Internet 10.10.2008, 19:37 Uhr

1 Gigabit pro Sekunde – für alle  

VDI nachrichten, Berlin, 10. 10. 08, rb – Weit höhere Bandbreiten als bisher für alle Haushalte hierzulande forderten Experten auf dem 3. VDE/ITG-Breitbandkongress vergangene Woche in Berlin. Dafür sei Glasfaser die bevorzugte Basis. Glasfaser-Zugangsnetze sollen auch für die noch lückenhafte Versorgung im ländlichen Raum eingesetzt werden.

Ungewöhnlich scharfe Töne gab es vergangene Woche an der Technischen Universität Berlin. Dort fand mit 170 Experten der dritte Breitbandkongress der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) im Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE) statt. Massiv kritisierten Branchenexperten sowohl die bisherige Grundversorgung der Haushalte als auch die Definition in Politik und Wirtschaft, was Breitband ist.

Landläufig werde als breitbandige Grundversorgung meist noch die niedrigste UMTS-Geschwindigkeit mit 384 kbit/s bzw. DSL-Anschlüsse mit 2 Mbit/s angesetzt. Damit werde Deutschland dann als weltweit Spitze in der Breitbandversorgung verkauft, so Godehard Walf. Für den Glasfaserexperten des VDE vom Berliner Heinrich-Hertz-Institut (HHI) lautet jedoch das visionäre Gebot der Stunde „1 Gbit/s für alle“.

Für den HHI-Wissenschaftler stellt sich die Frage, wie lange die heute in Deutschland möglichen 50 Mbit/s über das Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom mit VDSL ausreiche. „Die nächste Generation von Zugangsnetzen mit 10 Gbit/s Übertragungsrate ist heute bereits im Fokus der Forschung und Standardisierung.“

Deshalb müsse hierzulande überlegt werden, welche Infrastruktur „wir in die Erde graben“. Für Walf liegen die Gründe für neue Hochgeschwindigkeitsnetze auf der Hand: „Wir brauchen hohe Bandbreiten, um wirtschaftlich im Wettbewerb bestehen zu können.“ Zudem wächst die Bedeutung von Breitband, weil viele Anwendungen den Transport immer größerer Datenmengen erfordern. Laut Walf nehme der Verkehr im Internet jedes Jahr um 50 % zu. Neben dem Herunterladen sei auch das Hochladen von Daten mit der entsprechenden Bandbreite wichtig.

Walf betonte zudem, dass vor allem für Fernsehen und Videokonferenzen über das Internet sowohl höhere Übertragungsraten als auch schnellere Reaktionszeiten vonnöten sind. Die Toleranzgrenze beim Zappen liege für Konsumenten bei nur 0,5 s. „Echte Bandbreite kann nur mit einem Festnetzanschluss auf Basis von Glasfaserleitungen bis direkt ins Haus bereitgestellt werden“, ist sich Walf sicher.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Zu 94 % surfen die Deutschen über Kupfer und ihre DSL-Anschlüsse. Das Surfen über das TV-Kabel wächst kontinuierlich. Gleichzeitig bieten regionale Anbieter wie Netcologne, M-Net in München oder Hansenet sowie Wilhelm-Tel in Hamburg schon einen Anschluss mit 100 Mbit/s zu normalem Preis an.

Doch dies ist eher die Ausnahme als die Regel. Anders als in Japan sind in Europa die notwendigen Glasfasernetze bislang nur ansatzweise in Ballungszentren vorhanden. In der EU gibt es erst 1 Mio. Glasfaserverbindungen im Vergleich zu mehr als 200 Mio. Kupferleitungen. Ein Grund sind die hohen Investitionskosten.

„Der Sprung von Glasfaser bis zur Bordsteinkante zu Glasfaser bis ins Wohngebäude ist sehr kostenintensiv“, sagte Walter Tengler in Berlin. Der Tagungsleiter der 3. VDE/ITG-Fachkonferenz und Manager bei Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks weiß auch, warum. „Straßen aufreißen und womöglich volle Leerrohre vorfinden, kostet sehr viel Geld.“ Dennoch empfahlen die Experten für die „Weißen Flecken“ ohne Breitbandversorgung hierzulande, also Dörfer und kleine Gemeinden auf dem Land, ebenfalls die schnelle Glasfaser.

Ähnlich sieht es das EU-Parlament. Vor rund zwei Wochen empfahl es den Mitgliedstaaten, Investitionsanreize für den Ausbau von Glasfasernetzen zu schaffen. Neue Netze eines Anbieters sollten zudem sofort für Wettbewerber geöffnet werden, die sich im Gegenzug an den Investitionskosten beteiligen müssten. Diese Empfehlung ist jedoch für nationale Regulierungsbehörden nicht bindend. NIKOLA WOHLLAIB

Datenverkehr im Internet wächst um 50 % pro Jahr

 

Von Nikola Wohllaib

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