Mobilfunk 15.12.2000, 17:27 Uhr

Bündelfunk-Techniken vor dem Durchbruch

Mit 850 Teilnehmern aus 40 Ländern zeigte der Tetra- Weltkongress in Rom, dass der professionelle Mobilfunk seine Marktnische verlässt. Die Anbieter feilen an der Technik.

Die Anbieter professioneller Mobilfunksysteme und Services hatten es in der Vergangenheit schwer, ihre Kunden zu halten. Veraltete analoge Netzinfrastrukturen, unhandliche Geräte und fehlender Service im Bündelfunk waren für manchen Nutzer gute Gründe, sich bei den Anbietern von GSM-Diensten nach Alternativen umzusehen. Künftig wollen die so genannten Public-Mobile-Radio-(PMR)Betreiber jedoch nicht länger hinter der Konkurrenz aus den privaten Mobilfunknetzen zurückstehen: Funktionen wie SMS und Internetzugriff über ein WAP-Gateway sollen den bisher wenig verwöhnten Nutzern von Betriebs- und Bündelfunksystemen schon bald für die jahrelange Wartezeit auf ein digitales Nachfolgesystem entschädigen.
Sie alle rechnen nicht nur mit dem Ersatzbedarf für die analogen Systeme in Unternehmen und Behörden für Ordnung und Sicherheit, sondern hoffen auch auf die Wiedergewinnung verlorener Kunden aus dem GSM-Lager und sogar auf das Neukundengeschäft. Bis zum Jahre 2004 soll das Marktvolumen von heute 2,5 Mrd. Euro auf 10 Mrd. Euro steigen. Verglichen mit dem GSM-Boom sieht das prognostizierte Wachstum zwar eher bescheiden aus, ist aber für Infrastruktur-Anbieter dennoch attraktiv.
Insgesamt 70 Unternehmen und Institutionen aller Welt haben sich im Tetra Mou (Memorandum of Understanding) Association zusammengefunden. Von Alcatel, Ascom über British Telecom und Detewe bis hin zu Marconi, Motorola, Nokia, Rhode Schwarz und auch Siemens waren in Rom alle namhaften Lieferanten von Basisstationen und Software vertreten.
Inzwischen wissen alle Beteiligten im professionellen Mobilfunk, dass sie sich eine weitere Verunsicherung ihrer Kunden nicht mehr leisten können. „Die Zukunft lässt es nicht zu, dass wir uns in Polemik verzetteln“, kommentiert Herbert Kaysen, Geschäftsführer der Dolphin Telecom GmbH in Köln, die Fehler der Vergangenheit bei der Diskussion um Standards im Europäischen Gremium Etsi. Die Diskussion um die Akzeptanz von Standards habe der Entwicklung des Marktes in der Vergangenheit sehr geschadet. Sowohl die Behörden für Ordnung und Sicherheit, zu denen z. B. die Polizeien der Länder gehören, als auch die Nutzer in der freien Wirtschaft haben Investitionen für das Aufrüsten der Funksysteme soweit wie möglich hinausgezögert oder sind ins GSM-Lager gewechselt.
300 000 Kunden nutzen derzeit in Deutschland den analogen Bündelfunk. In diesem Segment besitzt Dolphin Telecom inzwischen die Mehrzahl aller Lizenzen. Dolphin-Geschäftsführer Kaysen sieht hohe Marktpotentiale für die Anbieter von PMR-Services: „Von den rund 38 Mio. Beschäftigten in Deutschland seien immerhin 10,9 Mio. mobile Mitarbeiter der Unternehmen“, zitiert Kaysen die Marktforscher von Arthur D. Little. Und rund 4,7 Mio. dieser mobilen Mitarbeiter benötigten für ihre Arbeit Funktionen im Mobilfunk, die heute nur von den PMR-Dienstleistern angeboten würden. Ahmed Tidjani Matti, Customer Solution Manager beim schwedischen Anbieter Ericsson, rechnet allein in Europa mit 8 Mio. Teilnehmern im PMR-Segment.
Jetzt geht es, so Kaysen, „vor allem um den zügigen Aufbau der Infrastruktur für digitale Dienste und die Migration von alter zu neuer Technologie“. Dolphin Telecom investiert bis zum Jahr 2001 in Deutschland rund 1 Mrd. DM in den Aufbau des digitalen Funknetzes nach dem Tetra-Standard und will im Sommer nächsten Jahres die ersten Dienste auf digitaler Basis anbieten. In Verbindung mit den Tetra-Netzen anderer europäischer Dolphin-Gesellschaften in Großbritannien, Benelux, Frankreich, Spanien und Portugal soll dem Kunden dann ein europaweites Angebot professioneller Funkdienste geboten werden.
Und weil die vielen professionellen Nutzer von Mobilfunkdiensten keine homogene Gruppe sind, sehen gleich mehrere Anbieter eine Chance, mit neuen Diensten auf der Basis unterschiedlicher Technologien Geld zu verdienen. Neben der in Rom vertretenen Tetra-Fraktion reicht das Spektrum dabei von Tetrapol über GSM, GSM Pro bis zu neuen Angeboten wie DIIS (Digital Interchange of Information and Signalling). Sogar die totgesagten Pagerdienste sollen nach den Vorstellungen des Berliner Unternehmen Emessage die Profi-Funkdienste ergänzen.
Die zunehmende Auswahl an Lösungsmöglichkeiten im professionellen Mobilfunk verändert die Situation des Anwenders. Er muss sich nicht nur zwischen unterschiedlichen Technologien, sondern auch zwischen Geschäftsmodellen entscheiden. „Heute müssen die Nutzer ihre Anforderungen klar und detailliert niederschreiben“, fordert AEG-Manager Hartmut Hipp. Besonders bei der Definition der Aufgaben und der Entwicklung der Dienste ist der Nutzer gefordert. Er komme nicht umhin, sich mit den technischen Möglichkeiten und Konsequenzen intensiv zu beschäftigen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das eröffnet künftig auch Beratern ein neues breites Betätigungsfeld. DOROTHEA WENDELN

Ein Beitrag von:

  • Dorothea Wendeln

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