Die Lösung klingt so einfach 23.11.2001, 17:31 Uhr

Auf der Suche nach dem Schlüssel für die Handybörse

Offene Bezahlverfahren, an denen Banken, Mobilfunker und Diensteanbieter beteiligt sind, gelten als das Erfolgsrezept für den M-Commerce. Doch von gemeinsamen Strategien dieser mächtigen Player kann nicht die Rede sein. Dabei könnte, was zurzeit auf Kosten der Sicherheit und zu Lasten der Verbraucher geht, dem Mobilfunk einen echten Kick geben.

Zugegeben, den Hype hat es nicht gegeben“, attestiert Bettina Horster dem M-Commerce. Doch das Thema sei lange nicht so tot, wie es zurzeit in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Horster muss es wissen, schließlich ist sie Vorsitzende des Arbeitskreises M-Commerce im Internetverband Eco.

Die Prognosen für den M-Commerce jedenfalls sind vielversprechend: So erwartet z.B. die Yankee-Group im Jahr 2006 ein Marktvolumen von 50 Mrd. Dollar allein in Europa. Voraussetzung dafür ist, dass mit dem Handy nicht nur telefoniert wird, sondern dass es künftig auch Geldbörse, Überweisungsformular oder Kreditkarte ersetzt.

Drei Anwendungsgruppen des M-Commerce hat die Yankee-Group ausgemacht: die Nutzung kostenpflichtiger Dienste im Mobilfunk wie das Laden von Musik auf das Handy oder Location based Services, die Bezahlung per Handy in der „echten Welt“, z.B. im Geschäft oder am Parkautomaten, sowie die Bezahlung von E-Commerce-Leistungen als Alternative zu anderen Bezahlverfahren. Die Bedeutung ist immens: M-Commerce ist eine „strategische Waffe“, um den Erfolg der nächsten Mobilfunk-Generation zu sichern, so IDC-Auguren.

Von der Massenanwendung ist jedoch das Bezahlen im Web-Shop oder im Supermarkt per Handy noch weit entfernt. „Natürlich gibt es Systeme von Paybox oder Visa, die hierfür geeignet sind“, erklärt Ben Donelly, Analyst bei Frost & Sullivan. Der Haken: Jedes Bezahlverfahren ist technisch anders und, so Donelly, „typischerweise wird eine Registrierung vorausgesetzt“.

Für die Kunden bedeutet dies, nicht spontan einkaufen und per Handy bezahlen zu können, sondern sich grundsätzlich für ein Bezahlverfahren entscheiden zu müssen. Das können sie dann wiederum nur in ausgewählten Shops nutzen.

Doch auch die Entwickler von Diensten stehen vor großen Problemen: „Eine neue Anwendung muss erst für jedes Bezahlverfahren angepasst werden“, weiß Analyst Donelly. Das bedeute einen unnötig hohen Entwicklungsaufwand und fördert kaum die Entstehung ideenreicher Start-ups, die den Markt mit immer neuen Services versorgen könnten.

Fakt ist: Im M-Commerce treffen unterschiedliche Interessen von mächtigen Playern aufeinander. Banken, Kreditkartengesellschaften, Netzbetreiber, Infrastruktur- und Gerätehersteller, Diensteentwickler – sie alle suchen nach ihrer Rolle im mobilen Bezahlprozess und fürchten vor allem eins: Über Kooperationen und Datenaustausch den exklusiven Kontakt zum Kunden zu verlieren.

Das hat Folgen, wie Werner Hartwick, M-Commerce Experte bei der Ratinger Eutelis, weiß: „Solange es nicht möglich ist, die verschiedenen Marktteilnehmer an einen Tisch zu bringen, ist kein sicheres System drin.“ Es müsse daher dringend nach einer einheitlichen Plattform gesucht werden.

„Eine wichtige Voraussetzung dafür sind offene Schnittstellen – zunächst für Micropayment“, erläutert Stefan Schneiders, bei Siemens verantwortlich für die Paymentgroup. In dieser Gruppe haben sich u. a. Siemens und Hewlett Packard sowie einige auf M-Commerce spezialisierte Start-ups zusammengetan, „um eine Schnittstelle zu definieren, die einen standardisierten Zugang von mobilen Services zu Payment-Funktionen erlaubt“, verdeutlicht Phil Cooke, Chef Technology Officer bei Anwendungsentwickler Digital Bridges.

Technisch soll es mit Hilfe dieser Schnittstelle möglich sein, dass mobile Dienste unabhängig von den unterschiedlichen Systemen der Banken oder Mobilfunkanbieter angeboten und nach verschiedenen Modellen abgerechnet werden können. „Das System muss also offen sein und vor allem in Hinblick auf die Endkunden vertrauenswürdig und ohne langwierige Registrierung zu nutzen sein“, so Cooke.

Die Vision: „Die Kunden sollen weltweit bezahlen können ohne sich Gedanken machen zu müssen, ob sie bei der richtigen Bank oder dem richtigen Provider sind, damit sie zum Beispiel in Rom ihre Pizza mit ihrer deutschen Mobilfunkkarte bezahlen können“, so Schneiders. Schon in Kürze soll das technische Konzept vorgestellt werden.

Technisch möglich – und vor allem wünschenswert – sei ein solches Modell durchaus, meint Frost&Sullivan-Analyst Donelly. Er sieht die Hauptschwierigkeit darin, alle Beteiligten einzubinden. Das zeigt auch die nächste Woche in Frankfurt stattfindende M-Commerce-World, bei der zwar Telekommunikations- und IT-Experten diskutieren – Banker dagegen fehlen.

Sie agieren in eigenen Gruppierungen wie z. B. die Kreditkartenanbieter im Mobil Payment Forum. Hartwick hat allein acht verschiedene Allianzen rund um den M-Commerce ausgemacht. Sie reichen von Signaturspezialisten über Banker und Mobilfunker bis hin zu E-Commerce-Spezialisten. „Falsche Euphorie“, so Hartwick, „ist im Mobile Commerce fehl am Platz.“ Glaubt man seiner ernüchternden Anlyse, so wird es noch Jahre dauern, bis sich die verschiedenen Player einigen. „Vielleicht“, so ergänzt er trocken, „ist einfach der Leidensdruck noch nicht groß genug.“ M. HELD/ R. BÖNSCH

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