EU-finanziertes Projekt 03.09.2014, 12:31 Uhr

Vernetzte Bahnhöfe behalten Verdächtige im Auge

Sicherheitstechnik an Bahnhöfen in ganz Europa soll in Zukunft vernetzt sein, damit sich Verdächtige besser verfolgen lassen. Vorschläge liefert das EU-finanzierte Projekt Secur-ED. Neben allerhand Theorie gab es schon praktische Übungen in vier europäischen Metropolen in bester Krimi-Manier. 

Der Hauptbahnhof in Dresden: Das EU-Projekt Secur-ED erarbeitet neue Konzepte, die Sicherheitstechnik an europäischen Bahnhöfen miteinander zu verbinden. Ein Verdächtiger, aufgenommen von einer Überwachungskamera in Dresden, ließe sich dann beispielsweise am Bahnhof in Paris schneller wiederfinden. 

Der Hauptbahnhof in Dresden: Das EU-Projekt Secur-ED erarbeitet neue Konzepte, die Sicherheitstechnik an europäischen Bahnhöfen miteinander zu verbinden. Ein Verdächtiger, aufgenommen von einer Überwachungskamera in Dresden, ließe sich dann beispielsweise am Bahnhof in Paris schneller wiederfinden. 

Foto: dpa

Es ist vertrackt: Eben noch haben Sicherheitskameras am Bahnhof eine verdächtige Person in den Fokus genommen. Doch in dem Gewühl am Bahnsteig verschwindet sie. Bald fahren mehrere Züge ab – wo ist der Verfolgte bloß abgeblieben? Oft genug bleibt das im Dunklen: Mit der bisherigen IT-Ausstattung der europäischen Bahnhöfe und U-Bahn-Stationen hat der Gesuchte eine gute Chance, zu entkommen, da die Überwachungssysteme der einzelnen Bahnhöfe selbst innerhalb einer einzigen Stadt oft nicht kompatibel sind. Sogar der Austausch von Daten untereinander ist mitunter schwierig.

39 Partner arbeiten an verbesserter IT-Zusammenarbeit 

Mit dem EU-finanzierten Projekt Secur-ED, das 2011 auf den Weg gebracht wurde, soll sich das aber jetzt ändern. Das Kürzel steht für „Secure Urban Mass Transportation – European Demonstrator“, zu Deutsch so viel wie „Sicherer städtischer Massentransport – Europäisches Demonstrationsprojekt“. Es hat ein Budget von über 40 Millionen Euro und ist mit 39 Partnern eines der größten Demonstrationsprojekte der europäischen Sicherheitsforschung.

Es soll zeigen, wie die organisatorische und informationstechnische Zusammenarbeit in europäischen Großstädten verbessert werden kann, und reicht von der Sicherheitsanalyse bis hin zu kompletten Trainingsvorschlägen für Sicherheitskräfte, Bahnpersonal und sogar Fahrgäste. Dabei bezieht es sowohl verschiedene Bedrohungen wie Vandalismus, Terrorismus, aggressive Einzelpersonen, abgestellte Koffer, Giftgasangriffe und vieles mehr als auch unterschiedlichste Randbedingungen gesellschaftlicher und gesetzlicher Art mit ein.

Feuerwehrleute bei einem Testlauf am Bahnhof in Madrid: Das EU-Forschungsprojekt Secur-ED soll für mehr Sicherheit auf europäischen Bahnhöfen sorgen. 

Feuerwehrleute bei einem Testlauf am Bahnhof in Madrid: Das EU-Forschungsprojekt Secur-ED soll für mehr Sicherheit auf europäischen Bahnhöfen sorgen. 

Quelle: Secur ED

Zu den 39 Partnern gehört neben der Technischen Universität Dresden, der Universität Paderborn, der Deutschen Bahn und dem französischen Pendant SNCF sowie vielen anderen auch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. Die Forscher dort haben ein sogenanntes Interoperabilitätskonzept entwickelt, das beschreibt, wie die Beteiligten im Ernstfall schon jetzt ihre Informationen am besten austauschen können.

In einem nächsten Schritt sollen konkrete Formate erarbeitet und eingeführt werden, die den Informationsaustausch regeln. Um dies in der Praxis möglichst einfach umsetzen zu können, haben die Stuttgarter zusätzlich einen Multitouch-Tisch entwickelt, an dem die Beteiligten Daten auswählen und den Partnern bereitstellen können, um die Lage gemeinsam auszuwerten.

Tests wie im Agententhriller in Berlin, Mailand, Madrid und Paris

All diese bisherigen Ergebnisse sollen auf lange Sicht sämtliche mittleren und größeren europäischen Städte abdecken. Zunächst sind sie jedoch auf das Bahnhofs- und Schienennetz  von vorläufig vier europäischen Metropolen abgestimmt worden: Berlin, Mailand, Madrid und Paris. Dabei blieb es nicht bei grauer Theorie: Inzwischen gab es mehrere Testläufe, die genauso gut einem Agententhriller entsprungen sein könnten.

So schlich sich in Mailand ein Unbefugter auf ein Bahndepot – mit Hilfe einer Wärmekamera wurde er sofort entdeckt und per Zoom in den Fokus genommen. In einem anderen Testlauf wurde ein Verdächtiger von einem Busfahrer gemeldet und von der Leitstelle aus im Auge behalten: Eine neue Software machte es möglich. Sobald die Person auf einem Kamerabild markiert war, errechnete das Programm den voraussichtlichen Weg und schlug mit großer Sicherheit genau die Kamera von insgesamt 300 möglichen vor, die den Verfolgten als nächste zeigte.

Unterstützung bei Fahndungen bietet ein System, das auf Gesichtserkennung basiert: Das Bild einer gesuchten Person wurde per Mobilfunk an die städtischen Busse übertragen; in diesem Fall in Madrid. In den Bussen scannte eine Kamera das Gesicht jedes einsteigenden Fahrgastes – das Programm schlug direkt Alarm bei Leitstelle und Busfahrer, als es eine Übereinstimmung feststellte. Für weitere Szenarien von der Gasausbreitung bis hin zu Evakuierungen existieren bislang nur Pläne. Selbst wenn sie nicht durchgespielt werden, könnten diese Überlegungen bei der Platzierung von Kameras und Sensoren helfen.

Abschlusskonferenz in Brüssel

Das Projekt, das zur verbesserten Überwachung und Vernetzung von Bahnhöfen führen soll, steht kurz vor der Vollendung. Die Abschlusskonferenz von Secur-ED findet am 17. September in Brüssel statt. Außerdem ist das Projekt Thema der Sicherheitsforschungskonferenz Future Security 2014 in Berlin, die am 16. September beginnt.

Von Judith Bexten
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