Gebäudetechnik 17.03.2000, 17:24 Uhr

Sanft temperierter Verwaltungsbau

die Kühldecke als Heizfläche.

Vor dem Hintergrund wachsender Ansprüche an die Gebäudetemperierung widmet sich die „Light + Building“ (L + B) vom 19. bis 20. März in Frankfurt am Main unter anderem dem Thema Kühldeckensysteme. Diese haben den praktischen Vorteil, dass sie neben dem Aspekt der sanften Kühlung eventuell auch zu Heizzwecken umfunktioniert werden können. Entsprechende Systeme sollen auf der Messe vorgestellt werden.
Kühldeckensysteme erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. In Deutschland ist mittlerweile eine 3,5 Mio. m2 bis 4 Mio. m2 große Fläche aktiver Kühldecken installiert. „Vor allem bei Neubauplanungen im Büro- und Verwaltungsbereich wird diese Technik in zunehmendem Maße verlangt,“ betont die Messe Frankfurt im Rahmen einer Vorabmeldung zur L+B. Deshalb stünden jetzt in der Main-Metropole nicht zuletzt die Kühldeckensysteme im Mittelpunkt des Interesses. Darüber hinaus intensivierte sich in jüngster Vergangenheit die Diskussion darüber, ob und unter welchen gebäudetechnischen und thermischen Rahmenbedingungen Kühldecken auch für Heizzwecke eingesetzt werden könnten. „Vom konstruktiven Aufbau aus betrachtet sind Kühldecken nach dem Strahlungsprinzip zum Heizen einsetzbar,“ versichert der Systemanbieter Trox in Neukirchen-Vluyn. Ob eine solche Anwendung – aufgrund der entstehenden Asymmetrie der Strahlungstemperatur – die Anforderungen an thermische Behaglichkeit erfüllen kann, bleibt in der Fachwelt indes umstritten.
Die Anforderungen, die man an „Kühl-/Heizdecken“ stelle, konzentrierten sich – so Heizungsfachleute – auf Deckung der Lüftungs- und Transmissionswärmeverluste, wenn keine ausreichenden inneren Wärmequellen wirksam würden. Das sei vornehmlich beim Nacht- und Wochenendbetrieb der Fall. Bei der Berücksichtigung eines Kühl-/Heizdeckensystem müsse in erster Linie die Gleichmäßigkeit der Temperaturverteilung im Aufenthaltsbereich beachtet werden.
Josef Haaz, Leiter Raumlufttechnik des Systemanbieters Gebr. Trox: „Zur Gewährleistung dieser Komfortkriterien darf die Wassereintrittstemperatur nicht wesentlich über der menschlichen Körpertemperatur liegen.“ Mit dieser relativ niedrigen Heizwassertemperatur sei die gebotene Heizleistung erreichbar. Laut Haaz liegen die Heizleistungen in „normalen“ Büroräumen bei rund einem Drittel der geforderten Kühlleistung.
Mittlerweile entstanden etliche Gebäude, bei denen thermisch aktive Decken auch als Strahlungsheizflächen fungieren, was dem Innenarchitekten eine größere Gestaltungsfreiheit einräumt. Neuere Entwicklungen, wie etwa die Betonkernaktivierung, haben dazu beigetragen, für die Pufferung von Wärme- und Kühllasten verstärkt die gebäudeeigene Speicherkapazität zu nutzen. Ein aktuelles Beispiel: das neue Verwaltungsgebäude der Helvetia-Versicherung, Direktion Deutschland, in Frankfurt am Main. Hier lassen in Beton eingebettete Kunststoffrohre aus vernetztem Polyethylen (VPE) das temperierte Wasser zirkulieren. „Aufgrund der ausgeklügelten Fassadentechnologie und des geringen Wärmebedarfs kann bei diesem Objekt die gesamte Heizlast mit dem System der Betonkernaktivierung abgedeckt werden,“ versichert Systemlieferant Velta in Norderstedt. Sprecher Ulrich Wiechern: „Für den Heizfall müssen Einflussgrößen individuell für das Gebäude berücksichtigt werden.“
Ist die Entscheidung für eine solche Systemtechnologie gefallen, müsse – so die Messe Frankfurt im Vorfeld der L +B – rechtzeitig eine Abstimmung zwischen den Ansprüchen der Bauherren, der Architekten, der planenden Ingenieure und den anlagebauenden Firmen stattfinden. Integrierte Planung und die frühzeitige Einbindung aller am Bau Beteiligten spielten in diesen Fällen eine entscheidende Rolle. Entsprechend sei – so die Messe Frankfurt – auf der L +B eine Fülle von Diskussionsbeiträgen zur stillen Kühlung zu erwarten. E. W.
Betonkernaktivierung: Im Gegensatz zur Montage einer abgehängten Kühldecke aus Metall werden hier die kaltwasserführenden Rohre aus vernetztem Polyethylen auf der Baustelle in die Rohdecke eingebettet.
Josef Haaz: „Aus Sicht des konstruktiven Aufbaus lassen sich Kühldecken nach dem Strahlungsprinzip auch zu Heizzwecken einsetzen.“

Von E. W.

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