Gebäudetechnik 02.03.2001, 17:28 Uhr

Nach und nach verschwinden die alten Thermen

Zwei statt vier Leitungsstränge genügen, wenn ein Gebäude nachträglich mit einer Zentralheizung versorgt werden soll, die gleichzeitig auch Warmwasser spendet. Ein kleiner Wärmetauscher in der Wohnung zapft hierfür das Heizwasser an. Aufgrund des vereinfachten Verfahrens dauert die Modernisierung je Wohnung – so ein Leipziger Systemanbieter – nur einen Tag.

Trotz Wiederaufbau im Nachkriegszeit und großer Modernisierungsaktion nach der Wende gibt es im vereinten Deutschland noch immer Altbauten ohne Zentralheizung. Für Heizwärme und Warmwasser sorgen in den betreffenden Wohnungen vielfach Gasthermen. Um solche Gebäude mit einer komfortablen Zentralheizung auszustatten, bedürfe es keiner großen baulichen Maßnahmen, versichert der Anbieter eines Schnellmontagesystems. Durch Nutzung der Wärmetauschertechnik genügten zwei statt vier Leitungsstränge, um ein Gebäude mit Heizwärme und Warmwasser zentral zu versorgen. Die entsprechende Wärmetauscherstation lässt sich in der Küche unterbringen.
Erst wurden die alten Gasherde verschrottet, jetzt kommen vermehrt die Gasthermen dran: In betagten Mehrfamilienhäusern, die zur Sanierung anstehen, bevorzugen immer mehr Bauherren eine zentrale Wärmeversorgung ohne Risiken und ohne wartungsintensive Schornsteine. Die modernen Heizzentralen stehen oft im Dachgeschoss sie sind kompakt und relativ leicht, weil aufgrund dicker Wände alter Häuser und zusätzlicher Dämmung eine kleinere Leistung genügt.
Das verzweigte Gasnetz mit den vielen Einzelgasanschlüssen wird bei der Sanierung einfach stillgelegt. Ist der neue Kessel gasbefeuert, reicht eine Stichleitung in den Heizungskeller oder ins Dachgeschoss. Allerdings: Um das Heizwasser in die einzelnen Wohnungen zu transportieren, ist die Installation eines Verteilnetzes notwendig. Damit das zügig und ohne lange Mieterbelästigung vorangeht, entwickelte die Heizungsindustrie vorgefertigte Bauteile und ganze Rohrstränge, die zusammengesteckt oder geschraubt werden. Lästige Schweißarbeiten entfallen somit.
Einen Schritt weiter geht die Leipziger Firma Logotherm, die einen regelrechten Systembaukasten für die nachträgliche Installation einer Zentralheizung anbietet und diese Technik bereits mehrfach realisiert hat. Die senkrechten Hauptstränge werden dabei durch vorhandene Schächte gezogen, oder man platziert sie im Treppenhaus. Nur wenn es anders nicht geht, werden sie auch durch die Wohnungen verlegt. Praktisch erweist sich in einem solchen Fall ein stillgelegter Kamin, der dann als Rohrschacht genutzt werden kann.
Diese Hauptstränge werden mit einer sogenannten „Wohnungsstation“ verbunden, die an der Stelle der alten Gastherme montiert wird und pro Wohnung die notwendigen Absperrorgane, die Regelung und einen Wärmezähler enthält. Der Energieverbrauch wird also individuell erfasst und abgerechnet. Die Verdunsterröhrchen an den Heizkörpern entfallen, über spezielle Ablesesysteme kann der Verbrauch sogar ohne Betreten der Wohnungen ermittelt werden. „Mancher Ärger mit den Mietern ist dadurch aus der Welt geschafft,“ betont Logotherm-Vertriebsleiter Dipl.-Ing. Carsten Wölk.
In den Wohnungen selbst werden die bisherigen Leitungen und Anschlüsse der alten Gastherme zu den Heizkörpern und Zapfarmaturen weiterhin genutzt. Laut Logotherm dauert es pro Wohnung nur einen Tag, bis die Umstellung abgeschlossen ist. Wölk: „Die Sanierungsschlacht und die Mieterbelästigung bleiben gering.“ Bei der Rohrstrangverlegung im Treppenhaus spiele es zudem keine Rolle, welche Wohnungen oder welche Etagen zuerst oder zuletzt angeschlossen würden.
Und wie wird das Warmwasser erzeugt, wenn die alten Kombithermen verschwinden? An ihre Stelle trete ein kleiner Wärmetauscher, der die Energie des Heizungswassers „anzapft“, erläutert der Logotherm-Vertriebsleiter. Bei Bedarf gibt also der Heizungsvorlauf seine Energie zur Brauchwassererwärmung ab. „Diese Lösung erspart dem Bauherrn ein zusätzliches Leitungsnetz für das Warmwasser, das normalerweise vom Dach- oder Kellerkessel die einzelnen Wohnungen versorgt,“ betont Wölk. „Zweileiter- statt Vierleiter-System“ laute in Fachkreisen die entsprechende Terminologie, weiß der Vertriebsleiter und verweist auf einen zusätzlichen Vorteil: „Das Warmwasser wird nicht in einem Speicher bevorratet, der verkeimen kann.“ Nur beim Zapfen würde das Warmwasser auf die gewünschte Temperatur gebracht. Auch seien die Wärmeverluste bei zwei Rohrsträngen geringer als bei vier Leitungen. „Bis zu 20% beträgt die Energieeinsparung,“ rechnet Wölk vor, was die Nebenkosten für die Mieter spürbar senke. P. G.

Von P. G.

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