Abrüstung im Kinderzimmer 12.10.2001, 17:31 Uhr

Ballerspielen geht“s an den Kragen

Die Terroranschläge in den USA haben Spuren in der Softwareindustrie hinterlassen

Die Bandbreite bei Kinderspielzeug reicht bisher von schlichten Hieben für Diebe in Computerspielen bis hin zur Exekution auf einer Nachbildung des elektrischen Stuhls für das Kinderzimmer. Die Spielzeugindustrie war bisher mit ihren Produkten nicht gerade zimperlich, wenn es um den Nervenkitzel für Kinder und auch Erwachsene ging. Besonders gut verdient hat die Softwarebranche: Ballerspiele wie Doom – zu deutsch Verdammnis – standen jahrelang auf den vorderen Plätzen der Hitliste. Lara Croft, Powerfrau aus dem Spiel Tombraider, konnte sich von der virtuellen Computerheldin sogar zum veritablen Leinwandstar aus Fleisch und Blut weiterentwickeln.

Die Terroranschläge des 11. September und die darauf folgenden Ereignisse haben auch die Welt der Computerspiele verändert: Die bisher für Katastrophenszenarien bevorzugte Kulisse der beiden Türme lässt sich nach dem Attentat nicht mit einem einfachen Reset wieder in den Orginalzustand zurückversetzen, sondern ist real und endgültig zerstört. Die Hersteller von Computerspielen reagieren darauf: Mehrere Softwareunternehmen kündigten an, Spiele mit gewaltsamen Inhalten oder einem Bezug zu New York zurückzuziehen und geplante Veröffentlichungen zu verschieben.

So werden in der nächsten Version des Microsoft-Flugsimulators die beiden Türme des World Trade Centers in New York fehlen. „Wir sind genauso schockiert wie jeder andere auch“, sagte Microsoft-Sprecher Matt Pilla zu der Entscheidung. Auch soll sich die Auslieferung der ursprünglich für Herbst geplanten nächsten Version wegen der Anschläge in New York und Washington verzögern.

Das Unternehmen Activision verschob die Veröffentlichung von „Spider Man 2“ auf unbestimmte Zeit – einen Tag, bevor das Spiel für die Playstation in den Läden stehen sollte. Darin kämpft der Superheld Spider Man zwischen den Zwillingstürmen des World Trade Centers gegen Bösewichte. Eine überarbeitete Version werde noch vor Weihnachten herausgebracht, so Activision-Präsident Ron Doornink. Ubi Soft Entertainment kündigte an, es werde „Tom Clancy“s Rogue Spear: Black Thorn“ später herausbringen als geplant.

Zuvor sollten Szenen herausgenommen werden, die den Terroranschlägen in New York und Washington ähnelten. Ein anderes Problem stellt sich dem Unternehmen Electronic Arts: Es brachte vor mehr als einem Jahr das Spiel „Red Alert 2“ heraus und wählte für die Verpackung ein Bild der brennenden Skyline von New York. Unternehmenssprecherin Trudy Muller erklärte, den Händlern werde jetzt angeboten, die alte Verpackung gegen eine neue auszutauschen. Das Spiel werde nicht verändert. Electronic Arts zog „Majestic“ zurück, ein Spiel um Sabotage und Mord, das im Internet ausgetragen wird.

Nach einer vom Institut für Jugendforschung (IFU) in München veröffentlichten Studie besitzen 57 % aller Familien mit Kindern zwischen 6 und 14 Jahren einen Computer. Und eine Studie der Universität Hamburg stellt fest, dass dass unter den Achtjährigen 12,1 % der Jungen und 4,7 % der Mädchen den Computer als Lieblingsspielzeug nannten: Bei den Neunjährigen sind es bereits 20,9 % der Jungen und 9,4 % der Mädchen und unter den Zehnjährigen ziehen schon 45,1 % der Jungen und 10,3 % der Mädchen die Spiele am PC anderen Möglichkeiten der Beschäftigung vor. Bis dato überwiegen Gewaltspiele, fanden die Jugendforscher bei der Umfrage heraus. Vor allem Jungen bis zu zehn Jahren vertreiben sich gern mit so genannten „Jump and Run“ oder „Ballerspielen“ die Zeit. Dabei kommt es vor allem auf Reaktionsgeschwindigkeit der meist jungen Spieler an. Ältere Kinder entschieden sich auch mal für Spiele, die strategisches Denken fordern.

Doch auch renommierte Spielzeughersteller sind betroffen. Der dänische Spielzeugkonzern Lego hat seinen Bausatz „Alpha Team“ weltweit aus dem Handel genommen, weil die Gebrauchsanweisung als Anleitung zu Terroraktionen missverstanden werden kann. Wie Lego-Sprecherin Eva Lykkegaard am Donnerstag in Billund mitteilte, seien alle Händler aufgefordert worden, die Kästen aus ihrem Sortiment zu nehmen und zurückzuschicken. Ausgelöst hat die Rückrufaktion nach Angaben von Lego ein Kunde in den USA, der sich über Hinweise im Beiheft zu einem Großangriff der „bösen“ Ogel-Figuren auf eine Stadt erbost hatte. Illustriert wurden sie mit einer an New York erinnernden Skyline. „Es tut uns nach den Terrorangriffen in den USA besonders leid, dass in unserem Sortiment so was aufgetaucht ist“, sagte Lykkegaard. Lego vertrete generell das Prinzip, dass es in seinen Produkten keine Aufforderungen zu gewalttätigen Handlungen geben dürfe.
DOROTHEA WENDELN

Von Dorothea Wendeln
Von Dorothea Wendeln

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