Gebäudetechnik 29.10.2004, 18:34 Uhr

Touchpanel-Regelung per Knopfdruck

VDI nachrichten, Bonn, 29. 10. 04 - Die einzelnen Elemente der effizienten und Kosten sparenden Gebäudewirtschaft liegen alle vor. Jetzt kommt es darauf an, diese Anlagentechnik konzeptionell zu einem Guss zu verschweißen.

Auch in der Gebäudeautomation wächst zusammen, was zusammen gehört. Für Dr.-Ing. Ulrich Möhl entscheiden drei Faktoren: „Kommunikation, Bedienerschnittstellen und die Integration unterschiedlicher Teilsysteme.“ Der Direktor Programmentwicklung, Region Central Europe von Johnson Controls in Essen, sieht einen „ganz klaren Trend zur weiteren Vereinheitlichung“. Als sei das aktuelle Facility Management eine Computer-Spielwiese, ist die Rede von netzbasierten Geräten, Internet-Kommunikation und dem Erschließen „weiterer Optimierungspotenziale im Umfeld der Multimedia-Technologie“.
„Dezentral“ lautet dagegen für Andreas Vogt die Zauberformel. Der Geschäftsführer der enco Energieconsulting Kassel konzentriert sich auf den schnellen Umbau und die Drittverwendung von Bürogebäuden. Auf die „geräuscharme und individuelle Klimatisierung“ kommt es ihm vor allem an. Die sollte immer zum Zuge kommen, wenn die Investitionskosten und der Platzbedarf zentraler Lüftungsanlagen zu hoch sind. Dabei lässt sich auf der kompletten technischen Klaviatur spielen, die von simpelen Nachströmgeräten bis zu hochkomplexen Systemen reicht.
So bietet sich bei Gebäuden mit raumhoch verglasten Außenwänden zur Be- und Entlüftung der Einsatz von Unterflurgeräten an. Hohe Wärmerückgewinnung bei zugleich minimalen Wärmeverlusten sowie die Belebung der Lüftung an Fenstern sind mit modernen Wärmetauschersystemen möglich geworden. Das Beispiel Investment Banking Center (IBC), Frankfurt, ein aus drei Gebäuden bestehender Komplex mit 79 500 m2 Mietfläche. Die Spezialität der beiden Bürogebäude und des Händlerzentrums mit rund 1000 Arbeitsplätzen ist das variable flächensparende Raumkonzept mit dezentralen Lüftungsgeräten. Dazu kommt eine flexible achsweise Regelung für Lüftungsgeräte, Kühldecken, Beleuchtungstechnik und Jalousien.
In einen größeren Rahmen stellt Günther Mertz vom Fachinstitut Gebäude-Klima in Bietigheim-Bissingen die aktuellen Anforderungen an Architektur und Technik. „Gewerkeübergreifende, ganzheitliche Betrachtungen“, lautet sein Credo, und „Systemtechnologien“ sind der Weg.
Zusätzliches Energiemanagement erschließt dabei weitere Kostensenkungen. Noch fehlt es an der nötigen Gesamtschau, kritisiert Mertz: „Das notwendige regelungs- und prozesstechnische Know-how über die Gewerke Heizung, Lüftung, Klima, Kälte und Beleuchtung wird zu selten zusammengeführt.“
Mit der Gebäudegröße und Gewerkevielfalt steigen die Energie- und Kosteneinsparpotenziale, besagt eine einleuchtende brancheninterne Faustregel. Gerade bei hoch technisierten Büro- und Produktionsgebäuden tun sich noch große Reserven auf. Das Fachinstitut Gebäude-Klima nennt eine Hausnummer: „Gebäudeautomation hilft 15 % bis 25 % des Gesamtenergieverbrauchs einzusparen.“ Noch ist, so beklagen viele Experten, die Praxis durch weitgehende Abschottung und additive Planung gekennzeichnet.
Trotzdem sind sie stark im Kommen: intelligente Bürotechnik, elektronische Vorgangsintegration, Workflow-Management und drahtlose Kommunikation. Allein dass die zeitliche Ausnutzung eines Büros nicht einmal ein Viertel der nutzbaren Zeit beträgt, während die meisten Maschinen in der Industrie zeitlich komplett genutzt werden, regt zum Nachdenken über Wirtschaftlichkeit an.
Alles ist möglich, weiß man beispielsweise in Köln, wo das Agrippabad unter der Hand der Sanierer und Konstrukteure von einer grauen Maus zum „offenen Freizeitbad“ mutiert ist. „Dabei sind es nicht die technischen Neuerungen“ verweist Karl-Heinz Reuter von der „Planungsgruppe Bad“ aus Meerbusch auf das Innovative, „sondern es ist das Konzept“. Das Gebäude wird überwiegend über die Lüftungsanlage beheizt. Touchpanels steuern die technischen Anlagen, die Badewasserumwälz- und Attraktionspumpen sind frequenzgeregelt. Völlig neue Anwendungsfelder der Gebäudeautomation nimmt Ulrich Möhl, Johnson Controls, in der Sicherheitstechnik ins Visier. Die reichten bis zur biometrischen Personalerkennung. Ein Trend scheint unumkehrbar: In der Architektur wird die Anlagentechnik zusehends dominanter. Die Nutzung des Sonnenlichtes, die Tageslichtlenkung oder die Umwandlung von Sonnenlicht in Strom. Bauphysik, technische Ausstattung und Wärmeschutz werden damit völlig neu definiert.KLAUS NIEHÖRSTER

Von Niehörster

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