Software 08.10.2004, 18:34 Uhr

Bequem durchs Drehkreuz

Berührungslose sind beliebt und das mobile Ticketing per Handy ist schon Realität.

Die Olympischen Spiele und die Paraolympics in Athen sind kaum vergangen und schon denken Sportfans bereits an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Auch Christian Dreyer hat das Großereignis in zwei Jahren schon ins Auge gefasst. „Bis dahin werden zehn Stadien in deutschen Städten neu gebaut sein und wir hoffen, die Hälfte davon mit unseren Zutritts- und Ticketingsystemen ausrüsten zu können“, sagt der Vorstandschef des Salzburger Unternehmens Skidata.
Bei solchen Zutrittsmanagementsystemen, die sein Unternehmen seit 1977 zunächst für Skilifte entwickelte, auf Parkhäuser erweiterte und auch für Stadien bzw. Messegelände anbietet, komme es auf einfache Handhabung, Schnelligkeit und Flexibilität der Software an, erklärt Dreyer. Bei der Fußball-EM in Portugal habe sein Haus die wichtigsten Arenen in Lissabon, Porto, Faro und Leiria mit Zutrittssystemen versehen.
„Rund 700 000 Fußballfans sind sicher und ohne lange Warteschlangen auf ihre Plätze gelangt. Die EM war für unsere Systeme ein Härtetest. Es gab so gut wie keine Staus vor den Eingängen“, sagt Dreyer. Dazu beigetragen habe die einfache Handhabung des Systems. Die Besucher hätten seine Funktion sofort verstanden. So konnte der Zutritt automatisiert und ohne Zeitverzögerung ablaufen. Pro Drehkreuz könnten bis 1200 Personen in jeder Stunde durchgeschleust werden, das schaffe kein anderes System, versichert der Skidata-Chef.
Die Mechanik ist bei Zutritts- und Ticketingsystemen die eine Seite der Medaille, die andere und oft noch wichtigere ist die der Software. Besonders bei einer Großveranstaltung spielt Flexibilität eine große Rolle. „Wenn, wie geschehen, beispielsweise die französische Mannschaft bei der EM vorzeitig ausscheidet, müssen riesige Ticketkontingente nach dem Weiterkommen einer anderen Mannschaft rasch in deren Heimatland übertragen werden“, erklärt Dreyer. Von Land zu Land bzw. von Anbieter zu Anbieter können jedoch die Ticketformate wechseln. Die Ticketingsoftware, die bei Skidata „handshake“ heißt, muss also mit den unterschiedlichen Ticketformaten und Vertriebswegen zurechtkommen. Die Mechanik der Drehkreuze sei relativ leicht in den Griff zu bekommen, aber die Vernetzung der Softwaresysteme sei die eigentliche Herausforderung.
Auch die simpel erscheinenden Tickets können es in sich haben. So gibt es nicht nur Papiertickets mit Magnetstreifen oder Barcode in unterschiedlichen Formaten. Auch berührungslos arbeitende Versionen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, beispielsweise wenn sie in die Ärmel von Skianzügen eingebaut sind und das umständliche Suchen und Hantieren erübrigen. Auch die RFID-Technologie hat vor den Tickets nicht Halt gemacht. Sie sei überhaupt zum ersten Mal bei der Ski-Zutrittskontrolle zur Anwendung gebracht worden, behauptet Dreyer.
Auch das Mobiltelefon kann quasi zum Ticket für Sportstadien werden. So entwickelte Skidata eine Lösung für das mobile Ticketing, bei der der Stadionbesucher über Internet oder WAP ein Ticket bestellt. Dabei wird dem Besucher konkret per Bild-SMS ein spezieller Code auf sein Handy übermittelt, den ein Scanner am Stadioneingang auslesen kann und den Weg durch das Drehkreuz freigibt.
Zukünftig sind noch ganz andere Ticketwege vorstellbar: das Ticketing over Pay-TV. Wenn ein Stadionbesucher die Teilnahme am nächsten Fußballspiel plant, kann er die Karte dafür direkt über eine Pay-TV-Applikation bestellen und damit sein RFID-Ticket zum Eintritt berechtigen. Bis das möglich wird, dürften aber noch ein paar Jahre ins Land gehen
Den weltweiten Markt für derartige Zutritts- und Ticketingsysteme beziffert Dreyer auf 600 Mio € im Jahr. Davon habe Skidata, derzeit mit 450 Mitarbeitern in allen wichtigen Ländern vertreten, allein 100 Mio. € Umsatz im letzten Jahr gemacht und sei daher Marktführer. Seit der Firmengründung 1977 konnte Skidata im Durchschnitt alle fünf bis sechs Jahre den Umsatz verdoppeln. Mit dieser Rate von 12 % bis 13 % werde das Geschäft weitergehen, erwartet Dreyer. Allerdings sei es von Jahr zu Jahr recht unterschiedlich. Verständlich, denn Großereignisse gibt es nicht täglich.mg

  • Manfred Grotelüschen

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