Gebäudetechnik 16.06.2000, 17:25 Uhr

Wenn das Haus Amok läuft

Immer mehr Amerikaner bauen ausgefeilte, vollautomatische Steuersysteme in ihre Häuser ein. Licht, Heizung, Alarmanlage, selbst Staubsauger und Fern- seher gehorchen einer zentralen Fernbedienung. Doch nur Wenige bekommen ihre High-Tech-Häuser bei Fehlfunktionen in den Griff.

Alles schien perfekt: sanfte, klassische Musik, gedämpftes Licht über den phantasievoll dekorierten Tischen. Doch kaum hatten die Partygäste sich hingesetzt, verstummte die Musik. Nach minutenlanger Stille plärrte plötzlich ein Kindermärchen aus den Lautsprechern. Die Gastgeberin hastete zum zentralen Kontrollschalter, drückte alle Knöpfe, doch es half nicht, die Stereoanlage spielte verrückt. In Panik rief sie Elliott Fishkins Notdienst an. „Ich war zum Glück in der Nähe und konnte den Schaden schnell beheben,“ erinnert sich Fishkin an den Party-Notfall. „Die kleine Tochter hatte mit der Fernbedienung gespielt und so die Musikanlage im Haus manipuliert. Nach ein paar Handgriffen hatte ich die klassische Musik wieder im Programm – und die Hausfrau war glücklich.“
Der New Yorker Unternehmer Fishkin hat sich auf vollautomatische Haustechnik spezialisiert. Wenn der Kunde es wünscht, verkabelt er das ganze Haus: Licht, Musik, Alarmanlage, Telefon, Whirlpool, Garagentor, alles wird mir einem zentralen Computer vernetzt und lässt sich per Fernbedienung steuern. Doch die Technik ist kompliziert. Fishkin hat deshalb einen 24-Stunden-Notdienst eingerichtet. Wenn beim Kunden mal wieder alles außer Kontrolle gerät, kommt er vorbei, bringt wildgewordene Klimaanlagen und Lichtschalter zur Räson und beruhigt verzweifelte Hausbesitzer.
Immer mehr Amerikaner lassen sich in ihre Häuser komplexe automatische Steuersysteme einbauen. 1995 waren zwei Millionen US-Eigenheime mit dem letzten Schrei in Sachen Haustechnik ausgerüstet. Heute sind es fast viermal so viel: Etwa 7,5 Millionen Häuser, das entspricht gut sieben Prozent aller amerikanischen Haushalte.
Mit den teuersten Systemen lassen sich Licht, Telefon, e-mail und Alarmanlage sogar von Ferne über Satellit steuern. Fernsehproduzent John Marcus zum Beispiel kann sein New Yorker Haus per Telefon auch von seinem Studio in Hollywood aus kontrollieren. „Manchmal bin ich versucht, die Jalousien im Schlafzimmer hochzufahren, wenn ich weiß, dass meine Frau in New York allein zu Hause ist. Nur so, um sie zu erschrecken,“, erzählt Marcus. „aber ich habe Angst, dass die gesamte Haustechnik zusammenbricht, wenn ich einen falschen Befehl eintippe.“ Allein der Kontrollschalter für das Licht in Marcus“ Haus bietet 14 Optionen. Die Technik ist ausgefeilt, doch wenn seine Frau Licht machen will, muss sie jedesmal ihre Lesebrille aufsetzen, damit sie den richtigen unter den 14 winzigen Knöpfen trifft. Und mit welcher der 22 Tasten auf der Musik-Fernbedienung sie ihre Lieblings-CD im Arbeitszimmer starten kann, ist ihr auch nicht ganz klar. Die meisten Kontrollschalter haben zu viele Knöpfe, und ihre Bedienung ist oft kompliziert.
Wer technisch begabt ist, kann sein Haus allerdings mit so gut wie jedem Schnickschnack ausrüsten. So programmierte ein Ingenieur aus Long Island für kurze Zeit eine erzieherische Komponente in seine Haustechnik ein. Jedesmal, wenn die Sicherheitskameras seinen Sohn beim Faulenzen im Kinderzimmer erwischten, kam über Lautsprecher ein automatischer Befehl, den Müll runterzutragen. Und zwar so oft, bis der Junior sich in Bewegung setzte.
Anfangs sind alle Besitzer von verkabelten Häusern voll kindlicher Freude über ihre aufregende Technik. Doch so mancher fühlt sich schon bald seinem smarten Haus hilflos ausgeliefert. Elliot Fishkin war dabei, als ein Kunde sein Haus abschloss und für immer verließ, kurz nachdem es automatisiert und verkabelt worden war. Der Mann verkaufte das Haus, weil ihm die Technik zu unheimlich war. „Das größte Problem liegt darin, daß die Leute in Panik geraten, wenn etwas nicht sofort funktioniert“, sagt Fishkin. „Dann drücken sie alle möglichen Knöpfe und bringen damit die gesamte Programmierung durcheinander.“ Es kann dann Stunden dauern, bis Spezialisten die Haustechnik wieder in Gang bringen.
„Es ist irgendwie unheimlich“, sagt Raymond Boggs, der für Data International technische Marktanalysen macht. „Die Leute wollen die komplizierteste Steuertechnologie in ihren Häusern haben, dabei wissen die meisten noch nicht einmal, wie sie ihren Thermostat einstellen können.“Weil das so ist, bleiben am Ende viele der technischen Wunder ungenutzt. „Die Kunden stellen das Licht und Jalousien einmal ein und ändern die Einstellungen dann nie wieder“, hat der Architekt Dennis Wedlick beobachtet. „Die Steuersysteme sind einfach nicht benutzerfreundlich, und trotzdem wollen die Kunden das alles haben.“
Das Angebot an modernster Haustechnik wird immer größer. Die Firma Home Automated Living bietet seit kurzem ein Haus an, dessen Zentralcomputer HAL 3000 per Stimme dirigiert werden kann. Das Ganze funktioniert dann wie in einem Science Fiction Film. Nur dass HAL 3000 nicht die Distanz zu fremden Sternen berechnet. Er gehorcht eher Befehlen wie: „Computer, mach bitte das Licht in der Küche an!“
Es gibt heute Kühlschränke, die ständig kontrollieren, ob genug Eier und Butter im Haus sind und Mikrowellen, die man via Internet mit Rezepten füttern kann. Es stellt sich nur die Frage, wie sinnvoll diese Produkte sind. Selbst aus dem Medienlabor vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo viele dieser technischen Tricks erfunden worden sind, kommt Kritik: „Wollen wir wirklich, dass der Kühlschrank mit der Mikrowelle korrespondiert?“, fragt sich Alex Pentland, Labordirektor im MIT. „Wir sollten besser etwas erfinden, was die Menschen wirklich gebrauchen können. Viele Produkte, die jetzt auf dem Markt sind, werden nicht lange überleben.“
Dazu könnte auch der Staubsauger gehören, der sich automatisch ausschaltet, sobald das Telefon klingelt. Mit solch einem Gerät kann es unter Umständen Stunden dauern, bis die gute Stube endlich fertig gesaugt ist. S. WAETJEN/wip
Bei einem Haus, in dem alles vollautomatisch von jedem beliebigen Ort aus gesteuert werden kann, egal, ob es das Licht oder die Kaffeemaschine ist, vergessen die Besitzer häufig, für den Störfall vorzusorgen und fühlen sich dann der Technik hilflos ausgeliefert.

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