Interview: Hannover Messe 2012 10.02.2012, 12:01 Uhr

„Kunden der Hannover Messe sind sehr selbstbewusst und sehr zuversichtlich“

Die Industrie ist sich ihrer Leistungsfähigkeit bewusst und will diese auch gerne zur Schau stellen. So lässt sich die Stimmung im Vorfeld der Hannover Messe 2012, Ende April, zusammenfassen. Dr. Wolfram von Fritsch, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, machte gegenüber den VDI nachrichten deutlich, welche Neuheiten es geben wird.

VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Herr von Fritsch, seit Monaten gibt es fast täglich Krisenmeldungen in der Tagespresse. Bisher zeigte sich die Industrie davon weitgehend unbeeindruckt. Wie empfinden Sie das im Vorfeld der Hannover Messe 2012?

von Fritsch: Die Kunden der Hannover Messe sind sehr selbstbewusst, gelassen und zuversichtlich. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens haben sie in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und sind sportlicher geworden. Sie haben ihre Innovationskraft gestärkt und bringen noch mehr Neuerungen mit. Damit sind sie im Weltmarkt gut positioniert. Und zweitens hat die Industrie gelernt, mit Krisen umzugehen und in den vergangenen drei Jahren belegt, dass sie das kann. Weil die Unternehmen wissen, wie man mit Krisen umgeht, sind sie sehr viel gelassener.

Außerdem zeigt sich, dass vieles, was heute geschieht, auf sehr hohem Niveau stattfindet. Wenn wir von Abkühlung sprechen, dann bedeutet das oft ein geringeres Wachstum des Auftragseingangs. Wenn man dann sieht, dass der Auftragsbestand bereits wieder höher ist als in der Vergangenheit, dann relativiert sich das gegenüber der Situation, die wir vor drei Jahren hatten.

Sie erwarten, dass die Hannover Messe 2012 größer sein wird als in den Vergleichsjahren 2010 und 2008. Können Sie das konkretisieren?

von Fritsch: Es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, konkrete Zahlen zu nennen. Wir merken aber, dass wir im vergleichbaren Vorlauf zu den vergangenen Messen in den geraden Jahren stärker da stehen. Wir sind daher zuversichtlich, die Vorveranstaltungen 2008 und 2010 zu übertreffen.

Auffallend sind auch einige strukturelle Veränderungen auf dem Messegelände, die die Hannover Messe 2012 prägen werden. Beschreiben Sie bitte kurz die wesentlichen Veränderungen.

von Fritsch: Zum einen entwickeln wir jedes Jahr eine neue Messe. Das waren in der Vergangenheit die „Wind“ für Windenergie, die „Metropolitan Solutions“ für Urbanisierung sowie die „Mobilitec“ für Elektromobilität. In diesem Jahr wird es die „IndustrialGreenTec“ sein, eine neue Messe für industrielle Umwelttechnologien – aus der Industrie für die Industrie. Dabei geht es um die Frage: Welche Lösungen bietet die Industrie der Industrie heute an, um umweltschonender, nachhaltiger, effizienter und damit wirtschaftlicher zu produzieren? Das neue Thema funktioniert vom Start weg sehr gut und wir werden dort viele neue Technologien sehen.

Zum anderen haben wir neue Schwerpunkte gebildet, indem wir Messen räumlich zueinander gestellt haben, die einen inhaltlichen Bezug zueinander haben. Das betrifft die CoilTechnica als Leitmesse für Elektromotoren, Transformatoren und Spulen, die in derselben Halle stattfinden wird wie die Messe für Elektromobilität. Auch die IndustrialGreenTec und die Metropolitan Solutions bringen wir in einer Halle zusammen. Hier geht es einerseits um Umwelttechnologien für die Industrie und andererseits um entsprechende Lösungen für Ballungsräume.

