Gebäudetechnik 18.06.1999, 17:21 Uhr

Wenn im Gebäude die Chemie nicht stimmt

Für die Befindlichkeit am Arbeitsplatz spielen die Qualität der Luft, aber auch die der Mitmenschlichkeit eine Rolle.

Wer sich am Arbeitsplatz nicht wohl fühlt, klagt häufig über psychische oder körperliche Beschwerden. Welcher Einfluß von chemischen, biologischen und physikalischen Innenraumfaktoren ausgeht und wie dieser Einfluß unter anderem durch psychosoziale und ergonomische Bedingungen überlagert und verändert wird, ist in den letzten fünf Jahren in einem interdisziplinären Großprojekt untersucht worden. Die Friedrich-Schiller-Universität in Jena ermittelte, daß bei Klimaanlagen die Befindlichkeit zum Beispiel von der Qualität der Zuluft und dem Wartungszustand abhängt. Den psychischen Faktoren in den betreffenden Räumen müßte aber die gleiche Bedeutung eingeräumt werden. Als die einfachere der beiden Aufgabenstellungen könnte sich die Verbesserung der chemischen und pysikalischen Innenraumfaktoren erweisen, meint die Industrie. Sie offeriert zur Hygiene der Raumluft immer ausgefeiltere Lösungen.
Das Forschungsprojekt „Positive und negative Wirkungen raumlufttechnischer Anlagen und Befindlichkeit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit“, kurz „ProKlimA“ genannt, wurden unter Federführung der Erfurter Arbeitsgruppe Raumklimatologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena durchgeführt. Gemeinsam mit sieben Forschergruppen aus den Bereichen Technik, Physik, Chemie, Mikrobiologie, Medizin, Soziologie, Psychologie und Arbeitswissenschaft wurden Bürogebäude mit und ohne Klimaanlagen unter dem Aspekt des „Sick Building Syndroms“ (SBS) beleuchtet.
Die Symptome bei SBS sind neben Kopfschmerzen und Ermüdungserscheinungen vor allem Haut- und Schleimhautbeschwerden – wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Die genauen Ursachen sind bisher nicht umfassend ermittelt worden, hängen aber auf jeden Fall von den Bedingungen am Arbeitsplatz wie auch vom Raumklima ab. Die von den Forschern ermittelten Daten, die im nächsten Jahr komplettiert werden sollen, bilden eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen zum SBS. Sie beruhen auf Befragungen von rund 5000 Beschäftigten und detaillierten Meßreihen an 1500 Arbeitsplätzen in 14 großen Bürogebäuden.
„Arbeitsbelastung und -anforderungen tragen weit mehr zu Befindlichkeitsstörungen am Arbeitsplatz bei als bisher angenommen“, faßt Dr. Wolfgang Bischof die vorläufigen Ergebnisse zusammen. Der Leiter der Arbeitsgruppe Raumklimatologie weist allerdings auch auf den Einflußfaktor Klimaanlage hin. „Bei klimatisierten Gebäuden wird die Befindlichkeit der Beschäftigten deutlich von der Qualität der Anlagenplanung und dem Wartungsverhalten des Anlagenbetreibers beeinflußt“, erklärt Bischofs Mitarbeiter Dr. Volker Herzog. Ein erhöhtes Risiko gehe vor allem von schlecht gewarteten Komponenten wie Befeuchtungseinrichtungen und Luftfiltern aus.
„Die Raumluft enthält neben festen Partikeln eine Vielzahl von gasförmigen Stoffen, die aus der Gebäudeeinrichtung und dem Bauwerk selbst emittiert werden oder von außen mit der Zuluft in das Gebäude gelangen“, ergänzt die Firma Gebr. Trox GmbH in Neukirchen-Vluyn und verweist auf neue Adsorptionsfilter, die – so der Anbieter – ein breites Spektrum gesundheitsgefährdender Stoffe eliminierten. Dazu zählten Smog, Ozon, Verbrennungsabgase, aromatische Kohlenwasserstoffe und Lösungsmitteldämpfe. Ein periodischer Filterwechsel sei freilich unabdingbar.
Gravierende Unterschiede im gemessenen Raumklima der Gebäude mit und ohne Klimaanlagen enthüllt die Jenaer Studie indes kaum. In klimatisierten Räumen hätten sich etwas höhere Formaldehyd-Konzentrationen gefunden, stellt Bischof fest. In natürlich belüfteten Gebäuden seien hingegen sowohl die Konzentration von Kohlenmonoxid und flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) als auch der Gehalt an Schimmelpilzen in der Raumluft höher gewesen.
Abhilfe empfiehlt hier die Lüftungsindustrie mit mechanischen Lüftungssystemen, die – bei fugendichter Bauweise – obendrein Energie sparen. Sie filtern die angesaugte Außenluft und beugen durch die stetige Lufterneuerung dem Feuchtestau und somit der Schimmelpilzbildung vor. Bei der finnischen „Vallox-Lüftung“, die auch in Deutschland zunehmend installiert wird, regelt zusätzlich ein IAQ-Sensor (IAQ = Indoor Air Quality) den Volumenstrom nach dem „geschnüffelten“ CO2- und Feuchtegehalt der Raumluft.
Zentralstaubsauganlagen ergänzen das Spektrum der SBS-Abwehrmaßnahmen. Dipl.-Ing. Silvia Will, Sprecherin des Systemanbieters Allaway weist darauf hin, daß gewöhnliche Hausstaubsauger, deren feinstaubbeladene Abluft beim Saugen wieder in den Raum gelangt, nicht unerheblich zum SBS-Syndrom beitragen könnten. Bei Zentralstaubsaugern dagegen werde die Staubluft im Keller zentral gefiltert und dann ins Freie entlassen.
Obwohl Klimaanlagen die Menschen beeinflussen, zeigt die Jenaer Studie, daß weniger die Art der Konditionierung der Luft, sondern eher Arbeitsinhalte und Arbeitsbedingungen sowie das soziale Umfeld am Arbeitsplatz das Wohlbefinden prägten. „Um Befindlichkeitsstörungen zu vermeiden, sollte neben dem Raumklima vor allem das Betriebsklima mehr Beachtung finden“, rät Bischof. Gezielte arbeitsorganisatorische Maßnahmen seien dabei von eben solcher Bedeutung, wie die adäquate Planung und der sachgerechte Betrieb von Klimaanlagen sowie deren regelmäßige Wartung.
AB/PG
Montage der Filterkassette eines mechanischen Lüftungssystems: Der Adsorptionsfilter wird von unten in die Zwischendecke eingesetzt.
Fugendicht gebautes Wohnhaus: Für saubere Raumluft sorgen eine mechanische Lüftung und ein Zentralstaubsaugsystem.

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