Informationstechnologie 28.06.2002, 18:20 Uhr

Bioinformatiker – der Job an der Schnittstelle

Nach einer Studie von Cap Gemini Ernst & Young besteht ein massiver Bedarf an Bioinformatikern. Die Hochschulen können ihn nicht decken, denn erst im letzten Jahr sind entsprechende Studiengänge in großer Zahl gestartet.

Der Engpass bei der Verfügbarkeit qualifizierter Forscher könnte in der Bioinformatik zum Hemmnis für die weitere Entwicklung der Unternehmen im deutschsprachigen Raum werden”, warnt Matthias Ledig, Projektleiter beim Beratungsunternehmen Cap Gemini Ernst & Young, Berlin. Der Markt für Biotechnologie boomt seines Erachtens. Und da die Ermittlung, Speicherung, Analyse und Auswertung von DNA-Sequenzdaten (Desoxyribonukleinsäure) zum Standardrepertoire eines jeden Biotech-Anbieters gehört, wächst auch die Nachfrage nach entsprechenden Bioinformatik-Produkten und -Dienstleistungen.
Laut der jüngsten Studie von Cap Gemini Ernst & Young dürfte dieser spezielle Markt an der Schnittstelle zwischen Life Sciences (Biologie, Chemie und Pharmazie) und Informatik bis 2005 pro Jahr im Mittel um 20 % bis 25 % wachsen. Die Nachfrage nach qualifizierten Bioinformatikern steigt demnach noch schneller: Die deutschen Unternehmen, die heute nach dieser Erhebung rund 530 Bioinformatiker beschäftigen, dürften in den nächsten zwei Jahren 700 zusätzliche Kräfte einstellen. Die Folge: „Bioinformatiker sind künftig auf dem Arbeitsmarkt gefragt, was sich auch in ihren überdurchschnittlichen Gehältern widerspiegeln wird“, so Ledig.
Vor allem Bioinformatik-Spezialisten, wie die Branchengrößen Lion Bioscience in Heidelberg, und Biomax Informatics in Martinsried haben Bedarf, aber auch große IT-Konzerne wie IBM und Compaq, die in diesen boomenden Markt eingegriffen haben. 500 der 700 neuen Arbeitsplätze könnten insgesamt auf Anbieterseite geschaffen werden. Bei reinen Softwareentwicklern im Bioinformatik-Umfeld ist der Personalmangel dabei am größten, gefolgt von Dienstleistern, die entweder eigene oder fremde Software vertreiben. Lion und Biomax beispielsweise sind Service-Unternehmen mit eigenentwickelter Software.
Das Datenmanagement sowie die Datenauswertung und -integration zählt der Experte von Cap Gemini zum Rückgrat eines jeden Biotechnologie-Unternehmens. Nur maximal 15 % der Bioinformatiker in Deutschland haben ihren Arbeitsplatz hingegen bei einem Biotech-Unternehmen. „Solches Spezialwissen ist bei uns weniger gefordert, unsere Forscher müssen mit der Informationstechnologie arbeiten“, erklärt etwa Claudia Gutjahr-Löser, Sprecherin bei Morphosys in Martinsried.
Vier von fünf Unternehmen – auf Anbieter- wie auf Anwenderseite – beklagen gegenüber Cap Gemini Ernst & Young den Mangel an Bioinformatikern in Deutschland. „Wir besetzen viele Stellen mit Quereinsteigern aus der Biologie, Physik oder Chemie, weil es kaum echte Bioinformatiker mit Berufserfahrung gibt”, bestätigt Lion-Personalleiter Yves Guillermet. Knapp die Hälfte der 250 Mitarbeiter am Standort Heidelberg ist mit Datenbank- und Softwareentwicklung beschäftigt. Doch nur zwischen 30 und 50 „gelernte“ Bioinformatiker sind darunter. „Der Pool der qualifizierten Spezialisten ist sehr eng“, bestätigt Stephen Soehnlein, Sprecher von Biomax, die nach eigenen Aussagen rund 90 Mitarbeiter auf Bioinformatiker-Stellen beschäftigen.
Die Gründe für den akuten Nachwuchsmangel sind den Unternehmen durchaus bekannt: „Es handelt sich um eine sehr junge Disziplin, an den Unis hat eine Ausbildung bis vor kurzem kaum existiert“, weiß Guillermet. Bis vor zwei Jahren gab es lediglich drei Bioinformatik-Studiengänge in Bielefeld, Halle und Tübingen. „Dann hat die Politik bei diesem Forschungszweig auf die Versäumnisse reagiert“, erklärt Cap-Gemini-Experte Ledig. „Binnen kürzester Zeit wurden bemerkenswerte Möglichkeiten zur universitären Ausbildung in der Bioinformatik aufgebaut.“ Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) haben dafür Fördergelder locker gemacht.
Nach Meinung von Ledig geschah dies zu stark, denn nun gebe es „ein fast unüberschaubares Angebot an Studiengängen, Nebenfächern und Aufbaustudien an Universitäten und Fachhochschulen“. Die Experten befürchten nun schon wieder eine Bioinformatiker-Schwemme: So viele Bioinformatiker, wie Deutschland mit den begonnenen Studiengängen produzieren kann, brauche man nicht wirklich. Cap Gemini Ernst & Young mahnt stattdessen eine Verstärkung der nicht-akademischen Ausbildung an, die bislang noch gar nicht existiert.
Guillermet freut die Fülle der neuen Studiengänge indes, denn der Hochschulabsolventen-Mangel dürfte seiner Meinung nach in zwei bis drei Jahren behoben sein: Dann sind die ersten Abgänger von den Unis und Fachhochschulen zu erwarten, die im letzten Jahr wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. SABINE KOLL

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