der Cebit im Datenportal Govdata.

Prof. Ina Schieferdecker vom Berliner Fraunhofer-Institut Fokus und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich servten im März 2013 auf der Cebit im Datenportal Govdata.

Foto: Fraunhofer Fokus

Amsterdam kämpft mit abgestellten Fahrrädern, Paris leidet unter Lärm und Berlin will den Stromverbrauch senken. Findige Programmierer, engagierte Bürger und die Datenschätze der öffentlichen Verwaltungen sollen dabei helfen. Behörden- und Verwaltungsdaten wurden mit Steuermitteln erhoben und sollten daher der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, so der Leitgedanke von Open Data. Für jedermann frei zugängliche Daten erhöhen die Transparenz politischer Entscheidungen und erzeugen neue Geschäftsmodelle.

Öffentliche Daten präsentiert das Portal govdata.de

Das hat auch die Bundesregierung erkannt und startete im Februar 2013 ihr Open-Data-Portal www.govdata.de. Damit stehe man im internationalen Vergleich nicht schlecht da, meinte die zuständige Referatsleiterin des Bundesinnenministeriums Uta Dauke anlässlich des Berliner „Open Data Day“. Laut einer Studie der Open Knowledge Foundation belegt Deutschland im Ländervergleich von 60 Staaten den elften Platz. Inzwischen habe man die anfänglichen 1100 Datensätze verdreifacht.

„Wir haben sehr von den Berliner Erfahrungen lernen können“, sagte Dauke, denn Berlin sei „absoluter Vorreiter für diese Bewegung“. Das Berliner Open-Data-Portal nahm 2011 seinen Betrieb auf. Seitdem veranstaltet der Berliner Senat gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) dazu jährlich eine Tagung.

Aktuell seien rund 250 Datensätze abrufbar, sagte Wolfgang Both, Leiter der Open-Data-Arbeitsgemeinschaft des Berliner Senats. Kürzlich habe man den Entwicklerwettbewerb Energy-Hack durchgeführt, berichtete er, bei dem auf der Basis von Open Data zur Berliner Stromversorgung Software entwickelt werden sollte. Herausgekommen ist beispielsweise ein Energotchi, ein verspieltes Softwaremodell nach dem Vorbild des Tamagotchi, das seine Stimmung nach dem gemessenen Stromverbrauch im Haushalt richtet. Andere Teilnehmer entwickelten einen Stadtplan, der den Stromverbrauch der einzelnen Stadtteile live anzeigt.

Bereits 2010 gründeten Helsinki, Berlin, Amsterdam, Paris, Rom, Barcelona und Bologna das Projekt Open Cities, um mit EU-Hilfe Innovationsvorhaben voranzutreiben. Den Partnerstädten steht ein Budget von 5,8 Mio. € zur Verfügung. Neben Berlin stellten auch andere Städte Open-Data-Ergebnisse vor.

Noam Bercovici von der Bonner Firma Ontopica berichtete von einem Projekt in Paris, das die Lärmbelastung reduzieren soll. Dazu holte man eine französische Bürgerinitiative mit ins Boot, die sich für Lärmreduzierung einsetzt. Verschiedene Lärmkategorien wie Verkehrs- und Baustellenlärm wurden identifiziert und eine Art Lärmatlas stellt Lärmschwerpunkte dar.

App meldet Schäden in den Straßen von Amsterdam

Für Amsterdam bilden alte Fahrräder ein Problem, so Katalin Gallyas von der Amsterdamer Wirtschaftsbehörde. „Amsterdam hat 800 000 Einwohner, von denen jeder zwei bis drei Fahrräder besitzt“, sagte sie im Gespräch mit den VDI nachrichten. Wenn die nicht mehr gebraucht werden, würden sie einfach stehen gelassen und blockierten die sowieso schon knappen Stellplätze, so Gallyas. Daher habe die Stadtverwaltung einen Programmier- und Ideenwettbewerb gestartet, bei dem z. B. erkennbar aufgegebene Fahrräder zur Abholung durch die Stadt gemeldet werden können. Ein anderes Problem bildeten Straßenschäden. Um diese zu melden, seien eigene Apps entwickelt worden, erzählte Gallyas.

Amsterdam stellt laut Gallyas 300 Datensätze zur Verfügung und damit mehr als Berlin. Spitzenreiter sei Helsinki mit rund 1000 Datensätzen, die noch dazu in Absprache mit Entwicklern aufbereitet würden. Gallyas sagt: „Helsinki ist der Open-Data-Gott.“

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