Mobile World Congress 2012 24.02.2012, 12:00 Uhr

„2020 werden über 50 Mrd. IP-fähige Geräte am Netz sein“

Bei dem Netzausrüster Ericsson erwartet man eine stürmische Ausbreitung der Mobilfunkkommunikation und der gesamten Netznutzung. Dazu gehört auch die zunehmende Vernetzung aller Geräte – quer durch alle Industrien und Anwendungen hinweg. Im Vorfeld des Mobile World Congress 2012 sprachen die VDI nachrichten mit Hans Vestberg, dem Vorstandsvorsitzenden von Ericsson.

VDI nachrichten: Herr Vestberg, der Mobile World Congress beginnt in wenigen Tagen. Was wird Ericsson präsentieren und was erwarten Sie an wichtigen Neuheiten?

Vestberg: Unser Fokus liegt auf der Networked Society und wie wir mit unseren Lösungen den Netzbetreibern helfen können, davon zu profitieren. Letztes Jahr haben wir ausgeführt, wie Mobilität, Breitband und die Cloud die Märkte verändern und wie schnelle, zuverlässige, hochperformante Netze die Basis dafür bilden. Dieses Jahr werden wir zeigen, wie weit wir dabei vorangekommen sind. Wir präsentieren Innovationen, mit denen man die rasant ansteigenden Datenmengen in den Innenstädten managen kann. Hierzu gehört auch Software zum Betrieb von Netzen und zur flexiblen Abrechnung, was für die Netzbetreiber immer wichtiger wird.

Mit 26 Mrd. € im abgelaufenen Geschäftsjahr ist Ericsson ein bedeutender Telekommunikationsanbieter. Wie und wo ist Ericsson am stärksten engagiert?

Wir sind der weltweit führende Anbieter von Mobilfunktechnologien der zweiten, dritten und vierten Generation sowie der größte Dienstleister für Netzbetreiber. Rund 50 % des Smartphone-Datenverkehrs weltweit läuft über Ericssons Netzequipment. Bei neuen LTE-Netzen halten wir einen noch größeren Marktanteil. Und LTE wird schon bald viel schneller. In Schweden testen wir bereits „LTE Advanced“, das ist rund zehnmal schneller als alles Gegenwärtige.

Ericsson hat in den letzten Jahren ein beachtliches Portfolio an Patenten angesammelt. Welche Rolle spielen diese für das Unternehmen?

Eine sehr bedeutende. Wir verfügen über 27 000 Patente. Wer im Bereich der Telekommunikation Geschäfte machen will, kommt kaum umhin, sich bei uns die entsprechenden Lizenzen zu beschaffen. Wir haben rund 90 Lizenzvereinbarungen mit Handy- und anderen Endgeräteherstellern sowie vielen Netzausrüstern. Obwohl auch wir in vielen Bereichen Lizenznehmer sind, erzielen wir hohe Netto-Lizenzüberschüsse.

Lassen Sie uns über den Telekommunikationsmarkt reden. Weltweit gibt es gegenwärtig knapp 6 Mrd. Mobilfunkkunden. Wie gesättigt ist der Markt, gibt es Wachstum nur noch mit neuen Technologien und Ersatzbeschaffungen?

Es gibt gegenwärtig eine Netzabdeckung von 85 % der Weltbevölkerung. Das wird innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 92 % ansteigen. Doch das ist nur die eine Wachstumskomponente, die andere ist die, dass die Zahl der mobilen Unterhaltungselektronikgeräte pro Person ansteigt.

Eine dritte Komponente ist die Zahl der mobilen Breitbandnutzer, die bis 2015 von unter 1 Mrd. auf rund 5 Mrd. ansteigen wird. Viele davon werden zum ersten Mal und zu deutlich niedrigen Preisen das Internet nutzen können.

Und dann gibt es noch eine vierte Komponente, die mehr und mehr an Bedeutung gewinnt: Die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, kurz M2M genannt. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2020 über 50 Mrd. IP-fähige Geräte am Netz angeschlossen sein werden – quer durch alle Industrien, nicht nur begrenzt auf die Energiewirtschaft, das Transportwesen oder den Gesundheitssektor. Doch dafür ist ein immenser Um- und Ausbau der Infrastruktur nötig.

