Messen 02.06.2000, 17:25 Uhr

„Auf unsere eigenen Stärken besinnen“

Wenn das Internet mobil wird und kulturelle Medieninhalte bald stärker gefragt sind, könnte die Stunde europäischer Verlage und Startups schlagen. Ob und wie der Vorsprung der USA im Netz aufgeholt werden kann, stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zu Beginn der Internet World, vergangene Woche in Berlin.

Die Fakten sind bekannt: Richtet sich der Blick auf die transkontinentalen Unterschiede in den Bereichen IT, „New Economy“ und Internet, könnte man leicht in Hoffnungslosigkeit verfallen. Einer Untersuchung der Unternehmensberatung Booz Allen & Hamilton (www.bah.com) vom März zufolge liegt Europa in allen Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnik nach wie vor weit hinter den USA zurück, auch im Sektor E-Commerce liegt das Wachstum jenseits des Atlantiks deutlich höher als in der Europäischen Union. Einziger Lichtblick in der Studie ist wie üblich der Markt rund ums mobile Telefonieren und der darauf vielleicht einmal aufbauende M-Commerce. Auch 65 % der deutschen Manager, die das Handelsblatt jüngst zu diesem Thema befragte, sehen Europa im Vergleich mit den USA zwischen zwei und vier Jahre im Internetbereich zurückliegen.
Firmen wie die mit E-Commerce-Softwarelösungen verdienende Intershop (www.intershop.de) können sich da schon leicht als „Exot in den USA fühlen“, wie Karsten Schneider, Geschäftsführer der in Jena gegründeten, aber von San Francisco aus geleiteten Unternehmung, während einer die Aufholchancen Europas auslotenden Diskussion auf der Internet World in Berlin zugab. Intershop macht inzwischen 50 % seines Umsatzes in den USA, spielt dort im Konzert zusammen mit Konkurrenten wie Broadvision (www.broadvision.com) oder Open Market (www.openmarket.com) aber „noch nicht die erste Geige“, wie Schneider einräumt. Umgekehrt hätten gerade junge US-Firmen aber aufgrund von Sprach- und Kulturbarrieren ernsthafte Probleme beim Markteintritt in Europa. „Da können wir“, ist sich Schneider sicher, „unsere Stärken voll ausspielen.“
Sich nur in die aktuellen Statistiken festzubeissen, ist auch für Florian Langenscheidt von der gleichnamigen Verlagsgruppe der falsche Weg. Bei einem Wettrennen, glaubt der, bei Brockhaus im Vorstand sitzende Verleger, sei es nicht sinnvoll, ständig auf den Abstand zum Vordermann zu starren. „Wir sollten uns lieber eine andere Sportart wählen und uns auf unsere eigene Stärken besinnen“, lautet der erfrischende Vorschlag Langenscheidts. Die lägen vor allem in der kulturellen Vielfalt Europas. Der auch das Startup Buecher.de als Mitglied des Aufsichtsrat begleitende Manager sprach sogar vom „Unternehmer-Paradies Deutschland“ angesichts des Netz-Booms hier zu Lande und schlug damit unbekannte Töne an. Natürlich müsse noch einiges besser werden, nämlich das Internet billiger und schneller und die von der Telekom versprochene, besonders günstige Flatrate für Schüler endlich kommen. Ansonsten habe die Bundesregierung aber begriffen, um was es gehe, nämlich um die konsequente Förderung des Wachstumsmarktes Internet.
Brockhaus selbst will mit der „Wissen online“ bietenden Community Xipolis.net, einem Joint-Venture mit dem Holtzbrinck-Verlag, mit gutem Beispiel vorausgehen und zeigen, wie man finanzielles Kapital aus kulturellen Werten ziehen kann. Dort gebe es Experten für jegliches Sachgebiet sowie „Erklärungen aus einer Riesendatenbank“. Bei einem „Test“ der Neuen Zürcher Zeitung fiel Xipolis.net allerdings zunächst durch: Statt „lebendigem Wissen“, wie der Anspruch laute, würden nur veraltete Artikel aus der „Profi-Datenbank“ ausgespuckt. Wie sich das Angebot so gegen Konkurrenten wie die Encyclopaedia Britannica (http://www.britannica.com) durchsetzen soll, die kostenlos ihre und die zu zahlreichen anderen Medienangeboten gehörenden Archive öffnet, oder das von Bertelsmann gestartete Netzwerk Wissen.de durchsetzen will, erscheint fraglich.
Trotzdem sieht auch Siegmar Mosdorf, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, „große Chancen“ bei der Vermarktung von europäischen Inhalten. „Wir sind in der Contentphase des Internet angekommen“, glaubt der SPD-Politiker. Da habe Europa einiges zu bieten. Mosdorf spricht vom „Leapfrogging“, von der Möglichkeit, an bestimmten Entwicklungen vorbeizuspringen und so die Führung zu übernehmen. Diese Chance sieht er auch im Bereich der nächsten technischen Phase des Internets, dem mobilen Netz, das mit dem Übertragungsstandard UMTS zur überall verfügbaren Hochgeschwindigkeits-Datenautobahn ausgebaut werden soll. Doch auch mit ISDN hatte sich Europa schon mal ganz weit vorne gefühlt, weil sich diese Leitungstechnik in den USA einfach nicht durchsetzen wollte. Dafür gibt es heute über drei Millionen breitbandiger DSL-Anschlüsse zwischen New York und Kalifornien, während ganz Europa trotz aller Telekom-Werbung bisher nur auf 300 000 DSL-Nutzer kommt.

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  • Stefan Krempl

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