Industrie 4.0 16.04.2014, 12:45 Uhr

Siemens möchte mit Smart Data die Leistung von Industrieanlagen steigern

Siemens möchte mit neuen Smart-Data-Dienstleistungen für Transparenz in industriellen Prozessen sorgen. Hersteller sollen die Produktion beispielsweise in Echtzeit aktuellen Rohstoff- und Energiepreisen anpassen können. Maschinen werden laut Siemens mit Sensoren selbstständig auf verschlissene Teile aufmerksam machen und Ersatzteile frühzeitig automatisch bestellen. 

Smart-Data-Services sollen dabei helfen, Daten ganzer Fertigungsstraßen mit externen Informationen zu verbinden, um rechtzeitig die besten Entscheidungen für eine effiziente Produktion zu treffen. 

Smart-Data-Services sollen dabei helfen, Daten ganzer Fertigungsstraßen mit externen Informationen zu verbinden, um rechtzeitig die besten Entscheidungen für eine effiziente Produktion zu treffen. 

Foto: Siemens

Kühlschränke der Zukunft mit Internetanschluss bestellen selbstständig Milch, Eier und Butter, wenn Vorräte zur Neige gehen. Ähnlich intelligent sollen Industrieanlagen werden, um die Produktion zu verbessern und zu verbilligen. Das funktioniert mit sogenannten Data Driven Services, die jetzt Siemens anbietet. Alle Informationen, die Maschinen, ganze Fertigungsstraßen und die zugehörige Logistik liefern, werden dabei ausgewertet und zur Verbesserung von Fertigungsprozessen genutzt. 

Maschinen bestellen automatisch Ersatzteile

Die Vorratshaltung in einem normalen Kühlschrank wird von Menschen gesichert, wenn das Gerät nicht intelligent ist. Analog dazu können Menschen dafür sorgen, dass Verschleißteile an Maschinen regelmäßig ausgetauscht werden, um ungewollte Stillstände zu vermeiden. Dabei nehmen sie in Kauf, dass auch Teile gewechselt werden, die noch eine Weile durchgehalten hätten.

Nach Vorstellungen von Siemens messen Sensoren künftig direkt den Verschleiß. Der kann sich durch charakteristische Geräusche oder Rütteln ankündigen. Diese Daten wertet eine Art Bordcomputer aus. Er berechnet die Zeit, die das jeweilige Bauteil noch durchhält und bestellt rechtzeitig das nötige Ersatzteil, sodass es bei einem geplanten Stillstand oder der nächsten anstehenden Wartung ausgetauscht werden kann. Produktionsausfälle werden damit unwahrscheinlicher. Gleichzeitig wird kein Kapital unnötig in Ersatzteile gesteckt.

Intelligente Produktionsanlagen können auch bei der Kostenkalkulation helfen, wenn sie ständig mit Preisen für die verwendeten Rohstoffe gefüttert werden. Wenn Kupfer beispielsweise gerade günstig zu haben ist, könnte die Produktionsanlage aus diesem Material Kabel fertigen. Wenn es auf dem Weltmarkt einen Überschuss an Aluminium gibt und das leichte Metall besonders preiswert zu kaufen ist, ließe sich die Straße auf dieses Material umstellen.

Produktionszeiten lassen sich an Billigstromzeiten anpassen

Aktuell besonders attraktiv ist der Siemens Service EnergyAnalytics. Große Unternehmen kaufen ihren Strom nicht beim Energieversorger, sondern direkt an der Börse. Dort schwankt der Preis je nach Wetterlage. Er sinkt bei starkem Wind und praller Sonne, weil dann zu viel Strom produziert wird. Wenn diese Informationen intelligent mit den Produktionsdaten verknüpft und entsprechend aufbereitet werden, kann die Betriebsführung die Maschinen entsprechend steuern. Stromintensive Produktionsprozesse lassen sich dann auf Billigstromzeiten verschieben.

Siemens bietet auch Schutz vor Cyberattacken an, die Maschinen und ganze Fabriken lahmlegen können. Auf den intelligenten Kühlschrank übertragen würde dadurch verhindert, dass er auf Grund eines eingefangenen Virus plötzlich 1000 Eier bestellt, was selbst in der Osterzeit stark übertrieben wäre.

Von Wolfgang Kempkens
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