Mobilfunk 25.06.1999, 17:22 Uhr

Antennenplatz zu vermieten

Sie können sich Betonmasten und Dächer teilen.

Franz Verhage, Geschäftsführer der Detron Deutschland, hat klare Vorstellungen über die jüngsten Pläne seines Unternehmens. Die unabhängige Telekommunikations- und Netzwerk-Dienstleistungsgruppe möchte hierzulande durch Funkausleuchtung die besten Antennenstandorte für Funknetze bestimmen, diese Standorte anmieten und sie dann den Betreibern von Mobilkommunikationsdiensten zu Verfügung stellen – per Miete oder Leasing. Bei Bedarf baut die Detron auch gleich die Antennen oder sogar das komplette Funknetz auf. „Detron macht die Akquise, sorgt aber auch für die notwendigen Genehmigungen“, erklärt Verhage und weiß, wie leidig vor allem letzterer Punkt für Netzbetreiber ist.
„Sites & Tower“ wurde dieser Service getauft, dessen wichtigster Vorteil wohl ist, daß die Anbieter sich die Standorte – ob Betonmasten oder Hochhausdächer – „sharen“, also gemeinsam nutzen. Die Netzbetreiber könnten damit ihre Standortkosten auf rund 50 % reduzieren, davon ist Verhage überzeugt. Detron verlangt rund 3000 Euro pro Jahr und Standort. 6000 weitere Euro jährlich sollen durch zusätzliche Services hinzukommen.
Postive Erfahrungen mit ihrem Konzept hat Detron bereits in den Benelux-Ländern gesammelt. „Dort haben wir eigentlich gedacht, daß es länger dauern würde, Akzeptanz für das neue Service-Angebot zu schaffen, doch schon nach vier Monaten war es soweit“, berichtet Verhage. Mittlerweile wurden erste Sonderprojekte in Belgien und den Niederlanden abgeschlossen. Für einen neuen Netzbetreiber plane man ein komplettes Roll-out, verrät der deutsche Detron-Chef. Auch hierzulande wurden schon mehrere tausend potentielle Standorte identifiziert. Verhage: “ Schließlich haben doch alle das gleiche Problem – ob sie nun Viag Interkom oder T-Mobil heißen.“
Dabei klingt das Kundenspektrum der Detron wie ein kleines Who-is-who der Telekommunikation. Ob Lucent, Colt, Telekom oder auch Dolphin, alle sind sie Kunden des Dienstleisters. Und Verhage weiß, was der Service seines Unternehmens wert ist: Hersteller und Netzbetreiber werden unabhängiger voneinander.
Unabhängig agieren, das hat sich die Detron selbst auf die Fahnen geschrieben. So ist das Unternehmen groß geworden – zunächst als Beratungs- und Planungsunternehmen. Mittlerweile werden ganze Turn-to-key-Projekte von der in den Niederlanden gegründeten Firmengruppe gestemmt. Weltweit arbeiten 2000 Mitarbeiter für das börsennotierte Unternehmen, 350 davon in Deutschland. Neben dem breiten Spektrum der Telekommuniaktion engagiert sich Detron auch bei IT-Services. Verhage: „Wir sind Partner in Sachen Dienstleistung“. Dienstleistungen, die man – wie der 30jährige, ehemalige General-Motors-Manager weiß – in Deutschland nicht unbedingt gewohnt ist.
Erst kürzlich tauchte der Name Detron in Zusammenhang mit dem „ersten freien Handelsplatz für Telekommunikations- und Internet-Dienste in Deutschland“ auf – eine Einrichtung übrigens, die es auch schon seit rund einem Jahr in Amsterdam gibt. Bei InterXion werden Bandbreiten, Telefonminuten und Internet-Datenverkehr verkauft.
Einen Parkett-Platz gibt es nicht, statt dessen finden sich Käufer wie Verkäufer in einem virtuellen Internet-Handelsraum wieder. Mit Hilfe der Detron wurde ein sogenanntes „Carrier-Hotel“ eingerichtet, was nichts anderes ist, als ein zentraler Knotenpunkt mit Telefonvermittlungs- und Internetverbindungstechnik. Alle, die sich am Handel beteiligen wollen, schließen ihr Netzwerk an das „Hotel“ an. InterXion-Geschäftsführer Gerd Simon: „In der heutigen Marktsituation mit mehr als 400 Telefongesellschaften und über 1000 Internet-Provider allein in Deutschland ist die Nachfrage nach einem universellen Handelsplatz immens.“
Frank Verhage, soviel steht fest, dürfte einen Großteil dieser Spieler am Telekommunikationsmarkt kennen und viele davon dürften Kunden des Dienstleisters Detron sein – ob nun für kleine oder große Projekte.
REGINE BÖNSCH
An einem Sendeturm wie diesem könnten die Antennen vieler Funknetze hängen.

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