Telekommunikation 17.09.1999, 17:22 Uhr

Bei Call-by-Call-Preisen ist die Luft raus

20 Monate lang überboten sich die neuen Telefongesellschaften jede Woche mit neuen Billigstangeboten. Doch an der Call-by-Call-Preisfront ist Ruhe eingetreten. Kleine Korrekturen, manchmal in Pfennig-Bruchteilen, sollen jetzt die preissensitiven Kunden zurücklocken.

Der Preiskampf in der Telekommunikationsbranche nimmt immer kuriosere Formen an: Da kostet die Gesprächsminute bei Viatel tagsüber 10,25 Pf , bei Talkline nachts 3,9 Pf. Damit, so scheint es, ist die Kreativität der Anbieter aber schon fast erschöpft. Die Unsitte der Mineralölfirmen, Benzinpreise immer mit 0,9 Pf anzugeben, erreicht langsam auch die Telefonierer in Deutschland.
Während sich viele Firmen ihren Anteil am Call-by-Call-Geschäft gesichert wähnen und die Tiefpreise erst einmal ruhen lassen, sprechen Branchenkenner vom nahen Ende des unverbindlichen Wählens am Telefon. Sabine Raiser, ehemals Pressesprecherin bei der von GTS übernommenen Heidelberger Westcom, gibt dem offenen Call-by-Call wenig Chancen: „Die Firmen verdienen kaum noch etwas und müssen der Telekom hohe Abrechnungsgebühren bezahlen.“
4,5 % des Umsatzes und 0,7 Pf pro Gespräch verlangt der Bonner Branchenriese bisher in Zukunft sollen mindestens 80 Pf pro Kunde fällig werden. Da zahlen viele Firmen drauf, denn preisbewußte Call-by-Call-Nutzer verbrauchen manchmal weniger als 40 Pf im Monat bei einzelnen Anbietern.
Klaus Hannappel, Geschäftsführer des Citynetzbetreibers Citykom Münster, glaubt, daß zumindest die Unternehmen, die nur Gesprächsminuten weiterverkaufen und über kein eigenes Netz verfügen, nicht zu beneiden sind. „Wir rechnen noch in diesem Jahr mit dem Aus für eine ganze Reihe von Minutenmaklern“, sagt Hannappel. (Siehe auch Seite 22)

Kunden von vielen Citynetz-Anbietern sind von Call-by-Call ausgeschlossen

Das offene Call-by-Call, bei dem jeder Kunde zwischen einer Vielzahl von Anbietern hin- und herwechseln kann, ist ein deutsches Phänomen. Kein anderes Land kennt diese fünfstelligen Vorwahlnummern für Wettbewerber. Nach der Liberalisierung des Telefonmarktes stellte es die schnellstmögliche Option dar, günstiger zu telefonieren. Doch eine Garantie für niedrige Telefonrechnungen sei auch Call-by-Call nicht, weiß Hannappel. Schließlich stiegen die Preise im Ortsnetz 1998 um durchschnittlich 7 %.
In der Tat fehlt es hier an Wettbewerb, und Ortsgespräche sind inzwischen fast so teuer wie Ferngespräche. Doch auch die neuen Citynetzbetreiber bieten bei Ortsgesprächen keine wirklich attraktiven Tarife. Lange Taktungen, kaum geringere Ortstarife und deutlich teurere Ferngesprächspreise als bei den günstigsten Call-by-Call-Anbietern verführen nicht dazu, der Telekom ade zu sagen.
Bei vielen Citynetzen ist Call-by-Call entgegen dem Willen des Gesetzgebers ausgeschlossen, weil die Netzbetreiber keine Interconnection-Verträge mit den bundesweit agierenden Festnetzfirmen haben: Sonderangebote oder echte Schnäppchenpreise sind dann nicht nutzbar. Und auch die stark gesunkenen Preise für Auslandsgespräche können z. B. beim Kölner Anbieter Netcologne nicht in Anspruch genommen werden.
Kein Wunder, wenn da auch Vieltelefonierer wie Freiberufler und Mittelständler zögern und weiter bei der Telekom bleiben. Die bietet seit kurzem mit AktivPlus für monatlich 9,90 DM rundum sehr günstige Preise im Orts- und Fernbereich, die die Newcomer oft nicht unterbieten können. Und die Möglichkeit, ganz nach Bedarf per Call-by-Call für weniger als 20 Pf ins Ausland zu telefonieren, bleibt offen.
Trotz der Abrechnungskosten öffnen immer mehr Firmen ihr Netz für Call-by-Call ohne Anmeldung. Wer sich anmeldet, bekommt aber bei Telepassport zum Beispiel nicht nur eine Rechnung extra, sondern statt des Minutentakts den günstigeren Sekundentakt. Dieser ist aus den Angeboten ohne Anmeldung fast verschwunden. Nur noch Teldafax (Vorwahl 01030) bietet die Sekundentaktung an, die im Schnitt bei jedem Gespräch die Kosten für eine halbe Minute einspart.
Die Wiedereinführung der Minutentaktung hat bei vielen Anbietern die Preise in den letzten Monaten faktisch erhöht. Doch auch neue Tarifstrukturen mit um eine Stunde verlängerten Hochtarifzeiten bis 19.00 Uhr oder 22.00 Uhr (Mobilcom, Talkline, Tele2) verteuern die Telefonate bei unkritischen Kunden, die sich an die Telekom-Umschaltzeiten von 18.00 Uhr und 21.00 Uhr gewöhnt haben. Auf der anderen Seite locken 3U und Interoute mit Tarifen, die abends schon eine Stunde früher attraktiver als bei der Konkurrenz sind.
Richtig kompliziert wird es aber bei Drillisch, die ab 22.00 Uhr den Preisbrecher Otelo um 0,05 Pf unterbieten. Aber nur drei Minuten lang. Danach gilt der Telekom-Minutenpreis von 6 Pf. Die Begründung: Überwiegend würden Kurzgespräche geführt. Vermutlich hat der Drillisch-Vorstand dabei nur an wochentags getrennte Paare gedacht, die sich nicht mehr als einen Gute-Nacht-Gruß zu sagen haben.
Luft scheint im Call-by-Call-Geschäft nur noch bei den Auslandstarifen zu sein. Gespräche in die USA, Großbritannien und selbst nach Australien sind bereits ab 15 Pf bis 16 Pf zu haben. Neue Unterwasserkabel bieten reichlich Kapazität, die ausgelastet werden will. Wenn bereits von 9 Pf für ein Gespräch nach London oder New York die Rede ist, wird das globale Dorf per Telefonkabel Realität: Auslandsgespräche zum Ortstarif statt Ortsgespräche zum Nulltarif. Letzteres hätten sich die Kunden gewiß mehr gewünscht.
F. WEIDELICH
Geld sparen durch fünfstellige Vorwahlen? Bei Auslandsgesprächen rechnet sich Call-by-Call, im Inland sind für Verbraucher die Preisunterschiede zum Branchenriesen Telekom nur noch schwer zu überschauen.

Ein Beitrag von:

  • Friedhelm Weidelich

    Technikjournalist Friedhelm Weidelich schreibt seit vielen Jahren über Verkehrsinfrastruktur, Eisenbahnen und Fahrzeugbau für verschiedene überregionale Zeitungen, Online-Medien und Fachmagazine.

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