Gebäudetechnik 16.06.2000, 17:25 Uhr

Verbraucher zieht Wärmedämmung der Heizungsmodernisierung vor

Über Heizenergieeinsparung wird in Fachkreisen viel geredet. Laut einer von der Zentralheizungswirtschaft initiierten Befragung sei der Verbraucher aber kaum darüber informiert, wie sich Einsparerfolge wirklich erzielen lassen. Aufklärung und Anreize seien von Nöten.

Nach Ansicht der deutschen Heizungsbranche sinkt die Bereitschaft der Verbraucher, Geld für Energieeinsparung und Umweltschutz auszugeben. Eine Haushaltsbefragung der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft (VdZ) habe gezeigt, dass der Informationsstand der Bevölkerung über Energiethemen „unerwartet schlecht“ sei. Fenstererneuerung und Wärmedämmung werden derzeit als effektivste Einsparmöglichkeit angesehen. Laut VdZ zeigten jedoch Untersuchungen , dass die Heizungserneuerung zu deutlich höheren Einsparerfolgen bei gleichzeitig geringeren Investitionen führe als zusätzliche Maßnahmen an der Gebäudehülle. Um die geplante CO2-Minderung realisieren zu können, müssten jetzt Motivationsanreize zur Heizungsmodernisierung geschaffen werden.
„In einer von der Bundesregierung geplanten Klimaschutzstrategie wird der Markt für Raumwärme aufgrund seines bedeutenden CO2-Minderungspotentials einen bevorzugten Platz einnehmen“, unterstreicht VdZ-Präsident Jürgen Diehl (Diehl GmbH, Baumholder) die Bedeutung der auf dem Weg befindlichen neuen Energieeinsparverordnung (EnEV 2000). Voraussetzung für die Senkung der CO2-Emissionen sei jedoch, dass alle Energien, die zur Heizung und Warmwasserbereitung eingesetzt werden, gleichbehandelt würden. Ziel müsse es sein, möglichst viel Brennstoff in Wärme umzusetzen und alle Verlustquellen zu minimieren. Diehl begrüßt daher, dass die ursprünglich geplante Bevorteilung von Stromheizsystemen aufgegeben worden sei. „Nur bei konsequenter Beachtung eines primärenergetischen Ansatzes, kann wirklich Energie und CO2 gespart werden.“ Verluste und Emissionen, die bereits bei der Energieerzeugung oder -umwandlung entstehen, dürften nicht übersehen werden.
Unbefriedigend sind aus Sicht von Diehl die geplanten Vorschriften für den Gebäudebestand. Zur baulichen und anlagentechnischen Gebäudeerneuerung würden nur schwache Impulse ausgehen. Dabei könnten nur bei Maßnahmen im Gebäudebestand die Emissionen reduziert werden. „Bei Neubauten von CO2-Minderung zu sprechen ist ein Widerspruch in sich“, stellt Diehl klar. Jeder noch so geringe Verbrauch kommt zu dem bestehenden hinzu. Insgesamt seien in Deutschland 4,5 Mio. Heizungsanlagen aus energetischer und ökologischer Sicht dringend modernisierungsbedürftig. 77 % des Gebäudebestandes sei vor 1982 errichtet worden – dem Jahr der ersten Wärmeschutzverordnung. Dadurch würden 95 % der gesamten Wärmeenergie in Altbauten verbraucht. „Bei einer Modernisierungsrate von jährlich 2 % erfordert die umfassende Erneuerung des Anlagenbestands den Zeitraum von rund 50 Jahre“, konstatiert Diehl.
Um mögliche Ursachen für die Investitionszurückhaltung seitens der Verbraucher zu ergründen, ließ die VdZ im vergangenen Dezember eine repräsentative Umfrage unter 1000 ausgewählten Haushalten durchführen. „Allein der Informationsstand zu aktuellen Fragen der Energiepreisentwicklung und der individuellen Ausgaben für Heizung und Warmwasser ist unerwartet schlecht“, fasst VdZ-Vizepräsident Bernd Wattenberg (Landis & Staefa GmbH, Frankfurt) die Ergebnisse zusammen. Vier von fünf Befragten glaubten nach wie vor, dass die Energiepreise starkem staatlichen Einfluss unterliegen.

Heizkesselaustausch: effiziente Energiesparmaßnahme

Nur 18 % gaben an, gut über die aktuelle Energiediskussion und Energiepreise informiert zu sein. Ein Drittel der Haus- oder Wohnungsbesitzer sowie mehr als die Hälfte der Mieter fühlten sich dagegen gering informiert. Ihre persönlichen Ausgaben für Wärmekosten kannte nur ein knappes Drittel. Generell zeigten Befragte mit höherem Einkommen einen besseren Informationsstand, im Gegensatz zu Singles und Mieter kleineren Einkommens. „Vielen Verbrauchern mangelt es noch immer an Kenntnissen über die preisbildenden Marktkräfte bei den Energieträgern“, konstatiert Wattenberg. So hatten 41 % der Befragten keine Kenntnisse über die Heizölpreisbindung beim Erdgas. Auch wurden Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen oft falsch eingeschätzt. Fenstererneuerung und Wärmedämmung werden demnach allgemein als effektivste Einsparmöglichkeit angesehen. Dabei zeigten Untersuchungen, dass die Heizungserneuerung zu deutlich höheren Einsparerfolgen bei gleichzeitig geringeren Investitionen führt als zusätzliche Wärmedämmung an Wänden und Fenstern, betonte Wattenberg. „Für uns heißt dies, wir müssen den Heizkesselaustausch als besonders effiziente und wirtschaftliche Energiesparmaßnahme stärker in das Bewusstsein der Verbraucher bringen.“ Die Umfrage habe gezeigt, dass Investitionshilfen (etwa Kredite und Förderprogramme) die Bereitschaft zur Heizungsmodernisierung verbesserten. Bei einer 20%igen Förderung könnte jeder Zehnte zu einer Heizungserneuerung bewegt werden. Steigen die Investitionshilfen auf die Hälfte der Gesamtkosten, so erhöht sich der Anteil der Modernisierungswilligen auf 30 % bis 45 %.
Für die Heizungswirtschaft belege die Umfrage, dass „dringend zusätzliche Impulse von Politik und Industrie notwendig sind“, um die Energieeinsparpotentiale im Gebäudebestand auszuschöpfen, urteilt Wattenberg. „Sollte uns dies gelingen, kommen wir dem Ziel der nationalen Selbstverpflichtung zur CO2-Minderung ein großes Stück näher.“ Auch VdZ-Präsident Diehl appelliert an die Bundesregierung, zusätzliche Impulse für eine „Modernisierungsinitiative“ zu geben. Dies könne die jahrelange Stagnation der deutschen Heizungswirtschaft beenden. Derzeit könne man davon ausgehen, dass nur ein Drittel der Jahresproduktion an Wärmeerzeugern in den Modernisierungsbereich geht. ROBERT DONNERBAUER
Jürgen Diehl: „Es fehlen Anreize zur Heizungsmodernisierung“.
Umweltschutz spielt beim Heizen für Haus- und Wohnungsbesitzer eine untergeordnete Rolle. Dennoch gehen Energieeinsparung und Ökologie Hand in Hand.

Von Robert Donnerbauer

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