E-Business 19.10.2001, 17:31 Uhr

Automatisierer wollen individuelles E-Business

Am 1. November wird der herstellerübergreifende Marktplatz Vertacross.com geschlossen. Damit verabschiedet sich Siemens von dem Geschäftsmodell, in das auch andere Firmen der Automatisierungsbranche investieren sollten. Die Produktanbieter verfolgen nun unterschiedliche Strategien.

Umsätze in Milliardenhöhe schienen sicher: Mit großen Erwartungen startete am 1. April 2000 der offene Marktplatz für Automatisierungsprodukte Vertacross.com. Durch eine Auswahl an Produkten unterschiedlicher Anbieter sollte die 100 %ige Siemens-Tochter einen großen Marktanteil im Business-to-Business (B2B) Marktsegment erobern. Von dem damals für das Jahr 2004 geschätzten Umsatzvolumen von weltweit
7 Mrd. Euro, wollte das Unternehmen einen Anteil zwischen 15 % und 20 % für sich gewinnen. Zudem sollten weitere Investoren für den Marktplatz gefunden werden, um das Konzept des unabhängigen Automatisierungsmarktplatzes zu unterstreichen.

Etwa ein Jahr später, zur Hannover Messe 2001 präsentierten neben Siemens auch Fraba, Mitsubishi Electric, Moeller, Pepperl + Fuchs sowie Weidmüller ihre Produkte auf der Internet-Plattform der Siemens-Tochter. Darüber hinaus hatten weitere Unternehmen aus der Branche ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet. Trotz wachsender Zahl an Meldungen über Pleiten von Online-Unternehmen in den USA, blieb man bei Vertacross gelassen und war überzeugt die Ziele des festgelegten Business-Planes zu erreichen.

Eineinhalb Jahre nach dem Start kommt nun das Aus – noch bevor sich Vertacross als Handelsplattform etablieren konnte: Siemens begründet die Maßnahme mit der gegenwärtigen Zurückhaltung von Herstellern, Kunden und Investoren, in offene Marktplätze wie Vertacross zu investieren. So sei auch das Gründungsziel, weitere Finanzgeber zu finden, nicht erreicht worden, erklärte Johannes Feldmayer, als Vorstandsmitglied von Siemens A&D für das E-Business verantwortlich.

Als weiteren Grund für das frühe Ende nennt Thomas Hellerich, Geschäftsführer von Vertacross, den gewählten Zeitpunkt. So seien die internen Prozesse von potentiellen Produktanbietern derzeit noch nicht durchgängig auf das E-Business ausgerichtet.

Dennoch gibt es positive Trends: Bei Siemens sieht man zur Zeit ein zunehmendes Interesse an individuellen E-Business-Lösungen. Aus diesem Grund konzentriert Siemens Automation & Drives (A&D) die Aktivitäten der Tochtergesellschaft Vertacross in Zukunft auf das Dienstleistungsgeschäft. „Das neue Angebot von Vertacross als E-Business Service Provider wird unseren Kunden helfen, Prozesskosten bei Beschaffung und Vertrieb zu reduzieren,“ erläutert Feldmayer. Die Aktivitäten von Vertacross werden dazu auf
Siemens A&D übertragen und der Online-Marktplatz Vertacross wird zum
1. November 2001 aufgelöst. Damit sind die auf dem Internet-Marktplatz vertretenen Produktanbieter wieder auf sich gestellt. Um einige Erfahrungen reicher, optimieren die beteiligten Unternehmen nun ihre E-Business-Konzepte.

„Die hohen Kosteneinschätzungen für den Betrieb von Online-Marktplätzen haben sich bewahrheitet,“ erklärt Christian Manzei, Marketingfachmann bei Mitsubishi Electric in Ratingen. Unter solchen Gegebenheiten werde man in absehbarer Zeit auch keine eigene Internet-Handelsplattform aufbauen. Ziel von Mitsubishi sei es dagegen, Händler und Distributoren verstärkt in die eigenen Warenwirtschaftssysteme einzubinden, so Christian Manzei.

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch der Elektro-/Elektronikkonzern Moeller, Bonn, nach der Beendigung seiner Vertacross-Aktivitäten. „Wir werden uns nun verstärkt auf das E-Procurement konzentrieren und das E-Business für bestehende Geschäftskontakte ausbauen,“ sagt Wolfgang Weber, Projektmanager für E-Business bei Moeller. Der Aufbau eines eigenen Marktplatzes sei aufgrund der hohen Investitionsvolumina kein Thema für das Unternehmen Moeller. Dennoch sieht Wolfgang Weber großes Potential im Handel über elektronische Medien: „E-Business ist ein Werkzeug, mit dem sich Geschäftsprozesse effektiver gestalten lassen.“ Allerdings sei in diesem Geschäft Geduld gefragt. „E-Business-Projekte benötigen länger, um den Return of Investment zu erreichen.“ Durch die Zusammenarbeit, z.B. mit Application Service Providern (ASP) oder Anbietern von Internet-Auktionen, könne der eigene finanzielle Aufwand jedoch reduziert werden.

Für die Jetter AG war die Teilnahme bei Vertacross.com von vornherein kein Thema. „Nachdem wir uns intensiv damit beschäftigt hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass unsere Produkte zu beratungsintensiv sind und deshalb nicht über das Internet vertrieben werden sollen,“ sagt Martin Jetter, Vorstandsvorsitzender der Jetter AG. Man setze dagegen beim Vertrieb von Automatisierungslösungen auf individuelle Beratung und Betreuung. „Für das Ersatzteilgeschäft könnte das Internet-Geschäft dagegen sinnvoll sein,“ findet Martin Jetter.                       

Stellt sich die Frage nach dem Resumee dieser „Vertacross-Expedition“. Beteiligte E-Business-Fachleute äußern ihre Enttäuschung über das plötzliche Aus, schließlich war von Anfang an klar, dass frühestens in 2004 schwarze Zahlen geschrieben würden. Ist das Interesse, eigene Internet-Marktplätze für Automatisierungstechnik aufzubauen zum jetzigen Zeitpunkt gering oder gar nicht vorhanden?

Während kleinere Unternehmen von eigenen Internet-Marktplätzen Abstand nehmen, zeigt der Ausbau des Internet-Marktplatzes A&D-Mall, dass das Großunternehmen Siemens weiterhin auf den Vertriebskanal Internet setzt. Seit fünf Jahren bietet Siemens A&D Produktinformationen im Internet an. Heute sind 80 000 Produkte im Online-Angebot zu finden. Gegenüber den reinen Produktkatalogen aus der Anfangszeit können die Produkte auf dem Internet-Marktplatz heute Online konfiguriert und direkt bestellt werden. MARTIN CIUPEK

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