Informationstechnologie 03.03.2000, 17:24 Uhr

Auf der Jagd nach neuen Arbeitskräften

Auch auf der CeBit war der Lockruf vieler IT-Unternehmen nach neuen Mitarbeitern unüberhörbar. Übliche Auswahlkriterien wie Abschlussnote und Studiendauer sind oft nicht die wesentlichen Auswahlkriterien.

Die Alarmsignale werden immer lauter. Bereits jetzt fehlen nach Einschätzung der IT-Branche zwischen 75 000 und 100 000 Fachkräfte in deutschen Unternehmen. Bei der aktuellen Ausbildungssituation befürchten Branchenkenner eine Verschärfung dieses Mangels und damit auch des Wettbewerbs um die Mitarbeiter. Nur mit Informatikern allein kann der Bedarf längst nicht mehr gedeckt werden. Quereinsteiger sind daher bei vielen Firmen inzwischen willkommen und werden mit Trainee- und Training-on-the-Job-Programmen qualifiziert.

Wichtiger Erfolgsfaktor: Der richtige Mix aus externen und internen Mitarbeitern

Nach Erfahrungen von Peter Kolb, Sales Manager beim Skill Scout Harvey Nash, lassen sich Mitarbeiter mit Skills für die Entwicklung neuer Technologien zur Zeit fast nur auf freiberuflicher Basis finden. Bedarf bestehe vor allem in den Bereichen E-Commerce, Internet, Telekom, Netzprovider und Systemintegration. Es sei sehr schwierig, hier überhaupt Mitarbeiter und erst recht solche mit festem Engagement zu finden. 80 bis 100 freie Positionen könnte Peter Kolb für seine Kunden sofort besetzen. Zur Festanstellung suchen sie 20 Mitarbeiter.
Bei den kurzen Verfallsdaten auch der neuesten Skills und Technologien (drei bis sechs Monate) ist es für viele Unternehmen nicht mehr möglich und sinnvoll, alle Positionen intern zu besetzen, weil „sonst die ganze Mannschaft nur noch auf Fortbildung ist,“ sagt Kolb. Der richtige Mix aus externen und internen Mitarbeitern sowie ein Portfoliomanagement von Skills werde daher zum strategischen Faktor. Immer mehr Unternehmen richten daher eigene Stäbe für das Ressource Management ein und ergreifen aufwendige Recruiting-Maßnahmen. Wie jedes Jahr, ist auch die diesjährige CeBit für Rekruteure und Personaler ein willkommenes Forum auf der Jagd nach den „Neuen“.
Auch die 3Com GmbH, Tochter des weltweit führenden Herstellers von Netzwerk- und Datenkommunikationslösungen in Santa Clara, USA, stellte sich auf der CeBit dieser Herausforderung. Neben Anzeigen in den großen deutschen Tageszeitungen unter dem Motto „Wir wollen Ihren Kopf“, wurde am Stand B 62 in Halle 11 immer mindestens ein Mitarbeiter zur Kundenbetreuung aufgeboten. 3Com verspricht sich hohe Resonanz, um die 35 offenen Stellen in den Bereichen Verkauf (Sales Manager, Key Account Manager), Marketing, Training und Support mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern zu besetzen. Letztes Jahr stellte das Unternehmen 56 neue Mitarbeiter ein. Personalreferent Harald Mayer machte die Erfahrung: „Je prägnanter die Fragen sind, desto besser. Auf der Messe bleibt für stundenlange Interviews keine Zeit. Interessenten sollten sich genau überlegen, was sie wissen möchten“.
Jedes Jahr betreut Harald Mayer sechs bis acht Einsteiger, die an einem sechsmonatigen Traineeprogramm teilnehmen. Start ist der 1. Oktober. Ein Direkteinstieg ist ungewöhnlich. „In der Regel lernen Anfänger als Trainee Technik und Vertrieb kennen. Persönlichkeit bildende Seminare stehen mit auf dem Lehrplan. Gefragt sind Wirtschaftsingenieure, Betriebswirte und Elektrotechniker. Auch für den Vertrieb ist eine technische Ausbildung Voraussetzung. Übliche Auswahlkriterien wie Abschlussnote und Studiendauer sind nicht das Wesentliche. Vor allem Praktika – idealerweise im IT-Bereich – und das Engagement außerhalb des Studiums bringen Pluspunkte.
Großes Bonbon für Interessenten: Ein Förderprogramm beschert den Top-Mitarbeitern und künftigen Angestellten von 3Com für das Kalenderjahr 2000 zusätzlichen Verdienst. Einkommens-Steuerlasten von über 39 % werden den Mitarbeitern zum Jahresabschluss erstattet. 3Com Deutschland verspricht sich von dieser Maßnahme eine noch höhere Motivation und neue Spitzenarbeitskräfte für das geplante Wachstum.
„Wir wollen der viel zitierten Aussage, dass Leistung sich nicht auszahlen würde, mit unserer einfachen und zugleich innovativen Idee entgegentreten“, erklärt Thomas Peters, Vice President und Geschäftsführer. „Unsere Mitarbeiter haben 3Com zum Marktführer in den verschiedensten Bereichen gemacht. Das Förderkonzept wird uns verstärkt bei unserem Leitspruch unterstützen, nämlich die fähigsten Mitarbeiter der Branche zu beschäftigen. Mit unserem geplanten Modell zur Förderung von Spitzenarbeitsplätzen unterlaufen wir jedoch kein Steuermodell. Wir zahlen quasi einen zusätzlichen Bonus aus unserem Budget, um eine Beschäftigung bei 3Com für neue und bestehende Mitarbeiter noch attraktiver zu gestalten und eine langfristige Bindung zu erzielen. Um die Transparenz und Ausgewogenheit dieses Konzepts zu sichern, ist die Geschäftsleitung von dieser neuen Regelung ausgeschlossen“.

Bedarf dank großen Engagements gedeckt

Poet-Personalchefin Susanne Küchen hat die Erfahrung gemacht, dass Bewerber, die sich seit mehreren Jahren im Softwaremarkt (Datenbanken, Content Management, E-business) tummeln, Poet wegen „seiner herausragenden Technologien schon kennen und von alleine an den Stand kommen.“ Dieses Jahr führte in Halle 3 immer mindestens eine Person Sondierungsgespräche. 1999 hat Poet 45 Mitarbeiter eingestellt und damit seinen Bedarf nahezu gedeckt. 2000 werden zirka 50 neue Leute gebraucht. Zusammen mit dem Karrieremessen-Veranstalter msw & Partner veranstaltet Poet die Carreer Venture IT. Sie richtet sich an Hochschulabsolventen und Bewerber mit wenig Berufserfahrung. Besonders in dieser Gruppe will Küchen den Bekanntheitsgrad von Poet deutlich steigern. An der Aktion nehmen auch große Firmen wie Bertelsmann, AOL, Lycos, Siemens oder Dell teil. SONJA HÜBNER
Auf der CeBit ließen die IT-Unternehmen keine Chance ungenutzt, um auf ihre Hilfe beim Karriereanstieg hinzuweisen.

Von Sonja Hübner
Von Sonja Hübner

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