Gebäudetechnik 22.01.1999, 17:20 Uhr

Rauch – ein schleichendes Gift

Jährlich sterben in Deutschland rund 600 Menschen alleine bei Wohnungsbränden. Rauchmelder zu Hause und Brandschutzklappen im Luftkanalnetz größerer Gebäude könnten den Kampf gegen den tödlichen Qualm jedoch entscheidend verbessern.

Giftiger Rauch ist die Hauptursache für Todesfälle bei Bränden in Gebäuden. Die meisten Rauchopfer sind im Wohnbereich zu beklagen, da es hier keine besonderen Sicherheitsvorschriften gibt. In den mechanisch belüfteten und meist klimatisierten Gebäuden droht hingegen durch das verzweigte Luftkanalnetz zusätzliche Rauchgefahr. Melder in Wohnungen und Schutzklappen im Luftkanalnetz klimatisierter Gebäude sind derzeit die wichtigsten Maßnahmen gegen den tödlichen Qualm im Brandfall. Entsprechende Informationsschriften werben jetzt für die richtige Vorsorge.
Eine tückische Situation in der Wohnung: Es ist Nacht, die Hausbewohner schlafen. Ein defektes Kabel oder eine glimmende Zigarette setzen ein Zimmer in Brand. Noch schneller als das Feuer breitet sich der gefährliche Rauch aus. Die Rußpartikel vernebeln die Sicht, machen die Orientierung in zunehmendem Maße unmöglich. Durch verbrennendes Holz entsteht unsichtbar und geruchlos giftiges Kohlenmonoxid. Drei Atemzüge reichen, um das Bewußtsein zu verlieren. Zehn Atemzüge führen zum Tod.
„Rauchmelder retten Leben,“ heißt ein Faltblatt, mit dem der nordrhein-westfälische Landesbauminister Michael Vesper und Landesjustizminister Fritz Behrens jetzt für Brandschutz in privaten Haushalten werben. Rauchmelder gehörten in jede Wohnung, fordert Vesper, doch wolle man das nicht gesetzlich vorschreiben. „Wir appellieren an die Eigenverantwortlichkeit der Bürger,“ so der Landesbauminister in Düsseldorf.
Der durchdringende Warnton des Rauchmelders wecke – so die entsprechenden Anbieter – aus dem tiefsten Schlaf und verschaffe die nötige Zeit, zu fliehen, die Feuerwehr zu rufen oder möglicherweise selbst den Brand zu löschen. Zwischen 50 DM und 100 DM kosten die batteriebetriebenen Geräte. Sie sollten möglichst vor oder im Schlafraum unter der Decke installiert werden, raten Brandschutzfachleute. Ein Schutz empfehle sich auch für Kinderzimmer und Keller.

Rauchschutzklappen mit optischen Rauchmeldernim Luftkanalnetz

Beim Kauf eines Rauchmelders sei auf die gängigen Sicherheits- und Qualitätsstandards zu achten, teilt Anbieter First Alert mit. Beispiele seien das amerikanische Qualitätszeichen UL, das europäische CE- und das deutsche GS-Gütezeichen.
In Häusern mit mehreren Stockwerken sollten die Melder in den Fluren montiert werden. In größeren Häusern sorgt eine Vernetzung von bis zu zwölf Geräten für Sicherheit. Das Festlegen von Fluchtwegen für jeden Raum sei – so First Alert – besonders für Senioren wichtig, um im Brandfall eine schnelle Orientierung zu ermöglichen und den günstigsten Weg ins Freie zu finden. Zwei Faktoren machten nämlich Brände besonders für alte Menschen gefährlich: Rauch und Zeit. Fluchtwege sollten deshalb allen Bewohnern bekannt sowie stetes frei und benutzbar sein.
In belüfteten oder klimatisierten Gebäuden dagegen droht im Brandfall oft die heimtückische Rauchaustreibung durch das verzweigte Luftkanalnetz. Brandschutzklappen können das in der Regel nicht verhindern, weil sie nur bei Hitzeinwirkung schließen, also kalten Rauch munter passieren lassen. Entsprechend erklärt das Unternehmen Gebr. Trox in Neukirchen-Vluyn: „Spezielle Rauchschutzklappen mit optischen Rauchmeldern reagieren generell auf verschmutzte Luft im Kanalnetz.“ Über die Systemlösung, die – so der Anbieter – auch nachrüstbar sei, unterrichtet eine Druckschrift des Herstellers.
E. WALLERANG.
Das Faltblatt „Rauchmelder retten Leben“ ist erhältlich bei der Pressestelle des NRW-Bauministeriums, 40217 Düsseldorf. Die ebenfalls unentgeltliche Informationsschrift zur Vermeidung der Rauchausbreitung gibt es bei Trox, 47506 Neukirchen-Vluyn.

Ein Beitrag von:

  • Elmar Wallerang

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