Auch im Bereich der Industrieautomation ist eine neue Hallenaufteilung zu erkennen. Was passiert da?

von Fritsch: Das ist richtig. Wir prägen damit zum einen eine Anknüpfungsstelle für die in ungeraden Jahren stattfindende Antriebstechnikmesse MDA aus. Zum anderen haben wir die Themen der IT und der Industrieautomation enger zusammengebracht, indem die Digital Factory ins Herz der Industrial Automation gerückt ist.

Ihr Partnerland 2012 ist China. Entsteht dadurch ein Interessenkonflikt, was den Plagiatschutz und Abwehrmaßnahmen auf der Messe angeht?

von Fritsch: Das sehe ich nicht. Wir haben dafür schon seit einiger Zeit ein Mediationsverfahren etabliert. Effekthascherische Beschlagnahmen wird es daher auf der Hannover Messe nicht geben.

Sie waren erst vor wenigen Tagen mit Bundeskanzlerin Merkel in China unterwegs. Was ist da bezüglich der Hannover Messe 2012 noch zu tun?

von Fritsch: Wir sind sehr dankbar, dass uns die Bundesregierung dabei unterstützt hat, China als Partnerland zu gewinnen. Frau Merkel hat das vor zwei Jahren bei ihrem Besuch beim chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao angesprochen. Erstmals haben die Regierungen einen Partnerlandvertrag für die Hannover Messe unterzeichnet. Im Rahmen der Delegationsreise in der vergangenen Woche hat der Ministerpräsident seine Zusage gegeben, gemeinsam mit Frau Merkel die Hannover Messe im April zu eröffnen.

Jetzt beginnt die Feinjustierung. Dies beinhaltet die Vorbereitung der zahlreichen Delegationen, die aus China anreisen werden und die Gipfeltreffen der deutschen und chinesischen Wirtschaft, die auf der Messe stattfinden werden. Hier unterstützen wir die Gespräche zwischen den Industrieverbänden beider Länder.

Das Erfreuliche ist, dass China sich in der gesamten Breite der Industrie in Hannover präsentiert, sowohl mit dem technischen Schwerpunkt der Umwelttechnologien als auch mit einzelnen Regionen – Chongching Shenzhen oder Chandong – , die sich in den einzelnen Messen zeigen werden. Ich denke, es werden alle überrascht sein, mit welcher Kraft und mit welcher Vielfalt China auf der Messe vertreten sein wird.

Mit Ihren Partnerlandkonzepten holen Sie ausländische Unternehmen nach Hannover. Andererseits unterstützen Sie die hiesigen Unternehmen, indem Sie Ihre Messeaktivitäten im Ausland verstärken. Bitte sagen Sie kurz etwas zu dieser Strategie.

von Fritsch: Wir sind in der Tat im Auslandsbereich sehr stark im Wachstum. Wir haben zweistellige Steigerungsraten. Die Deutsche Messe ist unter den deutschen Ausstellungsgesellschaften diejenige, die aktuell am stärksten wächst. Von den 65 neuen Veranstaltungen, die der Fachverband Auma in den vergangenen zwei Jahren aufgelistet hat, kommen 23 alleine aus Hannover. Die Strategie für uns ist, dass wir die Themen aus Hannover an andere Standorte und Länder überführen, wie beispielsweise nach Russland. Dort, wo wir bereits stark sind, wie in der Türkei und in China, sind wir dabei, mehr Standorte zu bespielen. Das Wachstum zeigt uns, dass unsere Kunden ein Interesse haben, mit uns in neue Märkte zu gehen.

Gibt es da eine Wettbewerbssituation, die zu Lasten der Internationalität auf der Hannover Messe gehen kann?

von Fritsch: Das sind unterschiedliche Zielgruppen, die wir durch den räumlichen Abstand zur Muttermesse ansprechen. Es gibt eher ein Verstärkereffekt. Wir sehen, dass die, die nach Hannover kommen, im Entscheidungsprozess der Unternehmen auf einer anderen Ebene stehen, als die, die regionalen Veranstaltungen besuchen. Ich sehe also eher eine gegenseitige Befruchtung als eine Kollision.

Von Martin Ciupek

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