Industrielles Internet 24.07.2013, 13:52 Uhr

Big Data birgt Potential für große Effizienzgewinne

General Electric (GE) setzt auf die Vernetzung der industriellen Welt und prognostiziert enorme Vorteile. Das verdeutlichte der Konzern kürzlich bei der Vorstellung einer Studie zum „Industrial Internet“.

GE-Chef Immelt: In London erläuterte er, wie Datenanalyse nach dem Konzept des "Industrial Internet" das Wachstum im gesamten Konzern vorantreibt.

GE-Chef Immelt: In London erläuterte er, wie Datenanalyse nach dem Konzept des "Industrial Internet" das Wachstum im gesamten Konzern vorantreibt.

Foto: General Electric

Die Nutzung großer Datenmengen in der Industrie – auch als „Big Data“ bezeichnet – soll zu einer Revolution in der Produktivität führen. Auf der Veranstaltung „Minds and Machines Europe“ in der Londoner Battersea Power Station beschrieb Jeff Immelt, der Chef von General Electric, wie eine Kombination von Werkstoffkunde und Datenanalyse das Wachstum des eigenen Konzerns in allen Bereichen vorantreibt. Führende Vertreter der Wirtschaft, Technik und Wissenschaft aus Europa und Nordamerika diskutierten dort mit ihm über die Konsequenzen des „Industrial Internet“.

Allein im Jahre 2012 konnte der US-Elektrokonzern nach Immelts Aussagen 45 Mrd. $ seines Umsatzes durch den Einsatz von Analytiklösungen für die Automatisierung von Prozessen, Leistungsoptimierung, Verringerung von Ausfallzeiten und Vorhersage von Maschinenschäden oder Ausfälle bestimmter Bauteile erreichen. „Wir gehen davon aus, dass alle Bereiche der Industrie durch die Vernetzung massive Effizienzgewinne einfahren werden,“ so Immelt.

GE investiert massiv ins industrielle Internet

Auf der Veranstaltung machte das Bild von GE als eine neue Version von „Facebook“ im industriellen Bereich die Runde. Hatte GE lange Zeit den Softwarebereich außer Acht gelassen, so investiert das Unternehmen seit geraumer Zeit erheblich in das industrielle Internet. Dahinter steht die Einsicht, dass Unternehmen ihre Umgebung zunehmend an eine Welt anpassen müssen, die datenzentriert ist sowie Agilität und Reaktionen in Echtzeit voraussetzt.

Vor diesem Hintergrund arbeitet GE mit Pivotal zusammen und verspricht sich davon, schneller neue Analyse-Dienste und Lösungen für die industrielle Internetnutzung zu entwickeln. Die Partnerschaft mit Pivotal soll der Schlüssel für Cloud-gestützte Applikationen und Analysen sein. Zu den Zielbranchen gehören die Luftfahrt und Transportwirtschaft sowie die Energiewirtschaft und das verarbeitenden Gewerbe.

Daneben eröffnete das Unternehmen Anfang 2011 ein neues Entwicklungszentrum für Software im Silicon Valley. Ziel ist es, bis zum Ende dieses Jahres 1000 Daten-Wissenschaftler anzuheuern. „Jedes Industrieunternehmen wird sich in Zukunft vor allem auch auf eine hochwertige Analytik konzentrieren müssen“, betont Immelt.

Im Zuge der Veranstaltung veröffentlichte GE den Report „The Industrial Internet – Pushing the Boundaries of Minds and Machines: A European Perspective“ und weist dabei auf das enorme Potenzial für Europa hin, die das Industrial Internet als globales Datennetzwerk zur Verbindung von Menschen, Maschinen und Daten eröffnet.

Steigt Effizienz um 1 %, wächst das EU-BSP um 2,2 Billionen Euro

Gelänge es, durch die Vernetzung eine Effizienzsteigerung von nur 1 % zu erreichen, so könnte das nach Erhebungen des US-Konzerns bis 2030 zu einem Wachstum des EU-Bruttoinlandsprodukts um rund 2,2 Billionen € führen. Allein für Deutschland könnte die Verwirklichung des Industrial Internet im gleichen Zeitraum zwischen 220 Mrd. € bis 360 Mrd. € zusätzlich zum Bruttoinlandsprodukt beitragen.

Der Chef-Ökonom von GE, Marco Annunziata, wies in London darauf hin, dass das Potenzial des industriellen Internets so groß sei, dass sich die Unternehmen es sich nicht leisten können, es nicht voranzutreiben. Investitionen in F&E, um Teil des Industriellen Internets zu werden, könnten Schlüssel für die Lösung von Europas derzeitigen wirtschaftlichen Problemen sein. Er warnte, dass Europa schon eine Vorgeschichte habe, den Anschluss bei der Übernahme von Technologien zu verpassen. Es hinkte bereits bei der Nutzung der ersten Internet-Revolution hinterher.

Nach Annunziata müsse vor allem die naturwissenschaftliche Grundausbildung in Europa verbessert werden, wenn der Kontinent nicht bei der Adaption des industriellen Internets ebenfalls zurückfallen wolle.

Nach Aussagen des GE-Vorstands hat man erheblich aus den Erfahrungen mit dem „Internet der Konsumenten“ gelernt, dass es nicht zuletzt aufgrund der Ansammlung riesiger persönlicher Datenmengen zu einer Verbesserung der individuellen Produktivität und menschlichen Kommunikation geführt hat. Für die Kunden von GE stellen z. B. die Überwachung und Analyse von Flugzeugen und Zügen massive Produktivitätsgewinne in Aussicht.

„Schon kleine Veränderungen in der Leistung können zu massiven Produktivitäts- und Effizienzgewinnen in der Volkswirtschaft führen“, erläutert Immelt. Nach seinen Aussagen könnte etwas eine Verbesserung des Kraftstoffverbrauchs von Flugtriebwerken um 1 % im Jahr durch eine Datenanalyse in Echtzeit bei den Kunden zu Einsparungen von 2 Mrd. $ führen. Ein Gasmotor, der mit entsprechenden Sensoren ausgestattet ist, die ihre Daten kontinuierlich in das System einspeisen, kann bis zu 32 TB an Daten im Jahr zur Analyse produzieren.

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