Aufruhr im Netz 07.04.2013, 08:00 Uhr

Ausgelesen: Google gibt den Reader auf – doch es gibt Alternativen

Der Google Reader, mit dem man automatisiert aktuelle Nachrichten verfolgen kann, wird Mitte des Jahres eingestellt. Betroffene Nutzer sind aufgebracht: Auch viele Apps, die mit dem Reader verknüpft sind, werden dann nicht mehr funktionieren. Doch es gibt genügend Alternativen.

Google schaltet den Reader ab – Nutzer protestieren im Netz.

Google schaltet den Reader ab – Nutzer protestieren im Netz.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Da Googles Reader auch für Entwickler offen war, gibt es zahlreiche Apps, die auf dem Reader basieren. Sie werden, so der jetzige Stand, ab dem 1. Juli, wenn Google den Reader abschaltet, nicht mehr funktionieren. Ein Aufschrei der Entrüstung geht deshalb durchs Netz. Längst gibt es Protestseiten mit Unterschriftenlisten, mit denen Google aufgefordert wird, den Reader weiterzuführen. Google hat das abgelehnt: Man wolle sich auf weniger Produkte konzentrieren.

Googles Reader ist besonders beliebt

Der Reader ist so beliebt, weil er sich besonders individuell nutzen lässt. Basis der Informationen sind RSS- und Atom-Feeds, in denen Kurzinformationen zu Seiteninhalten zusammengefasst werden und die sich abonnieren lassen. Dann werden die Zusammenfassungen im regelmäßigen Intervall ausgelesen und gesammelt in einem Fenster angezeigt. So erübrigt sich der regelmäßige Aufruf der Lieblingsseiten, um zu sehen, wo sich etwas Neues tut. Der Anwender trifft stattdessen einmal die Auswahl der gewünschten Seiten. Hierfür nimmt er die Adressen der Feeds – meist mit einem quadratischen orangenen Symbol oder als „RSS“ auf der Webseite gekennzeichnet – in seinen Reader auf.

Der Google Reader bietet eine einfache, individuelle Suchfunktion für Nachrichten. Am 1. Juli wird die Software abgeschaltet. Doch es gibt genügend Alternativen.

Der Google Reader bietet eine einfache, individuelle Suchfunktion für Nachrichten. Am 1. Juli wird die Software abgeschaltet. Doch es gibt genügend Alternativen.

Foto: Raymond Wiseman

Bei der Präsentation, Archivierung und Distribution der gesammelten Informationen entscheidet dann die Qualität des Feed-Readers über die Effektivität der Lösung. Der Google Reader nimmt mit seinen zahlreichen Einstellungen, seinen verschiedenen Ansichtsvarianten und Verwaltungsfunktionen, eine herausgehobene Stellung ein, die vor allem bei professionellen Nutzern sehr beliebt sind. Hierzu zählt unter anderem die Möglichkeit, Meldungen direkt vom Reader aus per empfehlenden Mausklick an Soziale Netzwerke weiterzuleiten.

Andererseits lassen die persönlichen Empfehlungen, mit denen man bei Facebook und Twitter informiert wird, die Bedeutung von automatischen Feeds schwinden. Die Auswahl der richtigen Kontakte, deren Informationsfluss man in diesem sozialen Netzen folgt, erweist sich einerseits als weniger statisch als die Auswahl der Webseiten. Andererseits ist dies ein veritabler Filter in der Informationsflut. Hier liegt auch ein maßgebliches Argument für Googles Entscheidung, den hauseigenen Reader einzustellen.

Es gibt viele gute Alternativen

Tatsächlich aber bieten sich zahlreiche Alternativen, mit denen sich der Google Reader nicht erst am 1. Juli – dem Tag seiner Abschaltung – ersetzen lässt. Da ist beispielsweise Feedly, das als potentieller Thronfolger gehandelt wird, beispielsweise von der Technologie-Fachzeitschrift t3n. Feedly vermeldet aktuell, dass bereits 3 Millionen Nutzer des Google Readers gewechselt haben. Dem Ansturm zeigt sich Feedly gerecht mit neuen App-Versionen für iOS und Android und üppigen Entwicklungen, die beispielsweise in Zukunft das Suchen von Inhalten beschleunigen und erleichtern.

Wer sich nicht umgewöhnen will, der findet im „The Old Reader“ einen Feed-Reader, der sich in Aussehen und Funktion an Googles Reader-Veteran orientiert. Andere Feed-Reader sind Newsblur, der lernen kann, was der Besitzer lesen will, allerdings bei intensiver Nutzung Geld kostet.

Zur Wahl stehen auch NetVibes, das die Brücke zu den Sozialen Netzen schlägt, und Pulse im Magazin-Stil, das eine Importfunktion für die im Google Reader gesammelten Feedquellen bietet. Allerdings sind nicht alle Reader auch für jede Plattform verfügbar. Das gilt auch für den Reeder nur für Apples Produkte (Mac OS X und iOS), wobei die aktuellen Versionen für Mac und iPad ab sofort kostenfrei sind und es bis zum Erscheinen von Reeder 2.0 auch bleiben sollen.

Umstieg nicht bis zum letzten Tag aufschieben

Tatsächlich ist es empfehlenswert, mit dem Umstieg nicht bis zum 30. Juni zu warte, sondern schon jetzt die Alternativen zu ergründen und vor allem, die gespeicherten Daten zu sichern, damit sie nicht mit dem Verschwinden des Google Readers verloren gehen.

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