Die Handynutzung ist überwiegend ein Vergnügen von Teenagern, die stundenlang telefonieren und SMS verschicken. Oder hat sich daran etwas geändert?

Die Nutzung der Smartphones ändert dieses einstige Nutzungsprofil erheblich. Smartphone-Besitzer verbringen inzwischen nur noch rund 25 % ihrer Zeit mit dem Telefonieren. Die meiste Zeit surfen sie im Internet, bearbeiten E-Mails oder sind in sozialen Netzwerken aktiv.

Laut den Marktforschern von Canalys wurden bereits im vorigen Jahr mehr Smartphones verkauft als PCs – inklusive Tablet-PCs. Es gibt immer mehr Business-Apps für die Smartphones und unsere Untersuchungen zeigen, dass jede Verdoppelung der Übertragungsrate das Bruttosozialprodukt nachhaltig um 0,3 % anhebt.

Der Boom bei den Smartphones ist auch der Hackerwelt nicht verborgen geblieben. Wie steht es um die Sicherheit der Mobilfunkkommunikation?

Mit neuen Vorzügen kommen leider auch neue Risiken. Doch meiner Ansicht nach überwiegen die vielen Vorteile der modernen Mobilkommunikation die bestehenden Sicherheitsrisiken. Wenn in Zukunft alles miteinander vernetzt ist, wird man Lösungen finden, die die Sicherheitsrisiken minimieren.

Aus dem gemeinsamen Handygeschäft mit Sony ist Ericsson ausgestiegen. Was waren die Gründe dafür?

Wir sind nicht gut im Design und Vertrieb von Consumer-Produkten. Emotional war es auch für mich schwer, dass sich Ericsson nach über 100 Jahren von den Telefonen getrennt hat. Strategisch war es jedoch die richtige Entscheidung, denn die Verkaufserlöse von umgerechnet rund 1,05 Mrd. € helfen uns beim Ausbau unseres Kerngeschäfts.

Wichtiger ist unsere Beteiligung an ST-Ericsson als Chipsatzhersteller. Damit stellen wir sicher, dass auch in Zukunft Neuerungen in den Netzen – wie LTE – gleichzeitig mit den entsprechenden Funktionalitäten in allen Handys und anderen Geräten eingeführt werden können.

Sie haben eingangs von einer „Net-
worked Society“ gesprochen. Was genau meinen Sie damit?

Die Nutzung von vernetzten Geräten durchdringt immer mehr unser Alltagsleben. Sprachübertragung wird mehr und mehr zum Grundrauschen. Gezielte Informationsdienste sind die neuen Wachstumsfelder. Ob per Handy, Smartphone, Tablet oder Ultrabook – wir sind immer stärker vernetzt.

Hinzu kommt das erwähnte rasante Wachstum der M2M-Kommunikation. Bei Ericsson sehen wir unsere Aufgabe darin, für diese vernetzte Society die erforderliche Infrastruktur langfristig zu planen und aufzubauen. Die Anwendungen, die den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen, kommen dann von anderen.

Vor zehn Jahren hätte niemand an Youtube oder Facebook gedacht. Auch heute können wir nur in Ansätzen ahnen, welche Innovationen die vernetzte Gesellschaft in zehn Jahren hervorbringen wird. Die Grundlagen dafür werden jedoch Vernetzung, Breitband und Cloud-Services bilden.

Was sind denn die langfristigen Pläne von Ericsson?

Unser Unternehmen wurde vor 136 Jahre gegründet und wir wollen mindestens für die nächsten 136 Jahre der führende TK-Anbieter bleiben.

Ein Beitrag von:

  • Harald Weiss

    Freier IT-Journalist, IT-Analyst und IT-Consultant in Kaiserslautern. Nach verschiedenen Positionen in Softwareentwicklung,  MarCom und PR, 17 Jahre President New York Reporters in New York. Seit 2016 freischaffend wieder in Deutschland.

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