Mobilfunk 24.03.2006, 18:43 Uhr

Breitband aus der Luft sorgt für Goldgräberstimmung  

VDI nachrichten, Berlin/ Hannover, 24. 3. 06, rb – Während Analysten die Wimax-Euphorie für Deutschland dämpfen, gingen bei der Bundesnetzagentur 900 Anträge für die ausgeschriebenen Wimax-Frequenzen landauf, landab ein. Einige Unternehmen, die derzeit Wimax testen, kritisieren jedoch das ausgeschriebene Spektrum als unattraktiv.

Schon erstaunlich: Bis Ende Februar gingen bei der Bundesnetzagentur 900 Anträge für die Frequenzzuteilung des Breitbandturbos Wimax ein. Er kann drahtlos die letzte Meile ins Büro oder Wohnzimmer überwinden und gilt damit als vielversprechender DSL-Ersatz. „Momentan erleben wir für Wimax eine regelrechte Goldgräberstimmung“, sagt Jan Wittek, Wimax-Experte bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney in Düsseldorf.

Laut Branchenexperten bewarben sich rund 100 Unternehmen um Frequenzen in einzelnen Regionen, davon neun sogar für bundesweite Frequenzen. Dazu zählen z. B. die T-Com, die Festnetztochter der Deutschen Telekom, aber auch Wimax-Provider wie die Deutschen Breitband Dienste (DBD) und die Betreibergesellschaft Wibeg Communications.

Die Wimax-Frequenzen wurden von der Bundesnetzagentur im 3,5-GHz-Band ausgeschrieben. Laut Rudolf Boll, Sprecher bei der Bundesnetzagentur, sollen sie noch in diesem Jahr vergeben werden. Da nur ein knapp bemessenes Spektrum von der Bundesnetzagentur freigegeben wurde, können sich maximal drei Bewerber ein Gebiet teilen.

Deshalb müssen sich die Bewerber in Gebieten, in denen sich Ausbauwünsche häufen, untereinander einigen. „Ein hoher Koordinationsaufwand für alle Beteiligten“, kommentiert Wittek von A.T. Kearney das Vergabeverfahren. Kommt es zu keiner Einigung, sind sich Branchenexperten sicher, dass es eine Versteigerung des Frequenzspektrums geben wird.

Davon geht auch Fabio Zoffi aus. Der DBD-Chef aus Heidelberg hat bereits „27 Wimax-Netze bundesweit“. „On air“ sind u. a. Königswinter, Heidelberg und Berlin. Zoffi nutzt dazu alte Funkfrequenzen (Wireless-Local-Loop), die Ende der 90er Jahre von der Regulierungsbehörde versteigert wurden und im gleichen Frequenzspektrum wie Wimax liegen. Damit kann Zoffi „rund 25 % der Bundesrepublik abdecken“.

Mit der kürzlichen Kapitalspritze in dreistelliger Millionenhöhe von Wimax-Treiber Intel will Zoffi den Ausbau seiner Infrastruktur forcieren. „Dresden und Leipzig stehen auf dem Plan, in Berlin werden wir in den nächsten drei Monaten 100 Basisstationen haben“, erläutert der Venezianer seine ehrgeizigen Pläne. Rund 1 Mio. Haushalte will er Ende 2006 erreichen und strebt bis dahin 100 000 zahlende Wimax-Kunden an.

„Mehr als 1000 Gebiete mit einem Radius von 5 km sind in der Bundesrepublik nicht mit DSL versorgt“, rechnet auch Jan van Oosterum von der Bielefelder Wibeg Communications vor. In Gebieten wie Köln, rund um Nürnberg, Dresden, aber auch Städten im gesamten Taunus und in Rheinland-Pfalz sieht van Oosterum große Chancen für Wimax. Wie Zoffi hat er sich um eine bundesweite Lizenz „im Auftrag eines niederländischen Telekommunikationsunternehmens“ beworben.

„Bürgermeister sprechen mit uns, die ihr Bauland ohne Breitbandinfrastruktur nicht mehr verkaufen können“, nennt der Wimax-Manager nur einen der Beweggründe, warum der Breitbandturbo auf breite Akzeptanz stoße und für Anbieter wie Wibeg Communications ein lohnendes Geschäft bedeuten kann. Dabei reichten für Privatkunden durchaus Übertragungsraten von bis zu 1 Mbit/s zum Herunterladen von Daten, so van Oosterum.

Doch Analysten warnen vor überzogenen Erwartungen an den drahtlosen DSL-Ersatz, gerade was die Versorgung der Bevölkerung hierzulande anbelangt. „Der Business Case für Wimax ist schwierig aufgrund der noch teuren Technik und des hohen Wettbewerbsdrucks durch andere Breitbandtechnologien“, sagt Wimax-Experte Jan Wittek von A.T. Kearney aus Düsseldorf.

Die Basisstationen seien mit 100 000 € zu teuer. Sein Fazit: „Wimax wird sich angesichts der Konkurrenz von ADSL, Glasfaser, Kabel und HSDPA nur in wenigen ausgewählten Gebieten etablieren.“ Für andere europäische Länder, aber auch Russland, Indien oder China ohne kabelgebundene Technik und ausgebaute Mobilfunkinfrastruktur sei Wimax jedoch durchaus attraktiv.

Das Telekommunikationsunternehmen Arcor testet die „zukunftsweisende Technologie“, so Arcor-Chef Harald Stöber, in der Innenstadt von Kaiserslautern. Doch in dicht bevölkerten Gebieten reiche das von der Bundesnetzagentur angebotene Frequenzspektrum nicht aus, um vielen Nutzern mehr als 1 Mbit/s zu bieten.

„Das von der Bundesnetzagentur zur Verfügung gestellte Frequenzband ist zu schmal. Das Spektrum ist nur ein Drittel so groß wie etwa das in Österreich“, so Stöber. Das sei jetzt schon viel zu knapp, um hierzulande mit anderen Breitbandangeboten zu konkurrieren. „Wer mit dem jetzigen Frequenzband die Übertragungsraten mit Wimax von bis zu 6 Mbit/s haben will, der muss die Basisstationen so engmaschig bauen, dass man gleich Kupferkabel legen kann“, kommentiert Stöber. Schließlich müssen auch die Basisstationen angebunden werden.

Abwarten heißt es momentan für die 100 Unternehmen. Wer sich wo für das knappe Frequenzgut beworben hat, zeigt sich erst in den nächsten Wochen. Dann gehen Branchenexperten davon aus, dass ein reger Spektrumshandel um Frequenzen „unter der Hand“ losgehen wird.

NIKOLA WOHLLAIB/RB

Von Nikola Wohllaib/Regine Bönsch
Von Nikola Wohllaib/Regine Bönsch

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